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Seine Bienenvölker begeisterten Rudi Neuhäuser jahrzehntelang. 

Nachruf

Er brachte den Menschen die Welt der Bienen näher

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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 Wenn Rudi Neuhäuser mal kurz zu seinen Bienen ging, dann wusste seine Frau Norma, dass sie ihn vermutlich einige Stunden nicht sehen würde. 

Eichenau–Der Eichenauer war als Imker so sehr in seinem Element, dass er meist die Zeit vergaß. Und es gab ja auch immer viel zu tun, ob es nun um seine Bienenvölker ging oder um den Imkerverein.

40 Jahre war der Mann mit dem ansteckenden Lachen im Vorstand des Imkervereins Gräfelfing, davon 28 Jahre als Kassier und zwölf als Vorsitzender. In dieser Funktion hielt er Mitglieder von Bruck bis Starnberg zusammen – und steckte alle mit seiner Begeisterung an. Vereinsabende waren für ihn Weiterbildungsveranstaltungen, zu denen er gern externe Referenten einlud, um den Mitgliedern einen Mehrwert zu bieten.

In unzähligen Führungen brachte er Schulklassen und Kindergartengruppen aus Eichenau und Puchheim die Welt der Bienen näher. Und jeden Nachwuchsimker ließ er wissen, dass er stets am Samstag ab 11 Uhr bei seinen Völkern war. „Da konnte jeder kommen und ihm über die Schulter schauen“, erzählt Uschi Grünenwald, die sich im Imkerverein um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Seine präsente, fröhliche Art wird uns fehlen.“

Grünenwald steht für einen Trend, den Neuhäuser sehr begrüßte: Seit Jahren wird die Imkerei jünger und weiblicher. Was früher ein Hobby älterer Herren war, begeistert zunehmend auch junge Leute und Frauen. Der Vorsitz des Imkervereins und die Finanzen sind mittlerweile in weiblicher Hand. „Das fand Rudi total gut“, erinnert sich Grünenwald. „Meine Mädels sind einfach toll, hat er immer gesagt.“

Auch verstand er es, den Dialog zwischen den Generationen zu fördern. Seine vielfältigen Leistungen dankte ihm der Verein mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Seinen Bienenstand betrieb der ehemalige Außendienstmitarbeiter eines Dachziegelherstellers nur ein paar Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt.

Langweilig wurde ihm das Hobby nie, denn die Bienen waren immer für eine Überraschung gut. „Es kommt nie vor, dass alles ganz glatt läuft. Irgendwas passiert immer“, erzählte er in einem Film zum 90-jährigen Vereinsjubiläum. Und wenn er mal einen Stich abbekam, erinnerte er sich daran, dass es immerhin eine seiner eigenen Bienen gewesen war – und dass Bienengift vor Rheuma und Gürtelrose schützen soll. Und schon tat der Stich nicht mehr weh.

Neuhäuser hat seine Leidenschaft an Sohn Thomas vererbt – der kümmert sich jetzt um die verwaisten Völker seines Vaters. Der Vollblutimker starb überraschend nach kurzer Krankheit. Er wurde 78 Jahre alt.

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