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Ein tiefer Graben: Der Neschelbach ist seit seiner Begradigung V-förmig ins Gelände eingekerbt. Hinten links ist Oberweikertshofen zu sehen, rechts liegt das Unterschweinbacher Gewerbegebiet.

Wohin mit dem Regenwasser?

Tiefer Graben verzögert Wertstoffhof-Bau

Unterschweinbach - Der Bau des neuen großen Wertstoffhofs bei Unterschweinbach kommt einfach nicht in die Gänge. Der Grund: der ungeklärte Umgang mit dem Regenwasser. Der Neschelbach-Graben sorgt für weiteren Ärger.

Es war eine scheinbar harmlose Frage, die Thomas Wieser (WGE) in der Sitzung des Egenhofener Gemeinderats an Bürgermeister Josef Nefele (BGE) richtete: „Wie steht es eigentlich um den neuen Wertstoffhof?“ Die Folge war ein heftiger Disput zwischen dem Ortsoberhaupt und der CSU-Chefin Gabriele Dietrich.

Zur Erinnerung: Seit Jahren will die Gemeinde ein neues Sammel-Areal westlich des Unterschweinbacher Gewerbegebiets errichten. Eine Frage war offen: Wo wird das Regenwasser gesammelt? Ende Juni 2016 schien ein Durchbruch erzielt worden zu sein: Die beiden Vorsitzenden des Abwasserzweckverbands Schweinbach-Glonngruppe (AZV), Lutz Rosenbaum und Gabriele Dietrich, der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB) sowie Nefele und dessen Oberschweinbacher Kollege Norbert Riepl (CSU) einigten sich darauf, ein Regenüberlaufbecken nördlich des Neschelbachs anzulegen. Die Kosten sollte der AWB tragen, inklusive der Rechnung für den Ausbau der Zufahrtswege.

Im selben Arbeitsgang sollte der Neschelbach renaturiert werden. Das kleine Rinnsal ist vor vier Jahren in einen tiefen V-förmigen Graben gelegt worden – allerdings ohne amtliche Genehmigung und gegen ökologische Vorschriften (wir berichteten damals). Der Bach muss zurückgebaut werden. Doch die wasserwirtschaftlichen Genehmigungen für das Regenwasserbecken ließen auf sich warten.

Vor diesem Hintergrund suchten Rosenbaum und Dietrich nach einer kostensparenden Lösung und hatten die Idee, das Becken in den Lauf des Neschelbachs zu integrieren. Die beiden AZV-Chefs baten ihren CSU-Parteifreund Landrat Thomas Karmasin um Hilfe. Der lud daraufhin Vertreter vom Wasserwirtschaftsamt, vom AWB und vom AZV zu einer Runde in seine Behörde.

Ein Vorgang, der Nefele erzürnt – zumal er selber nicht eingeladen war. Er wirft Dietrich vor, „ohne Mandat“ gehandelt zu haben.

Dietrich retourniert: „Als CSU-Ortsvorsitzende brauche ich keine Erlaubnis, um mit meinem Kreisvorsitzenden zu telefonieren. Und als AZV-Verantwortliche brauche ich kein Mandat, um mit dem Landrat zu reden.“

Die Brucker Runde endete indes mit verblüffenden Ergebnissen: So dürften Rückhaltebecken und Gewässer prinzipiell nicht kombiniert werden, erklärte das Wasserwirtschaftsamt. Außerdem ließen die Wasserexperten verlauten (so erinnert sich Dietrich), dass der AWB sein Regenwasser sowieso direkt auf dem Wertstoffhof-Gelände sammeln könne – das Becken am Neschelbach wäre daher überflüssig.

Der Haken an dieser eleganten Lösung: Der AZV bleibt ganz alleine auf den Sanierungskosten rund um den Bach sitzen. Wie hoch die sein werden, ist umstritten. Dietrich spricht von einem Betrag im „vierstelligen Bereich“. Nefele befürchtet, dass sich die Kosten auf „mindestens 50 000 Euro“ belaufen werden.

Von Horst Kramer

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