„Kommunalpolitik ist die erfüllendste Politik“: Trotzdem zieht Gabriele Riehl nun einen Schlussstrich und freut sich auf mehr Zeit mit Familie und Freunden. 

Eichenau

Die Grande Dame des Gemeinderates geht

  • vonHans Kürzl
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Mit 42 Jahren im Amt gehört Gabriele Riehl zu den dienstältesten Kommunalpolitikern im Landkreis. Nun hört die Eichenauer SPD-Vize-Bürgermeisterin auf. Im Tagblatt-Interview blickt sie auf eine bewegte Zeit zurück.

Wie war Ihre allererste Sitzung im Gemeinderat?

Irene Osterkamp und ich waren die einzigen Frauen. Wir waren sehr entspannt und wurden auch freundlich aufgenommen, aber ernst genommen hat man uns wohl erst nicht. Ich bekam damals das neue Jugendreferat. Nach ein paar Monaten merkte die CSU, dass das eine gewisse Außenwirkung hat und wollte es mir wieder abnehmen. Das hat der damalige Bürgermeister Rehm abgelehnt.

Welche Themen haben Sie besetzt?

Das Thema Jugend hat mich sehr schnell voll in Anspruch genommen, weil sich das Puchheimer Jugendzentrum massiv über eine Gruppe Eichenauer Jugendliche beschwert hat, als ich gerade ein paar Wochen im Amt war. Die Einstellung eines Streetworkers, die Planung unseres Jugendzentrums und dessen Bau haben mich gut beschäftigt.

Wie hat sich die Zusammenarbeit der Fraktionen seit 1978 verändert?

In den ersten Wahlperioden machte jeder sein Ding. Wir sind zwar fast nach jeder Sitzung, die damals freitags stattfand, in ein Wirtshaus gegangen, was viele Spannungen dann gelöst hat. Aber eine echte Zusammenarbeit gab es nicht. Dann gab es Perioden, in denen die Zusammenarbeit so gut war, dass die SPD schon wegen angeblich zu enger Verbindung mit der CSU unter Beschuss kam. Die letzten sechs Jahre waren für mich die schwierigsten, wenn eine Fraktion mehr oder weniger in der Totalopposition ist, werden auch die notwendigen und wichtigen Diskussionen mühsam und frustrierend.

Wie sehr hat sich die SPD verändert?

Die SPD in Eichenau ist nach wie vor ein lebendiger Ortsverein mit vielen auch privaten Freundschaften. Politisch sind wir uns immer treu geblieben. Die bayerische SPD ist auch mir nach 50-jähriger Mitgliedschaft ein Rätsel. Sie schafft es immer wieder gute Leute ins Abseits zu stellen, zu vergraulen, sich selbst zu zerlegen.

Gab es denn den Ehrgeiz, zum Beispiel in die Landespolitik zu gehen?

Das wäre für mich nie in Frage gekommen. Kommunalpolitik war und ist für mich die erfüllendste Form, Politik zu machen. Sonst hätte ich auch nicht so lange mitgearbeitet. Man sieht, was man beschlossen hat. Man kann für die Menschen im Ort etwas tun, fast jeder Beschluss hat den direkten Bezug zur eigenen Gemeinde und ihren Bürgern.

Die Nähe zu den Bürgern ist vor allem deshalb wichtig, weil…

...weil das eigene Handeln sofort bewertet werden kann, das Feedback unmittelbar kommt, zum Beispiel beim Einkaufen in der Kassenschlange, ob es nun negativ oder positiv ausfällt.

Woher haben Sie die Kraft für so viele Jahre Kommunalpolitik bezogen?

Eigentlich war diese Tätigkeit für mich fast der Ersatz für eine Berufstätigkeit, die mir auch viel Bestätigung und Anerkennung gegeben hat. Mit drei Kindern und einem beruflich sehr oft abwesenden Mann hätte ich meinen erlernten Beruf der Grundschullehrerin nur mühsam ausfüllen können. Die ehrenamtliche Gemeinderatsarbeit, die ja meistens abends stattfindet, ließ sich da besser mit der Familie vereinbaren.

Besonders zufrieden gemacht hat Sie …

... wenn sich immer mal wieder herausgestellt hat, dass uns schwer gefallene Entscheidungen zum Wohle der Bürger auch so anerkannt wurden. Und natürlich mein erster Erfolg: der Bau des Jugendzentrums.

Entscheidungen und Themen, die Sie mit besonders viel Engagement begleitet haben ...

Eben das JUZ, dann den Bau der Budrio-Halle in der jetzigen Form und in der jüngsten Zeit den Bau des neuen Supermarktes am Ortseingang.

Wie haben Sie Ihr Amt als Zweite Bürgermeisterin verstanden?

Ich habe die Vertretungen des Ersten Bürgermeisters immer so loyal wie möglich übernommen, mich verpflichtet gefühlt, den Verwaltungsapparat am Laufen zu halten ohne persönlichen Ehrgeiz. Dieses Vertrauen hat besonders die Zeit unter Hubert Jung, dessen Vertreterin ich 18 Jahre war, geprägt.

Genervt sind Sie, wenn …

... im Gemeinderat Themen immer wieder aufgewärmt, Forderungen oder Vorwürfe gebetsmühlenhaft wiederholt wurden.

Gab es einen persönlichen Moment, der besonders in Erinnerung geblieben ist?

Viele kleine Gesten der Anerkennung, viele Begegnungen mit älteren Mitbürgern bei den Besuchen zu runden Geburtstagen, also nicht der eine ganz besondere Moment.

Sie wären erste Nachrückerin in der SPD-Fraktion – gibt es vielleicht doch noch eine Rückkehr?

Ich danke meinen Wählern sehr für diese großen Anerkennung, von Platz 18 auf 5 nach vorne zu kommen. Aber ich denke nicht, dass ich wieder zurückkehren werde.

Wollen Sie den verbliebenen SPD-Mitgliedern beratend zur Seite stehen?

Die können das sehr gut alleine, drei der vier Fraktionsmitglieder haben schon mehr oder weniger lange Erfahrung und brauchen meine Ratschläge sicher nicht. Sollte es doch einmal gewünscht werden, bin ich natürlich bereit. Ich bleibe ja auch aktiv in der Eichenauer SPD.

Wie nutzen Sie nun die freie Zeit?

Für meine Familie, die Enkel, meinen Freundeskreis und hoffentlich bald wieder für Theater, Konzert, Kino und Schafkopfen. Zudem bin ich ja immer noch in der Puchheimer/Eichenauer Tafel im Leitungsteam und in etlichen Vereinen. Also langweilig wird es mir nicht werden.

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