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An der Bushaltestelle ging es los: Jörg Lohfink beobachtete hier, wie ein Dieb einen Roller auf seinen Lkw lud. Das wollte Lohfink nicht durchgehen lassen. Er verfolgte den Langfinger, bis die Polizei kam.

Egenhofener stellt dreisten Roller-Dieb

Egenhofen - Polizist wollte Jörg Lohfink irgendwann nicht mehr werden. Das hat er einst während der Ausbildung zu diesem Beruf für sich entschieden. Mehr als 40 Jahre später bricht der 61-jährige Egenhofener mit seinem Vorsatz – und verfolgt dreiste Roller-Diebe.

Ohne die Löcher wäre vermutlich nichts passiert. Doch als Jörg Lohfink auf dem Weg zum Zahnarzt ist, liegen die Nerven blank. „Die hatten keine Warnschilder aufgestellt“, ärgert sich der Egenhofener. Die – das sind in dem Fall die Mitarbeiter einer Straßenbaufirma, die in Geisenbrunn Schlaglöcher ausbessern. Aus lauter Ärger schaut sich der 61-Jährige die blauen Fahrzeuge genau an. Und verhindert somit einen besonders dreisten Diebstahl, als ein Bauarbeiter einen City-Roller auf die Ladefläche legt.

Als der Unternehmer aus Egenhofen nach dem Zahnarzt auf dem Weg zu seiner Lagerhalle gegenüber einer Bushaltestelle ist, sieht er erneut eines dieser blauen Baustellenfahrzeuge mit dem Dachauer Kennzeichen. Im Schneckentempo bewegt sich das Gefährt auf die Haltestelle zu. „Da sind doch gar keine Schlaglöcher“, denkt Lohfink noch. Und ehe er sich versieht, steigt einer der Bauarbeiter aus dem Fahrzeug, greift sich einen City-Roller, der an der Haltestelle steht, und bugsiert ihn auf die Ladefläche. Lohfink ist baff – aber nicht zu sehr.

Aus einem Sinn für Gerechtigkeit heraus setzt er sich in sein Auto und fährt dem Dieb des Rollers hinterher. Der gehört einem Schüler, vermutet der Egenhofener. „Der Junge kommt mit dem Bus von der Schule, und der Roller ist weg. Das gehört sich nicht.“ Der 61-Jährige verfolgt die Roller-Diebe bis zu einem Parkplatz. „Da waren einige blaue Fahrzeuge gestanden. Auch ein Laster mit Teer für die Löcher.“ Lohfink greift zum Handy und ruft die Polizei. „Ich war natürlich aufgeregt.“

Die Aufregung wird noch größer, als die blauen Fahrzeuge losfahren. „Ich hatte Angst, dass die mir durch die Lappen gehen“, sagt Lohfink. Doch das braucht er nicht, die Polizei trifft wenige Herzschläge später ein. Mit Blaulicht halten sie den Bauwagen an. Besonders dreist: „Derjenige, der den Roller auf den Pick-Up gehoben hat, sagte, dass der Roller bereits den halben Tag dort gestanden sei. Und da habe er sich gedacht, er könnte ihn mitnehmen“, erzählt Lohfink. Gegen die Diebe wird jetzt ermittelt.

Eigentlich wollte er kein Polizist sein

Vor mehr als 40 Jahren hat der Egenhofener eigentlich mit der Polizei gebrochen. Er hatte Polizist werden wollen, aus einem Sinn für Gerechtigkeit heraus. Doch irgendwie passten er und der Job nicht zusammen. Denn auf der einen Seite stand er, ein Draufgänger mit Berliner Schnauze, bereit für Abenteuer; auf der anderen Seite graue Beamte mit Hornbrille, Seitenscheitel und dem Gesetzbuch unterm Arm, wie er es damals erlebte. „Nachdem ick als Berliner die Schnauze gerne aufreiße, können Sie sich vorstellen, wie das Verhältnis war.“

Ein Held sei er nicht, sagt der 61-Jährige. „Das ist doch selbstverständlich, nichts Besonderes. So sehe ich das jedenfalls.“ Die Eltern des jungen Rollerbesitzers sehen das anders. Sie haben sich bei dem Selbstständigen schon für dessen Handeln als Gesetzeshüter bedankt. Polizist sein will Lohfink aber nach wie vor nicht mehr. „Den Job möchte ich nicht machen.“ Es sei denn, er ärgert sich noch mal über Löcher.

Sascha Karowski

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