Frisches Brot ist seine Leidenschaft: Rund 80 Laibe backt Eberhard Herrmann (l.) jede Woche. Professionelle Hilfe bekommt er dabei vom pensionierten Bäckermeister Martin Kaufmann. 	fotos: weber
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Frisches Brot ist seine Leidenschaft: Rund 80 Laibe backt Eberhard Herrmann (l.) jede Woche. Professionelle Hilfe bekommt er dabei vom pensionierten Bäckermeister Martin Kaufmann.

Egenhofen

Sein Traum vom Brotbacken wurde wahr

  • Lisa Fischer
    VonLisa Fischer
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Träume haben viele Menschen. Eberhard Herrmann aus Egenhofen hat seinen wahr werden lassen. Seitdem der 70-Jährige in Rente ist, backt er professionell Brot. Von seiner Leidenschaft profitiert auch die Grundschule im Ortsteil Aufkirchen.

Egenhofen – Es ist Montagnachmittag. Durch die Mühlstraße in Egenhofen wabert der warme Duft von frisch gebackenem Brot. Ursprung des Nasen-Schmauses ist der Hof von Eberhard Herrmann. Mit weißer Schürze und einem rollbaren Regal-Wagerl voller Brot-Laibe steht der 70-Jährige vor seinem selbst gebauten Ofen. Brot backen ist sein neustes Hobby. Vor der Pensionierung hat er jahrelang selbstständig als gelernter Schepser Bäume entrindet und so seine Brötchen verdient: „Jetzt bin ich Rentner, jetzt ist mir langweilig“, antwortet Herrmann lachend auf die Frage nach dem Branchen-Wechsel.

Bei dem Ofen neben ihm handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Backofen. Nein. Der heiße Schlund ist in einem kleinen Häuschen eingemauert, das mit roten Ziegeln, Dachrinne und weiß verputzter Fassade wie ein Miniatur-Häuschen neben dem Wohnhaus steht. Eineinhalb Jahre hat Herrmann auf eine Bau-Genehmigung vom Landratsamt gewartet. Seit Anfang des Jahres backt Herrmann nun montags am Vormittag zwei Sorten Brot und verkauft es am Nachmittag. „Ich habe mir den Montag ausgesucht, da ich dann den anderen Bäckern im Ort keine Konkurrenz mache“, sagt der gebürtige Dirlesrieder.

Geld bleibt in der Gemeinde

Die Einnahmen aus dem Brotverkauf spendete Herrmann erst der Brucker Tafel. Mittlerweile geht der Gewinn an die Grundschule Aufkirchen. „So bleibt das Geld in der Gemeinde“, sagt der Hobby-Bäcker. Und die Unterstützung kommt gut an: „Den Schülern wird damit ein Obst- und Gemüsetag finanziert“, sagt der dreifache Großvater Herrmann strahlend.

Zwischen 80 und 90 Brotlaibe backt und verkauft Herrmann mit seinem Helfer Martin Kaufmann jede Woche. Der Dasinger war 50 Jahre lang als Bäckermeister in namhaften Bäckereien tätig. Jetzt ist auch er in Rente und meldete sich auf ein Zeitungs-Gesuch von Herrmann.

Den Roggenbrot- und Dinkelbrot-Sauerteig bereitet das Duo ab Freitag vor, um die Teiglinge dann montags ab 5.30 Uhr fertig zu machen. „Im Backkurs, den ich gemacht habe, haben sie gesagt, dass es mit zwei Brotsorten für den Anfang erst einmal genug ist“, erklärt Eberhard Herrmann.

Mehl aus der Furthmühle

Sein Brot ist ein durch und durch lokales Erzeugnis. Das Mehl holt er aus der Furthmühle. „Alle 14 Tage hole ich ungefähr sechs Säcke Mehl à 25 Kilo“, erzählt Herrmann. Zusammen mit seinem sechsjährigen Enkel Andreas geht es im elektrischen Golfwagen bis zur Mühle und zurück. „Sozusagen wird das Bio-Mehl klimaneutral geholt“, scherzt Herrmann.

Um die Geschäfte zu regeln, gründete Herrmann Anfang des Jahres den Backverein Egenhofen. Gründungsmitglied und Freund Toni Schräfl kümmert sich als Schriftführer um die bürokratischen Angelegenheiten. „Es musste ja zunächst auch eine Satzung her“, erklärt der 64-Jährige.

Back-Kultur

Seit 30 Jahren rede Herrmann schon davon, einmal Brot backen zu wollen, erzählt Schräfl. „Es ist stark, dass er es in dem Alter mit diesem Idealismus durchzieht.“ Doch eine weitere Hand die anpackt, wäre dem Verein recht. „Es steht und fällt alles mit Eberhard“, sagt Schräfl.

Der möchte vor allem mit seinem neuen Hobby die Back-Kultur erhalten. „Heute gibt es ja nur noch Fertigware und kein handwerkliches Backen mehr“, sagt der 70-Jährige. Am Ende seines Projekts ist er noch lange nicht angekommen. Die neuste Errungenschaft ist ein hölzernes Verkaufshäusl auf dem Herrmannschen Hof. Hier kann er das Brot professionell ausgeben. Bisher musste sein Carport dafür herhalten.

Für die Zukunft hat Eberhard Herrmann noch weitere Ideen auf Lager. Eine davon: Die Egenhofener können ihre Teiglinge von Daheim mitbringen und bei ihm fertig backen.

Das frische Brot

bekommen die Kunden auf Vorbestellung bis Sonntag, telefonisch unter (0 81 34) 12 52. Kosten pro Laib: vier Euro. Für Kurzentschlossene gibt es aber auch eines der Roggen- oder Dinkelbrote im Vorbeigehen, solange der Vorrat reicht.

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