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Kritik an Sammelunterkünften

Asylhelfer schildern Abgeordneten unwürdige Zustände

Grünen-Abgeordneter Martin Runge nannte es ein „ulkiges Format“: Etwa drei Dutzend Asylhelfer saßen in Eichenau mit fünf Politikern zusammen, um ohne große Öffentlichkeit (außer der Presse) über die Situation von Flüchtlingen im Landkreis zu sprechen. 

Eichenau – In den zweieinhalb Stunden Diskussion hörte man kaum Polemik und wenig Angriffe auf die Vertreter der Regierungsparteien in Bund und Land. Dabei fiel das Urteil über die Unterbringung der Migranten und den Umgang mit Asylsuchenden größtenteils vernichtend aus: „Menschenunwürdig“ war die am häufigsten gebrauchte Vokabel.

Die Menschen in den großen Unterkünften, zumindest die ohne Arbeitsmöglichkeit, seien frustriert und depressiv. Das eigentlich Erstaunliche sei, dass kaum Schlimmeres passiere, meinte eine Kennerin der Erstaufnahme-Einrichtung auf dem Fliegerhorst. Aber auch aus Germering berichtete ein Ehrenamtlicher von Stromausfällen, die ständig Herd, Kühlschrank und Abwasserpumpe lahmlegen. An Wochenenden aber sei keiner der behördlichen Objektbetreuer erreichbar. Mehrfach habe man beim Landratsamt auf eine Art Notdienst gedrängt, dort werde der Sachverhalt seit Monaten geprüft.

Traumatisierte Kinder

Belastender seien aber die wiederkehrenden nächtlichen Razzien, bei denen nach Drogen oder nach Vätern gesucht werde, die unerlaubterweise – weil in einem anderen Landkreis untergebracht – bei ihren Kindern sein wollen. Selbst der sehr um Objektivität bemühte Gesprächsleiter Ludger Wahlers, sonst beim Puchheimer Podium in der Erwachsenenbildung engagiert, wunderte sich, dass hier traumatisierte Kinder „retraumatisiert“ würden.

Ein besonderes Problem sei die drangvolle Enge in den Unterkünften. Von 16 Personen, darunter drei Kindern, die seit acht Monaten in einem Raum leben, berichtet eine Caritas-Betreuerin. Gleichzeitig würden die Mietverträge für kleinere Wohnungen – aus Kostengründen, wie es heißt – nicht verlängert und die Bewohner in Sammelunterkünfte zurückverlegt. Die Eigentümer solcher Immobilien könnten natürlich auch privat an anerkannte Asylberechtigte vermieten oder an Gemeinde oder Stadt als Zwischenmieter, schlug etwa Grünen-Abgeordneten Gabriele Triebel vor. Nach der „Hetze“ gegen Flüchtlinge im bayerischen Landtagswahlkampf ließen viele Vermieter aber lieber die Finger von solchen Verträgen, meinte eine Brucker Asylhelferin.

Großes Thema: Das Ankerzentrum

Ein großes Thema war noch die Erstaufnahme-Einrichtung bei Fursty, von den Beteiligten kurz Ankerzentrum genannt. Außer Hans Friedl (Freie Wähler), der sich bisher erfolglos um eine Besuchserlaubnis bemüht hatte, durften alle Abgeordneten schon mal einen Blick in die Massenunterkunft werfen. Wobei im Publikum die Frage auftauchte, warum sich Parlamentarier als Kontrolleure einer Verwaltung vorschreiben lassen, wann sie worin Einblick gewinnen dürfen. Von Show-Führungen war dann auch die Rede.

Nur Benjamin Miskowitsch (CSU) war sich sicher, bei seiner Visite ohne Presse ein einigermaßen authentisches Bild gewonnen zu haben. Dass es etwa Gemeinschaftsduschen für beide Geschlechter ohne wenigstens Vorhänge gebe, habe er deutlich angesprochen. In Teilen sei es nicht gut, wie die Leute da untergebracht seien.

Sammelunterkünfte

Der CSU-Landtagsneuling war eigentlich gekommen, um zuzuhören und mitzuschreiben, was den Asylhelfern auf den Nägeln brennt. Was die Humanität betreffe, habe er als Feuerwehr- und Rotkreuz-Mann vielleicht manchmal eine andere Sicht als seine Partei.

„Gut, dass ich hier bin und das mitkriege,“ sagte Friedl. Runge warf seinem Berliner Kollegen Michael Schrodi (SPD) vor, in der Großen Koalition eine Politik zu befördern, die Flüchtlinge in Sammelunterkünften zusammenpferche. „Wir verhindern Schlimmeres“, meinte Schrodi. Übereinstimmung gab es schließlich in einem Punkt: Hierzulande eine Ausbildung zu bekommen oder arbeiten zu dürfen, könne nur gut sein. Für die künftige Fachkraft in Deutschland oder den Rückkehrer in seine Heimat. (op)

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