Neubaupläne in Eichenau

Anwohner fürchten riesige Gewerbehalle

Mit der Ruhe ist es in Eichenaus beschaulicher Tannenstraße vorbei. Anwohner fürchten wegen der Pläne von Transgourmet einen Verlust an Wohn- und Lebensqualität. Dagegen wollen sie sich wehren.

Eichenau– Vor rund vier Jahren ist Markus Brüstle aus München nach Eichenau gezogen. „Wegen der Ruhe“ sagt er. Und weil er von seinem Haus aus auf Bäume blicken kann. „Man kann so gut die Gedanken schweifen lassen, wenn das Licht der Sonne durch die Bäume fällt“, ist der 45-jährige von seinem Domizil begeistert.

Damit kann in absehbarer Zeit Schluss sein – wenn die Neubaupläne so umgesetzt werden, wie es sich der Lebensmittel-Logistiker vorstellt. Danach soll die geplante Lagerhalle von Transgourmet 139 Meter lang, 49 Meter breit und 12 Meter hoch werden. Diese Zahlen nannte das Unternehmen auf Nachfrage des Tagblatts. „Das ist ziemlich genau dreimal so hoch wie die derzeit vorhandene Schallschutzmauer“, stellt Brüstle fest. Dies hat er auch der Gemeinde in einem Schreiben mitgeteilt, das dem Tagblatt vorliegt. 15 betroffene Anwohner haben unterschrieben.

In dem Brief klagen die Anwohner darüber, dass der Lebensmittel-Logistiker Fakten nicht richtig darstellt. So erklärt die Firma, dass der Neubau „nur doppelt so hoch sei“ wie die bestehende Mauer. Zudem entstünde durch die Darstellung von Transgourmet der Eindruck, dass der Neubau deutlich hinter der Wand errichtet werde und somit nicht massiv wirke.

Dem widersprechen die Anwohner. Allenfalls im Bereich der Weidenstraße sei das künftige Gebäude zurückgesetzt. Das bedeutet ihrer Ansicht nach eine Änderung des gültigen Bebauungsplanes in zwei Punkten: Erweiterung der Bebauungsfläche und deutliche Erhöhung der Bauhöhe. Zugelassen sind lediglich 8,5 Meter. Zudem entstehe eine unzumutbare Verschattung. „Jetzt habe ich in der Früh bereits Sonne, künftig wohl frühestens ab Mittag. Und im Winter gar nicht mehr“, beschreibt Brüstle die möglichen Veränderungen.

Er betont: „Transgourmet hat gewusst, was sie hier kaufen.“ Danach müsse man seine Planungen ausrichten. Manch anderen Anwohner beschleicht der Verdacht, dass sich Transgourmet an den Plänen ausrichtet, die 2016 in Freising scheiterten. Dort hatte sich erheblicher Bürgerprotest gegen eine Lagerhalle geregt. Der mündete in einen Bürgerentscheid, den Transgourmet gar nicht erst abwartete. Das Unternehmen erteilte dem geplanten Standort eine Absage und wandte sich mit seinen Planungen auch Richtung Eichenau.

So viel Protest wollen die Bürger an der Tannenstraße gar nicht ausüben. „Die Gemeinde soll darauf achten, dass der Bebauungsplan eingehalten wird“, so Brüstle. „Damit wären wir zufrieden.“ Sollte das nicht der Fall sein, werde man sich mit den rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln wehren.

Sogar eigene Vorschläge bringen die Anwohner ein. Sie sehen Möglichkeiten entlang des Scharfensteiner Weges, der nur am Gelände der Feuerwehr und am Bauhof anliegt. Auch in die Tiefe könne gebaut werden, so dass Transgourmet seinen Platzbedarf decken könne, die sichtbare Höhe im Rahmen des Bebauungsplanes bleibe. Das ist allerdings wegen des Grundwassers problematisch.

Indirekt hatte Bürgermeister Peter Münster (FDP) bereits vor mehreren Wochen Unterstützung zugesagt: „Da wird die Gemeinde sehr wohl auch die Anliegermeinungen einfließen lassen“, meinte er in Bezug auf Optik und Verschattung. Mehr kann er nicht dazu sagen, weil die Pläne noch nicht vorliegen. Transgourmet hatte auf Nachfrage erklärt, dass man diese erst im Mai einreichen werde.

Die Anwohner hoffen jetzt, dass Transgourmet Zusagen einhält, die die Firma bei der Anlieger-Informationsveranstaltung gemacht hat. Danach würde die entstehende Lärmbelastung weiter reduziert. Außerdem würden in dem neuen Gebäude keine Kühlaggregate untergebracht. Und innerhalb des Geländes soll es entlang der Tannenstraße keinen Lkw-Verkehr geben.

Das zur Schweizer Coop-Gruppe gehörende Unternehmen hat das 80 000 Quadratmeter große Gelände im September von Aldi übernommen und einige Umbauten durchgeführt. Aldi-Süd hatte 2016 mitgeteilt, sein Auslieferungszentrum früher als geplant aufzugeben. (hk)

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