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Essen auf Rädern der besonderen Art: Seine Schützlinge erwarten Wolfgang Köhler immer sehnsüchtig.

Ein ganz besonderer Tierfreund

Der Katzenpapa vom Tonwerk

Eichenau/Tonwerk – Niemand will sie haben. Und ohne Wolfgang Köhler wären sie übel dran: Die Katzen vom Tonwerk.

Jeden Tag macht er sich auf den Weg. Bei Wind und Wetter schwingt sich Wolfgang Köhler auf sein Rad und fährt von Eichenau über die Emmeringer Leite Richtung Tonwerk. Er hat ein Ziel, das ihm vielstimmig entgegen maunzt: Eine Gruppe Katzen. Niemand will sie haben und ohne den Katzenpapa wären sie übel dran.

Charlotte und Rudi, die zwei „Säulenheiligen“, wie er sie nennt, empfangen Wolfgang Köhler miauend auf den Torpfosten, die ein unbewohntes Grundstück im Tonwerkgelände einrahmen. Charlotte und Rudi bewachen das Anwesen quasi stellvertretend für ein paar mehr rotgetigerte Artgenossen. Voller Erwartung lecken sie sich schon mal die Pfoten ab. Denn Wolfgang Köhler hat sicher Futter dabei.

Sechs rotgestreifte Tiger und ein etwas dunklerer, aus der Art geschlagener Kater namens „Der geringelte Außenseiter“ erwarten den 69-jährigen Rentner jeden Tag sehnsüchtig, und – mehr oder weniger hungrig. „Die Katzen sind eigentlich gut genährt“, meint Wolfgang Köhler. Trotzdem packt er Futter aus. Futter für sieben hungrige Mäuler. Etwas verhalten, aber in freudiger Erwartung, streichen die Tiere um seine Beine. Denn sie wissen, was jetzt gleich kommt – ob sie nun hungrig sind oder nicht: Wolfgang Köhler packt die Fressschüsseln aus und das große Fressen kann beginnen.

Natürlich hat der Katzenpapa auch warmes Wasser mitgebracht – in einer Thermoskanne. Das vermischt er mit Magermilch und Sahne und verteilt das Ganze auf sieben Schüsseln, die an der Hauswand aufgereiht nebeneinander stehen. Nach den ersten Schmatzern rund ums Haus beginnt an der von der Wintersonne aufgewärmten Hauswand das große Schlabbern.

„Das ist jetzt schon mein achter Winter mit diesen Katzen“, sinniert der Eichenauer. Der Besitzer der Katzen kam vor fünf Jahren ins Pflegeheim, vor vier Jahren ist er verstorben. Seither kümmert sich Wolfgang Köhler um dessen miauenden Nachlass. „Wir haben natürlich geschaut und dafür gesorgt, dass die Katzen sich nicht weiter vermehren, alle sind mittlerweile kastriert.“

Wir? Wer ist wir? Wolfgang Köhler ist nicht der Einzige, der sich um das Wohlergehen der Katzenwaisen am Tonwerk sorgt. „Mittlerweile hat sich eine richtige Fangemeinde gebildet und ganz viele Katzenfreunde bringen Futter vorbei, das sie im Schuppen auf dem Grundstück deponieren.“ Der 69-Jährige ist bei seinen Spaziergängen auf die rotgemusterten Miezies aufmerksam geworden und mit dem damaligen Besitzer ins Gespräch gekommen.

Nach dessen Tod hat der Rentner für die Katzen einen Unterstand hergerichtet. Bei Kälte oder Regen können sich die Tiere dort ins Haferstroh zurückziehen. Igelsicher, versteht sich. „Haferstroh ist sowieso das allerbeste Stroh“, weiß der Katzenfreund. Warum Igel nicht in den Unterschlupf dürfen, den er launig Katzenhotel nennt? „Die tragen ja jede Menge Ungeziefer mit sich herum.“

Ursprünglich war es ein gutes Dutzend Katzen. Denen, die noch übrig geblieben sind, hat Köhler teils beziehungsreiche Namen gegeben: „Dickes Ei“ drängelt sich gerne mal vor, wenn’s ums Fressen geht. „Bissguarn“, kann recht übellaunig sein. Dann gibt’s da noch das „Huscherle Weiberl“ und das „Huscherle Mannderl“ – die mögen sich so gar nicht gern über’s Fell streicheln lassen und „Schnicka-Schnacka“.

Natürlich gibt’s auch eine Rangordnung bei den Tonwerk-Katzen. „Wenn sich die Weiberl mal wieder streiten, dann schlichtet der Rudi“, weiß der 69-Jährige. Auch er musste sich das Vertrauen seiner Schützlinge erst verdienen. Bei „Dickes Ei“ hat es sechs Jahre gedauert, bis der Katzenpapa sie endlich streicheln durfte. Und jeden Tag muss er tunlichst darauf achten, dass er die Hackordnung bei der Fütterungszeremonie nicht durcheinanderbringt. Aber Köhler ist geduldig. So bringt der Eichenauer seinen Miezies weiter Essen auf Rädern ins Tonwerk. Seit vielen Jahren – und jeden Tag auf’s neue immer wieder gern.

von Angi Kiener

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