Theresia Aumüller steht an der Kopierpresse, die Albert Aumüllers Großvater Johann Aumüller kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert anschaffte.
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Theresia Aumüller steht an der Kopierpresse, die Albert Aumüllers Großvater Johann Aumüller kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert anschaffte.

Egenhofen

Schätze aus dem Heimatmuseum: Das war der Kopierer des 19. Jahrhunderts

So fern die Welt des frühen 20. Jahrhunderts in vieler Hinsicht ist, so bekannt wirkt sie beim Betrachten von zeitgenössischen Gegenständen dann doch. Eine in der Furthmühle ausgestellte Kopierpresse mit zugehörigem Kopierbuch gibt tiefe Einblicke in das Geschäftsleben vor dem Ersten Weltkrieg. Die damals kopierten Schriftstücke zeigen viele Ähnlichkeiten zum heutigen Tage.

Egenhofen - Das Gerät auf dem Schreibtisch besteht aus zwei großen, metallenen Platten, welche mit Hilfe eines Schraubgewindes zusammengepresst werden können. „Dieses Gerät ist der Kopierer des 19. Jahrhunderts“, sagt Museumsbetreiber Albert Aumüller über die massive Presse. Das vom schottischen Erfinder James Watt im Jahr 1780 patentierte Gerät ist von Aumüllers Großvater Johann Aumüller kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert angeschafft worden.

Die Funktion des Gerätes ist so einfach wie genial. Ein mit einer Spezialtinte handgeschriebenes Schriftstück wird nach einer Schicht Wachspapier auf die Presse gelegt. Darauf folgt eine Schicht ungeleimtes Seidenpapier, ein feuchtes Baumwolltuch und zum Abschluss ein weiteres Stück Wachspapier.

Dann werden diese Schichten mittels Schraubstock unter großem Druck zusammengepresst. Die Tinte löst sich durch die Feuchtigkeit aus dem Tuch auf und durchdringt das Seidenpapier, sodass darauf eine Kopie des ursprünglichen Schriftstücks entsteht. So konnte mit der Kopierpresse zeitaufwändiges Abschreiben per Hand vermieden werden.

In der Furthmühle wurde je eine der Kopien gesammelt und in einem Kopierbuch eingeheftet. Darin blieb die in Sütterlinschrift geschriebene Korrespondenz des Mühlenbetreibers Johann Aumüller bis heute erhalten. Von 1904 bis 1913 sammelten sich in dem Buch vielerlei unterschiedliche Schriftstücke, zum Beispiel Arbeitszeugnisse, Briefe an die königliche Brandversicherungsinspektur in München, Anfragen und Bestellungen an Maschinenbaufirmen und auch Lieferscheine für Schnittholz aus dem Sägewerk der Mühle. „Im Prinzip ist das eine moderne Korrespondenz“, sagt Museumsbetreiber Albert Aumüller über das alte Kopierbuch.

Bis weit in das 20. Jahrhundert wurde die Presse, wenn auch zweckentfremdet, noch weiterverwendet. „Wo andere Kinder zum Pressen von Blättern für die Schule Bücherstapel nutzten, da habe ich die Presse meines Großvaters verwendet“, sagt Aumüller und schmunzelt. SVEN BEHRENS

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