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Eintritt frei: Eichenaus Vize-Bürgermeisterin Gaby Riehl und Ursula Mosebach als Vorsitzende des Kapellenvereins freuen sich, dass die Kapelle St. Georg per Rauminstallation mitten ins Ortszentrum gerückt ist.

Installation

Historisches Kleinod rückt als Modell in Eichenaus Zentrum

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Die Kapelle Sankt Georg in Roggenstein gehört eigentlich gar nicht zu Eichenau und doch ist sie eines der Kulturgüter der Gemeinde. Allerdings steht sie eher im Verborgenen. Der Kapellenverein will das in seinem Jubiläumsjahr mit einem besonderem Kniff ändern.

Eichenau – Das erste Erfolgserlebnis hatte Ursula Mosebach bereits beim Aufbau der Rauminstallation. Diese zeigt auf der Rathauswiese einen Großteil der Kapelle in verkleinerter Form. „Die Leute haben angehalten und gestaunt“, erzählt sie. Auch von manchem Aha-Effekt berichtet die erste Vorsitzende des „Vereins für die Erhaltung der Kapelle St. Georg Roggenstein“. Ein Bürger habe so zum ersten Mal erfahren, dass es die Kapelle gibt – obwohl er bereits seit 40 Jahren in Eichenau lebt.

Installation der Kapelle auf der Rathauswiese

Damit sei das erste Ziel des Kapellenvereins, wie ihn Mosebach selbst der Einfachheit halber nennt, bereits erreicht: Man hat die Kapelle ins Dorf gelassen – und sie wird eine ganze Weile im Bewusstsein der Bevölkerung präsent bleiben. „Auch deshalb haben wir den Standort auf der Rathauswiese so gewählt“, erklärt Mosebach. Bis in den August hinein kann die Rauminstallation an dieser Stelle bewundert werden.

Durch die Restaurierungsarbeiten wurde die Kapelle in Roggenstein zum Schmuckstück

Der Verein will darauf aufmerksam machen, welches Kulturgut in unmittelbarer Nähe steht. „Man kann hier mit die bedeutendsten Wandmalereien in Oberbayern sehen.“ Die Kapelle habe kunstgeschichtlich eine große Bedeutung, sagt Mosebach mit Stolz. Das Gotteshäuschen befindet sich im Besitz des Freistaats. Dieser hat dem Kapellenverein vor 49 Jahren alle Rechte und Pflichten für den Erhalt des rund 750 Jahre alten Gebäude überlassen.

Dass das auf Emmeringer Flur steht, geniert weder die politische Gemeinde Eichenau noch den Kapellenverein. Zum Pfarrsprengel der Eichenauer gehöre das Kirchlein sowieso, erläutert Schriftführer Wolfgang Heilmann. Zudem fanden dort bis 1926 die regelmäßigen Gottesdienste für die Eichenauer Bürger statt. Die Emmeringer, so Kapellenvereinsmitglied Dieter Sinner, seien ebenso damit einverstanden, dass die Eichenauer von „ihrer“ Kapelle sprechen. „Sie haben ja auch keine Arbeit damit“, so Sinner.

Kapellenverein hofft auf neue Mitglieder

Bei Präsentation der Rauminstallation gratulierte Vize-Bürgermeisterin Gabriele Riehl (SPD). „Vielleicht bringt das Jubiläum dem Verein wieder ein paar neue Mitglieder“, hofft Riehl. Derzeit sind es knapp 165. Es sei ein Erlebnis, dieses Kulturgut nun für eine kleine Weile im Ort zu haben. Gleichzeitig hofft sie, dass alle Bürger die Rauminstallation und damit die Würde der Kapelle respektieren. „Es wäre schön, wenn keiner die Wände auch von außen verziert.“ Die Rauminstallation sei nicht der geeignete Ort für Graffitis.

Das Werk soll noch weiter Verwendung finden. Eventuell soll die Installation, die auf einer PVC-Folie aufgebracht ist und von einer Firma gratis aufgebaut wurde, in den Adventsmarkt einbezogen werden. Ebenso hat die Partnergemeinde im italienischen Budrio Interesse angemeldet. Dort sollen die Bürger erfahren, welche versteckten Schätze Eichenau zu bieten hat. Das können die Eichenauer dank einer Beleuchtung auch nachts sehen.

Die Kapelle St.Georg

ist im Mai an jedem Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet, von Juni bis September jeden ersten Sonntag im Monat zur gleichen Zeit. Das Jubiläum wird begleitet von Vorträgen, zwei Gottesdiensten in der Kapelle und einem großem Mittelalterfest am 1. Juni.

Historisches zur Kapelle

Ende der 1960er-Jahre schien das Ende der seit 1371 bestehenden Kapelle St. Georg nahe. Die Wände waren feucht, die Wandmalereien aus dem frühen 15. Jahrhundert verschmutzt, mit Schimmel überzogen und an einigen Stellen schon abgeplatzt. Zudem war das Dach undicht und der Holzwurm hatte sich im Dachstuhl breit gemacht. Gleichzeitig bedeutete diese Diskussion aber auch den Startschuss für den „Verein für die Erhaltung der Kapelle St. Georg Roggenstein“. 

Der etwas sperrige Name und die Vereinsgründung am 4. Oktober 1969 gingen auf den damaligen Eichenauer Bürgermeister Alfred Rehm zurück. Unterstützt wurde Rehm, gleichzeitig erster Vorsitzender des Kapellenvereins, von heimatverbundenen Bürgern. Nachfolger Rehms wurde Johannes Wohlfarter, der in den 1980er-Jahren Pfarrer war. Seit 28 Jahren führt die Kunsthistorikerin Mosebach den Verein. Dessen Hauptaufgabe ist der Erhalt der Kapelle. Für die große Restaurierung musste der Verein 1992 und 1993 rund 80 000 Euro leisten. Um solch hohe Ausgaben zu vermeiden, wird mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammengearbeitet. 

Zumindest alle zwei Jahre wird der Zustand des Gebäudes und der wertvollen Wandmalereien überprüft. Diese Malereien waren 1911 unter einem Kalk-Anstrich entdeckt und anschließend freigelegt worden. Der Kapellenverein hat für sein Engagement 1987 den Europäischen Umweltpreis und 1996 den Bürgerpreis der Sparkasse Fürstenfeldbruck erhalten.

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