Vom Marienplatz auf Deutschlands höchsten Gipfel

Zugspitz-Tour extrem

Unterschweinbach – Eine normale Bergtour reicht Patrick Brauch nicht. Der Unterschweinbacher sucht die ganz besondere Herausforderung. Deshalb erklomm er im Herbst die Zugspitze – mit 115 Kilometern Anlauf.

 Freitag, der 23. September, war kein freundlicher Tag. Zumindest nicht auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Auf 2962 Metern pfiff der Wind um das Gipfelkreuz, die Temperatur lag am Nachmittag um halb vier knapp unter dem Gefrierpunkt. Wolken versperrten jegliche Sicht. Einer strahlte trotzdem: der 29-jährige Patrick Brauch. Es war zwar nicht das erste Mal, dass der Unterschweinbacher auf der Zugspitze stand. Aber das einzige Mal, dass er den Aufstieg am Münchner Marienplatz begonnen hatte.

Am Vortag war Brauch um 6.25 Uhr an der Mariensäule gestartet. Nicht alleine, sondern zusammen mit seinem Bruder Florian und seinem Sportkameraden Florian Spieß – beide kicken gemeinsam beim FSV Aufkirchen. Doch oben auf dem Gipfel war er alleine. „Dass ich dort oben ohne die beiden Florians stand, das schmerzte“, erinnert sich Patrick Brauch wehmütig. Umso glücklicher war er, als er via Handy die euphorischen Glückwünsche der beiden entgegen nahm. „Ich hab mich total für Patrick gefreut, dass er es geschafft hat“, sagt Florian Spieß und lächelt.

Drei Monate zuvor hatte sich das Trio schon einmal an der Herausforderung, die Zugspitze von München aus zu besteigen, die Zähne ausgebissen, zusammen mit zwei weiteren Freunden. Obwohl alle fünf erfahrene Bergwanderer sind. Doch die Joggingschuhe, für die sie sich entschieden hatten, sorgten für Blasen, die Verpflegung – Studentenfutter, Bananen, Powerriegel – konnte den immensen Energieverbrauch nicht ausgleichen.

Die Folge: der „Mann mit dem Hammer“ schlug bei jedem unerbittlich zu (ein Energieloch, verursacht durch Kohlehydratmangel). Nach knapp 16 Stunden und 66 Kilometern gab Patrick Brauch als letzter auf, in einem Dorf namens Kleinweil. Und schwor sich umgehend: „Beim nächsten Mal machen wir es besser.“

Es folgten Wochen akribischer Planung. In einem Wanderforum stieß er auf den routinierten “Powerwalker“ Martin Prasch, der ihm wertvolle Tipps zur Vorbereitung („Training, Training, Training“) und Durchführung der Tour („Wanderschuhe eine Nummer größer, Socken eine Nummer kleiner“) gab.

So fand sich die Seilschaft Ende September erneut an der Mariensäule ein. Mit Trail-Wanderschuhen an den Füßen, kohlehydratreichem Power-Gel im Gepäck und einem klaren Zeitplan im Kopf. „Ich hatte gleich das Gefühl: Das ist mein Tag“, entsinnt sich Patrick Brauch.

Die Tour entlang Isar und Loisach verlief programmgemäß. Nur dass jede Pause ein paar Minuten länger ausfiel als kalkuliert. Und dass der Hunger abends um acht, als sie gerade Penzberg passierten, so übermächtig wurde, dass sie in einer Pizzeria Rast machten. Spieß schüttelt den Kopf: „Damit haben wir unser Zeitmanagement total ins Schleudern gebracht.“ Ihr Problem: Sie mussten sicher sein, die Schlusspassage zwischen der Neustädter Hütte (2209 Meter) und dem Gipfel bei Tageslicht bewältigen zu können. „Als wir um Mitternacht in Kleinweil einliefen, war uns bewusst, dass wir zu langsam sind“, erzählt Spieß.

Eine Tempoverschärfung erschien angesichts des schweren Schlussaufstiegs zu riskant, sie begannen zu zweifeln. Spieß spricht von einem „mentalen Problem“, das ihn und Florian Brauch um 2.30 Uhr in Ohlstadt zur Aufgabe bewegte.

Nicht so Patrick Brauch. Er legte einen kräftigen Zahn zu. „Ich ging wie im Tunnel“, beschreibt der 29-Jährige die folgenden Stunden. Gegen die gespenstische Stimmung im dunklen Forst behalf er sich mit Gute-Laune-Musik aus den 1980er-Jahren, zum Beispiel von Pur. „In Partenkirchen war ich mir hundertprozentig sicher, ich werde es schaffen.“ Um neun Uhr traf er am Eibsee ein, wo ihn seine Schwester mit der Bergausrüstung erwartete.

Voller Adrenalin ging Brauch auf die Schlussetappe. Bis ihm einfiel, dass er vergessen hatte, am Eibsee seinen Geldbeutel umzupacken, den er für eine Hüttennacht oder die Rückfahrt mit der Zugspitzbahn dringend benötigen würde. Doch aus dieser Not half ihm ein Kölner Tourist, so dass er sich auf der Hütte ein Getränk leisten konnte.

Schon um 15.30 Uhr stand Brauch am Gipfel. Überglücklich, so wie nur die Berge einem Menschen Glück schenken können. Vermutlich sogar noch ein bisschen glücklicher.

Wie der Unterschweinbacher dann nach Hause kam (der Zugspitzbahn-Schaffner ließ ihn kostenlos mitfahren), ist eine eigene Geschichte. Ebenso, dass sein Bruder zwei Wochen später in München seinen ersten Marathon erfolgreich in 3:45 Stunden bestritt.

Und auch dass sein Kumpel Florian Spieß einen festen Vorsatz für das neue Jahr gefasst hat: „Im Herbst stehe ich auf der Zugspitze!“ Patrick Brauch klopft ihm auf die Schulter: „Die Schlussetappe gehe ich mit.“ (kra)

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