Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

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Neue Vorsitzende des Fördervereins

Sie will die Furthmühle langfristig sichern

Die neue Vorsitzende des Fördervereins Furthmühle, Korinna Konietschke, will die Zukunft des 200 Jahre alten Gebäudes sichern. So wie sie es mit ihrem eigenen Haus vorgemacht hat.

Egenhofen – Wenn Korinna Konietschke über die Furthmühle spricht, kommt sie sofort ins Schwärmen: „Die Anlage ist einmalig, bayernweit, vielleicht sogar deutschlandweit.“ Sie erläutert: „Die Furthmühle ist ein 200 Jahre altes technisches Denkmal, das voll funktionsfähig ist. Wo gibt es sonst noch so etwas?“

Zusammen mit Mühlenchef Albert Aumüller führt sie den Besucher durch die aktuelle Ausstellung „Krapfa und Kraut“ und weist auf manches Detail hin, zum Beispiel auf einen Fahndungsaufruf der Königlich Bayerischen Regierung aus dem Jahre 1845, mit dem ein Pferdedieb gesucht wurde, samt seiner Beute – ein Unterschweinbacher Wallach, der „15 Fäuste hoch“ war. „Deswegen steht hier ein Holzpferd, an dem man die Größe selber nachmessen kann“, erläutert Konietschke.

Die neue Vorsitzende kommt aus Olching

Aumüller steht daneben und freut sich offensichtlich über ihr Engagement und ihre Kenntnisse. Man könnte meinen, dass sich die 45-Jährige schon seit langer Zeit mit der Mühle identifiziert, so leidenschaftlich und kompetent wie sie darüber redet. Dabei ist Konietschke erst seit wenigen Wochen mehr als nur einer von den vielen Fans der Furthmühle. Anfang April zog sie in den Vorstand des Fördervereins ein und wurde zur Vorsitzenden gewählt – als Nachfolgerin des im vergangenen Jahr verstorbenen Ludwig Benson.

Die gebürtige Bruckerin, die in Olching aufgewachsen ist, lebt mit ihrer Familie seit sechs Jahren im Egenhofener Ortsteil Weyhern. Im Gemeindeleben ist sie bestens bekannt, unter anderem als Vorsitzende des Elternbeirats an der Aufkirchener Grundschule oder als Koordinatorin des Asylhelferkreises. Konietschkes Engagement in der Furthmühle kommt nicht von ungefähr. „Ich kenne und liebe die Mühle schon seit rund zehn Jahren“, berichtet die Mutter von drei Kindern. Damals machte der Kindergarten ihres älteren Sohnes einen Ausflug zur Furthmühle. Korinna Konietschke nahm daran teil – und war sofort fasziniert von dem historischen Baudenkmal.

Von da an schaute die Familie regelmäßig in der Mühle vorbei, an den Mühlentagen, aber auch bei sonstigen Veranstaltungen. Vor allem ab dem Sommer 2012, als sie mit Ehemann Thomas und den Kindern ins nahe Weyhern zogen. In ein Anwesen, das mindestens genauso alt ist wie die Mühle an der Glonn: die ehemalige Orangerie des Schlosses Weyhern. Ein Bau, der im Jahre 1834 vom bekannten Architekten Jean Baptiste Métivier (1781 - 1853) entworfen wurde, für den Besitzer des Schlosses Ludwig Karl Freiherr von Lotzbeck (1786 - 1873), ein Schnupftabakhändler aus dem Badischen.

Der Kern der Anlage ist allerdings deutlich älter und stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Die Orangerie wurde später auch als Poststation genutzt, verfiel dann aber langsam. Anscheinend hat Korinna Konietschke ein Faible für historische Bauwerke. Ist das eventuell beruflich bedingt? „Eigentlich nicht“, lautet ihre Antwort. Sie ist Betriebswirtin, Schwerpunkt „Gastronomische Beratung.“ Dabei hatte sie auch mit geschichtsträchtigen Gasthäusern zu tun gehabt. Zum Beispiel mit der Gastwirtschaft am Münchner Nockherberg, für das sie vor einigen Jahren mit dem damaligen Wirt, Peter Pongratz, das Schanksystem konzipierte.

Ihr Mann ist vom Baufach, er ist Inhaber eines Bauleitungsbüros. Klar, dass der 48-Jährige die Renovierung des neuen Eigenheims selber verantwortete. „Immer in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden“, wie seine Frau betont.

Ein Projekt, das so eigentlich nicht geplant war. „Wir hatten eigentlich schon ein Grundstück in Pfaffenhofen gekauft, als wir durch Weyhern nach Hause fuhren.“ Sie blieben vor der vernachlässigten Orangerie stehen. „Das Dach war halb eingestürzt, das Mauerwerk bröckelte“, erinnert sich Konietschke. Das Paar fasste einen Plan: „Dieses Haus wollen wir retten und zu unserem Heim machen.“

Studentin jobbte in Weyhern

Während ihres Studiums hatte Korinna Konietschke als Bedienung in der alten Weyherner Wirtschaft gejobbt. Dass es die Gaststätte nicht mehr gibt, tut ihr in der Seele weh, wie sie zugibt. Und der Zustand der alten Orangerie schmerzten sie und ihren Mann ebenso. Sie erwarben das Gebäude samt Grund – und machten daraus ein echtes Schmuckstück, wie die Öffentlichkeit am „Tag des offenen Denkmals“ im vergangenen Herbst entdecken konnte. Mit viel Engagement, Leidenschaft und Liebe zum Detail.

Diese Art von Einsatz will Korinna Konietschke nun in den Furthmühlenverein einbringen. Ihr oberstes Ziel: „Ein langfristiges Konzept für den weiteren Betrieb der Mühle.“ Denn Aumüller und seine Frau Theresia haben bis dato keine Nachfolger gefunden für die Zeit, wenn sich beide zur Ruhe setzen wollen. Konietschke hofft auf ein stärkeres Engagement des Landkreises. „Allein vom Eintritt, einigen Veranstaltungen und dem Verkauf von Kuchen kann man den Unterhalt einer derartigen Einrichtung auf Dauer nicht finanzieren“, hat die Betriebswirtin schnell errechnet.

Sie verweist auf das Bauernhofmuseum Jexhof bei Schöngeising, bei dem der Landkreis als Träger fungiert, oder auf das Freilichtmuseum Glentleiten in der Nähe des Kochelsees, das vom Regierungsbezirk Oberbayern betrieben wird. Doch erst einmal will sich Konietschke um Naheliegendes kümmern, wie die Überarbeitung der Furthmühlen-Homepage. Sie sieht ihr Engagement langfristig, „mindestens die nächsten zehn bis 20 Jahre.“ Albert Aumüller lächelt. Die Zukunft der Furthmühle steht neben ihm.

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