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Ein Jäger traf in einem Wald bei Eichenau auf Kinder, die dort sangen und Kerzen anzündeten - dann rief er die Polizei.

Wirbel um Ausflug

Kinder singen und zünden Kerzen im Wald an - dann ruft Jäger die Polizei

Was ist im Wald erlaubt? An dieser Frage scheiden sich momentan die Geister. Anlass ist der Ausflug einer Kindergruppe in den Forst bei Eichenau.

Eichenau – Still sollen sie sein, die Wochen vor Weihnachten. Die leisen Töne stehen im Vordergrund – staade Zeit eben. Mit der war es im Wald westlich von Eichenau am vergangenen Freitag allerdings vorbei, findet Michael Müller. Der 57-Jährige ist der Jäger im Revier oberhalb der Starzelbach-Gemeinde. An jenem Abend hatte er eine Begegnung der besonderen Art. Anstatt auf ein Rudel Rehe oder eine Rotte Wildschweine traf der Jäger auf eine Schar von Kindern samt erwachsenen Aufpassern. Gut 40 waren es, schätzt Müller. An sich kein Problem – schließlich garantiert es schon die bayerische Verfassung, dass jedermann in den Wald darf. Doch mit dem Verhalten der Buben und Mädchen konnte Müller ganz und gar nicht einverstanden sein. Anstatt der Stille des Waldes zu lauschen, sangen sie Weihnachtslieder. Komplettiert wurde die vorfestliche Stimmung durch Kerzen auf dem Waldboden.

Bis Polizei vor Ort eintraf, war Gruppe bereits verschwunden

Für den Revierpächter war damit eine rote Linie überschritten. Gesang aus 40 Kehlen im winterlichen Wald – das schreckt die sensiblen Tiere unnötig auf, findet Müller. So würden sie ihre im Winter so wichtigen Energiereserven unnötig verpulvern. Aus Sicht des Jägers fast noch schlimmer waren die Kerzen. „Offenes Feuer im Wald ist sehr bedenklich“, sagt Müller. Bei den Erwachsenen sei er mit seinen Argumenten aber überwiegend auf taube Ohren gestoßen. Er wolle den Kindern die Freude nehmen, habe er sich anhören müssen. Um die Angelegenheit zu klären, rief Müller die Polizei. Bis die aber vor Ort war, war die Gruppe schon abgezogen.

Kinder auf Ausflug in Wald bei Eichenau - dann ruft Jäger Polizei: Diskussion im Internet

Die Begegnung im Wald schlägt hohe Wellen. Seit der ersten Meldung über das Aufeinandertreffen wird im Internet äußerst kontrovers diskutiert. „Sagt mal was lebt ihr denn den Kindern vor? 40 Menschen am Trällern und Kerzen im Wald“, schreibt ein Nutzer. Eine andere entgegnet: „Bald brauchen wir eine Erlaubnis im Wald oder Eintrittskarten. Was ist los mit der Welt?“

Die Wogen zu glätten versucht jetzt der Chefjäger im Landkreis. Gerhard von Hößlin ist Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes und bezeichnet die Begegnung als Verkettung unglücklicher Umstände. Die Jäger stünden wegen hoher Verbiss-Schäden im Wald unter großem Druck. In diesem Fall sei der Kollege aber wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen. „Das war nicht gut.“

Kinder singen in Wald bei Eichenau: Kerzen im Wald schlechte Idee

Zu den Kerzen hat von Hößlin aber eine klare Meinung: „Das ist eine ganz schlechte Idee.“ Der Jäger habe die Pflicht, Feuer im Wald zu unterbinden. Dem stimmt auch Kreisbrandrat Hubert Stefan zu. Auch wenn es in letzter Zeit immer wieder geregnet habe, könne sich trockenes Unterholz oder Gras immer noch schnell entzünden. „Und Feuer im Wald ist ein Albtraum.“

Kindergruppen im Wald sind übrigens keine Seltenheit. Bei manchen Einrichtungen gehört die Naturerfahrung sogar zum Konzept. Im Montessori-Kinderhaus in Puchheim gibt es etwa einen wöchentlichen Waldtag, erklärt Sprecherin Stefanie Hall. Auch dort wurde eine kleine Waldweihnacht gefeiert. Hall: „Wir versuchen den Kindern aber immer zu vermitteln, wie man sich richtig im Wald verhält.“ 

Tobias Gehre

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