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Kinder waren keine da: Trotzdem musste eine Schulweghelferin im Sturm raus. 

Eichenau

Schulweghelferin zu Sturm-Einsatz gedrängt

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Orkan Sabine hat auch den Eichenauer Schulkindern einen freien Tag beschert – nicht aber einer Schulweghelferin. Die Gemeinde bestand auf den Einsatz der 80-Jährigen. Diese hat dafür wenig Verständnis.

EichenauSeit zehn Jahren ist Helga Merl Schulweghelferin an der Kreuzung von Haupt- und Parkstraße. „Ich mache das auch gerne“, sagt die 80-Jährige. So kann sie den Weg für die Kinder zur Starzelbachschule sicherer machen. Merl hat selbst zwei Kinder und Enkel. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dass die Kleinen gut in der Schule ankommen.

Die 80-Jährige steht also an jedem Schultag von 7.30 Uhr bis kurz nach acht Uhr pünktlich an ihrem Platz. „Ich musste deswegen auch noch nie aus dem Bett geklingelt werden.“ Doch genau das passierte nun am vergangenen Montag.

Merl hatte in den Nachrichten am Sonntag mitbekommen, dass wegen des Orkans Sabine der Unterricht im ganzen Landkreis ausfallen sollte. „Also für mich ein freier Tag“, freute sich die Eichenuerin. Umso verwunderter war sie über den Anruf der Gemeinde am Montagmorgen, der – nach Schilderung Merls – wenig Spielraum für Widerspruch gelassen habe. „Das ist schon sehr dringlich gemacht worden.“

Die Seniorin machte sich schließlich doch auf den Weg, postierte sich an ihrem gewohnten Standort – und wartete. „Kein einziges Kind ist gekommen. Ich bin also dort gestanden für nichts“, ärgert sie sich. Nur drei Frauen hätten sie angesprochen, warum sie heute hier trotz schulfrei Dienst habe.

Von Seiten der Gemeinde begründete man das mit Sicherheitsaspekten. Bürgermeister Peter Münster verwies auf Nachfrage unserer Zeitung auf das Betreuungsangebot der Schulen für die Kinder, deren Eltern sich nicht von beruflichen Verpflichtungen freimachen konnten. „Es war grundsätzlich nicht auszuschließen, dass Schulkinder unterwegs sind.“ Auch wegen des Orkans an sich hielt man es für erforderlich, den Schulweg abzusichern.

Wie viele Schüler das Betreuungsangebot an der Starzelbachschule wahrgenommen haben, konnte Münster nicht beziffern. Aber: „An der Josef-Dering-Schule waren es zwei Kinder“, teilte er mit. Insgesamt würde er sich mehr Schulweghelfer wünschen. Derzeit sind es vier, die die Kreuzungsbereiche an der Hauptstraße hin zu den beiden Schulen abdecken. „Wir bemühen uns immer, mehr zu finden“, teilte Münster mit. So würde man auch andere Standorte besetzen können oder etwa bei krankheitsbedingten Ausfällen mehr Alternativen haben.

Inwieweit aber Schulweghelfer tatsächlich dazu veranlasst werden können, einen Punkt in der Gemeinde zu besetzen, ist Sache der jeweiligen Kommune. Vom Landratsamt kam die Auskunft, dies sei eine arbeitsrechtliche Angelegenheit, die jede Gemeinde für sich mit ihren ehrenamtlichen Schulweghelfern regeln müsse.

Thomas Frey, stellvertretender Leiter des Schulamtes Fürstenfeldbruck, teilte mit: „Eine zwingende Vorgabe, Helfer einzusetzen, gibt es nicht.“ Eine Kommune sei ganz allgemein verpflichtet, für einen sicheren Schulweg im Sinne der Verkehrssicherungspflicht zu sorgen.

Für Merl will der Ärger trotzdem nicht so recht verfliegen. Sie wird ein Gespräch mit dem Bürgermeister führen und auch Münster ist dazu bereit. So wird er erfahren, wie gut das Verhältnis zwischen Schulweghelferin Merl und den Kindern ist. „Ich bekomme ab und zu mal eine Breze als Dankeschön“, erzählt die 80-Jährige stolz. Umgekehrt würde es für die Kinder von ihr kleine Nikoläuse oder Ostereier geben. „Ich stehe ja hier für die Kinder, nicht für irgendwelche Bürgermeister.“

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