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Vor genau 100 Tagen hat Peter Münster sein Büro bezogen.

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100 Tage Bürgermeister – Peter Münster zieht Bilanz

Eichenau - Dass sich Peter Münster (FDP) gegen drei hochkarätige Mitbewerber als Eichenauer Bürgermeister durchgesetzt hat, war durchaus eine Überraschung. Heute vor genau 100 Tagen hat der 50-Jährige sein Amt angetreten.

100 Tage werden neuen Amtsträgern als eine gewisse Schonfrist zugebilligt. Reicht das aus?

Peter Münster: Die 100 Tage sehe ich eher als symbolische Zahl. Schonfristen sind immer relativ, wenn man Verantwortung hat. Ändern kann man in dieser Zeit nicht viel, allenfalls Dinge vorsichtig anstoßen. Man muss dazu auch die Mitarbeiter der Gemeinde besser kennenlernen. Im Rathaus ist das schon geschehen, bei den Außenstellen wie dem Bauhof kommt das nach und nach. So gesehen reichen 100 Tage nicht aus.

Trotzdem waren bereits Entscheidungen zu treffen. Was war die erste, die nach außen hin gewirkt hat?

Peter Münster: Feuerwehreinsätze, die keine Notfälle waren, mussten abgerechnet werden. Durch Engpässe und Krankheit sind die Abrechnungen vier bis fünf Monate liegen geblieben. Da musste als erstes die Bearbeitung nachgeholt werden.

Allzu viele Überraschungen kann es für Sie nach 26 Jahren als Gemeinderat im Rathaus nicht geben? Was hat der Bürgermeister Münster neu erkennen müssen?

Peter Münster: Einen großen Teil des Tagesgeschäftes bemerkt ein Gemeinderat gar nicht. Der braucht im Großen und Ganzen einen Überblick und eine gute Vorarbeit durch die Verwaltung. Als Bürgermeister muss man aber auch den alltäglichen Ablauf im Blick haben.

Bemerken Sie bei den Begegnungen mit den Menschen, ob die Bürger dem Bürgermeister Münster nun anders begegnen als dem Gemeinderat Münster?

Peter Münster: Der Unterschied ist durchaus deutlich, der Respekt und eine gewisse Art der Höflichkeit sind anders. Das hat aber mit dem Amt des Bürgermeisters an sich zu tun, nicht mit mir als Person. Das ist einfach so, ich sehe das ohne jede Emotion oder gar Eitelkeit.

Wie hat sich denn ihr Tagesablauf geändert?

Peter Münster: Die repräsentativen Termine, wie zum Beispiel der zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Budrio, haben zugenommen. Das macht aber Spaß und viel Freude. Ansonsten hat sich mein Tagesablauf nicht groß geändert.

In den Tag muss genauso Zeit für die vielen Vereine und Einrichtungen gepackt werden ...

Peter Münster: Auch wenn ich mit vielen schon seit langem in Kontakt bin, das Amt bringt es mit sich, dass eine gewisse Kennenlerntour notwendig ist. Die Adventszeit bietet dazu ideale Voraussetzungen. Mein Terminkalender ist ziemlich voll.

Zeitintensiv werden mit Sicherheit manche politischen Entscheidungen sein. Welche genießen Priorität?

Peter Münster: Viele Bereiche aus der letzten Klausurtagung im Jahr 2011 sind noch nicht umgesetzt. So ist die Frage noch nicht geklärt, wie sich die Hauptstraße entwickeln soll, wie groß das Interesse der Anwohner ist oder wie das Einzelhandelskonzept auszugestalten ist. Auch die Hochwasserfreilegung steht noch ganz am Anfang. Da werden wir mit den anderen Kommunen eine gemeinschaftliche Lösung finden müssen. Beim Schwarzen Graben hat das 25 Jahre gedauert. Ich hoffe, dass das jetzt schneller geht.

Gemeinsame Lösungen erfordern auch gute Kontakte zu den anderen Bürgermeistern. Haben Sie alle Antrittsbesuche bereits gemacht?

Peter Münster: Es besteht zu allen Bürgermeisterkollegen ein guter Kontakt. Der offene Umgang etwa mit dem Mammendorfer Rathauschef Josef Heckl oder dem Gröbenzeller Bürgermeister Martin Schäfer ist ein gutes Beispiel. Beide sind 2014 auch als Neulinge ins Amt gekommen. Ich stehe zudem mit meinem Vorgänger Hubert Jung regelmäßig in Verbindung und kann stets nachfragen.

Martin Schäfer hatte vor kurzem einen Schlaganfall ...

Peter Münster: Das mahnt zur Vorsicht, zur Demut und zum sorgfältigen Umgang mit der Gesundheit. Kurz vor dem Vorfall hatte ich noch einen Termin mit meinem Gröbenzeller Kollegen. Ich hoffe, dass er alles überstanden hat und sich weiter gut erholt.

Wenn der Bürgermeister Peter Münster den Terminkalender zur Seite legen kann ...

Peter Münster: ... dann versuche ich, so lange wie möglich auszuschlafen. Ein guter Ausgleich zum Job als Bürgermeister ist am Wochenende möglich. Es gelingt aber nicht immer. Am weitesten vom Amt weg bin ich und am besten entspannen kann ich in der Familie und bei Gesprächen mit Freunden. Die wollen dann möglichst wenig vom Bürgermeisteramt hören.

Das Gespräch führte

Hans Kürzl

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