Pfefferminze macht die Gemeinde einmalig: Hier ernten die Mitglieder des Fördervereins Pfefferminzmuseum die Minze. Das Museum wird bei Wikipedia als Kleinod und einziges in der Art in Deutschland aufgeführt.
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Pfefferminze macht die Gemeinde einmalig: Hier ernten die Mitglieder des Fördervereins Pfefferminzmuseum die Minze. Das Museum wird bei Wikipedia als Kleinod und einziges in der Art in Deutschland aufgeführt.

Auszug aus der Internet-Enzyklopädie

Das einzige deutsche Pfefferminzmuseum und eine Weltmeisterin: Das weiß Wikipedia über Eichenau

  • VonHans Kürzl
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Wie schlau ist Wikipedia, was Eichenau angeht? An manchen Stellen ist die Internet-Enzyklopädie detailverliebt, an anderen Stellen leistet sie sich dafür Ungenauigkeiten. Die Zeit nach 1945 wird sogar im Express-Tempo durchgeackert. Aber man erfährt auch, dass es eine Weltmeisterin in dem Ort gab.

Eichenau – Das eine oder andere Schmankerl hält die Online-Enzyklopädie bereit. So kann man über eine Weltmeisterin lesen, die in ihrer Heimatgemeinde Stricknadeln und Co. verkaufte, nämlich in einem eigenen Handarbeitsladen. Es geht um Annemarie Lehmann, zweifache Weltmeisterin im Feldbogenschießen und seit 1979 Trägerin des Silbernen Lorbeerblattes. Wer das nicht kennt, erfährt ebenso von Wikipedia, dass es sich um die höchste sportliche Auszeichnung der Bundesrepublik handelt. Also ein klarer Fall für die Kategorie „Mit Eichenau verbundene Persönlichkeiten“.

Vom Stabhochsprung ans Skalpell

Generell sieht es aber in dem Lexikon eher mau aus mit bekannten Sportlern aus der Gemeinde. Es gibt noch genau zwei weitere. Der eine ist Bernhard Zintl, der in den 1980er-Jahren als Stabhochspringer aktiv war. Nun arbeitet er laut Wikipedia als Chirurg in München. Der andere ist Fußballspieler Georg Metzger, der als Idol der Fangemeinde des TSV 1860 München charakterisiert wird.

Bei Film, Fernsehen und Kultur stechen hingegen so einige bekannte Namen ins Auge: der im Vorjahr verstorbene Schauspieler Claus Biederstaedt, der Maler Jorgos Busianis, ebenso Kunstmaler Josef Dering. Aber auch die Geigerin Dagmar Ferle, Lichtkünstler Georg Maximilian Trenz oder der Journalist Herbert Riehl-Heyse finden an prominenter Stelle ihren Platz. Aufgelistet ist außerdem Thomas Karmasin als amtierender Landrat und Rosemarie Grützner als dessen Vorgängerin.

Ein größerer Abschnitt ist Regierungsrat Josef Nibler gewidmet, als politische Persönlichkeit der Frühgeschichte des Ortes. Nach ihm wurde auch eine Straße benannt. Ganz korrekt wird aufgeführt, dass er an der Gründung der Baugenossenschaft Eichenau und Umgebung beteiligt, ebenso wie am ersten Baulinienplan, der bei der Entwicklung der Kommune behilflich sein soll. Der Plan wurde im Jahr 1918 rechtskräftig, Josef Nibler starb drei Jahre später.

In der Zeit darauf spitzte sich das Verhältnis zwischen Eichenau und der früheren Muttergemeinde Alling immer mehr zu. Es war bisweilen regelrecht spannungsgeladen. Erwähnung findet aber nur kurz das Jahr 1925. Damals beschlossen die größtenteils Eichenauer Gemeinderatsmitglieder, dass das Rathaus, also die Verwaltung, praktischerweise in ihren Wohnort verlegt wird. Ziemlich rasant wird auch das Kapitel Namensgebung (1907) durch Prinzregent Luitpold und die endgültige Eigenständigkeit der Gemeinde (1957) abgearbeitet.

Überhaupt wird die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg sehr kurzgefasst – festgemacht unter anderem am Umzug der Gemeindeverwaltung ins jetzige Rathaus 1967 und der Inbetriebnahme von zwei Fußballplätzen 2007. Die Schließung des Bahnübergangs und die Eröffnung der Unterführung vor nunmehr 20 Jahren hingegen: Fehlanzeige.

Einer der prominentesten Bewohner: Der 2020 verstorbene Schauspieler Claus Biederstaedt.

Man erfährt zwar korrekt, dass Eichenau mit sechs Bürgermeistern in 64 Jahren seit der Loslösung von Alling eine politisch recht stabile Gemeinde ist. Und Wikipedia hat auch relativ schnell bemerkt, dass Rike Schiele für die Grünen in den Kreistag nachgerückt ist. Ihrem Parteikollegen Hans Sautmann unterschlägt die Online-Enzyklopädie hingegen das Mandat, während der Liberale Ulrich Bode wieder brav vorkommt.

Ungenauigkeiten bei Partnergemeinden

Ungenau geht es bei der Darstellung der Partnergemeinden dar. Da Drebach zu nennen, ist zwar formal korrekt. Doch die eigentliche Verbindung mit den Erzgebirglern war vor 27 Jahren mit Scharfenstein aufgenommen worden, das 1994 einem Verwaltungsverbund angehörte. Elf Jahre später erfolgte erst die Eingemeindung von Scharfenstein durch Drebach.

Als sehenswerter Ort wird das „einzige Pfefferminzmuseum Deutschlands“ genannt, ein Kleinod in der Museumslandschaft. Dafür hat es auch eine eigene Seite auf Wikipedia. Dort steht allerdings auch nichts zu den Anfängen, etwa dass Adolf Pfaffinger die Pfefferminze 1918 hergebracht hat. Ansonsten sind nur die beiden Kirchen und die Kapelle Kapelle St. Georg auf Roggenstein aufgelistet – und der Abguss der Bronzefigur „Schildkröte mit Kind“ von Ignatius Taschner vor dem Pflegeheim in der Nähe des S-Bahnhofs.

Erinnert an einen bekannten Eichenauer: die Josef-Dering-Schule.

Knapp aber vollständig wird man über Schulen, soziale Einrichtungen und Sportangebote informiert – und darüber, dass viele Menschen von Eichenau nach München pendeln.

Vielleicht wegen eines Wetter-Phänomens? „Der Föhn bringt hin und wieder aus südlicher Richtung warme und trockene Luftströmungen. Damit verbunden ist meist eine sehr gute Fernsicht bis zu den bayrischen Alpen“, heißt es beim Stichpunkt „Klima“. Genauso ist es im Übrigen auch auf der Wikipedia-Seite für die Stadt Puchheim zu finden.

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