Bei der Biotop-Pflege packt Rita Verma gerne selbst mit an. Ihre Stärken liegen aber in der Organisation – sie hat die Kreisgruppe des LBV umstrukturiert. 
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Bei der Biotop-Pflege packt Rita Verma gerne selbst mit an. Ihre Stärken liegen aber in der Organisation – sie hat die Kreisgruppe des LBV umstrukturiert. 

Mensch der Tat

Sie ist eine echte Naturschutz-Managerin

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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Mehr als 200 Ehrenamtliche aller Altersgruppen sind in der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) aktiv. Das ist auch der Verdienst von Rita Verma. Sie hat das Ehrenamtsmanagement neu strukturiert – und somit den LBV interessanter für Familien und Berufstätige gemacht. Für ihren Einsatz hat sie die Bürgerstiftung als „Mensch der Tat“ im November ausgezeichnet.

Eichenau – Rita Verma ist ein Mensch, der ganz genau hinschaut. „Ich analysiere gerne, recherchiere und suche nach Lösungen“, sagt die 44-Jährige über sich selbst. Hinzu kommt der feste Glaube daran, dass man etwas gestalten, etwas verändern kann und der Wille, nicht so rasch aufzugeben. Zweiflern will sie zeigen, dass es doch geht.

Und das tat die studierte Botanikerin beim LBV: Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, die Kreisgruppe umzustrukturieren und zukunftsfähig zu machen. Mittlerweile zählt die Gruppe rund 4300 Mitglieder und ist die zweitstärkste Kreisgruppe im LBV. Das sah vor gut fünfzehn Jahren noch ganz anders aus.

Durch ihren Mann Christian Köbele ist Rita Verma zum LBV gekommen. Gemeinsam mit ihm hat sie bei den Fürstenfelder Gartentagen das Kinder-Bastelprogramm gestaltet. Und auch in der Biotop-Pflege hat sie sich engagiert.

Rita Vermas Begeisterung für die Flora und Fauna wurde bereits in der Kindheit geweckt. „Ich habe schon immer leidenschaftlich gerne Tier-Dokus geguckt“, erzählt sie. „Und wir hatten daheim ein zwölfbändiges Tierlexikon, in dem ich gerne geblättert habe.“ Da war es logisch, dass sie Biologie studiert hat.

Zu wenig Geld und Nachwuchs

2010 wurde sie Schriftführerin der LBV-Kreisgruppe. Zu einer Zeit, als die Gruppe in einer Krise steckte. „Es war nur noch wenig Geld da, wir konnten die Angestellte in der Geschäftsstelle nicht mehr bezahlen“, erinnert sich die 44-Jährige. „Das war eine schwierige Zeit.“

Ein weiteres Problem: Die Gruppe überalterte. „Ich war eine Zeit lang immer die Jüngste, und ich war damals auch schon über 30.“ Zudem waren es immer die Gleichen, die sich aktiv einbrachten, zur Biotop-Pflege und anderen Aktionen kamen.

Es musste sich also dringend etwas ändern – und der Vorstand packte es an. Rita Verma kümmerte sich dabei vor allem um die Bereiche Ehrenamtliche, Mitglieder-Pflege und den Laden, der damals noch in der Geschäftsstelle in Puchheim integriert war. Sie erfasste zum ersten Mal das Sortiment in einer Datenbank, betreute die Ehrenamtlichen und überarbeitete das Angebot.

Um mehr Mitglieder – auch Jüngere und Familien mit Kindern anzusprechen – wurde die Großnistkästen-Gruppe in ein Patenschaftsmodell umgewandelt. Zudem gab es Schnupper-Termine, und die Helfer wurden erstmals geschult.

Eine weitere Neuerung: Rita Verma führte erstmals im Vorfeld Gespräche mit Interessierten. „Da wird erklärt, was wir so machen, was sie sich wünschen und vorstellen, man lernt sich einfach kennen. Das hat das Ganze viel persönlicher gemacht.“ Zudem erstellte sie Info-Material: Darin finden potenzielle Helfer Antworten auf Fragen – etwa „Wie kann ich mich engagieren?“ und „Wie ist der Versicherungsschutz?“.

Immer mehr Leute wollen mithelfen

Das Konzept zeigte Erfolg. Gleichzeitig wurden neue Projekte begonnen und mehr Werbung gemacht. „Wir haben immer mehr Aktive bekommen“, erzählt Rita Verma. Mittlerweile sei die Kreisgruppe in diesem Bereich sogar eine Art Leuchtturmprojekt im ganzen Verband.

Seit 2015 ist Rita Verma nun Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe. In dieser Funktion hat sie auch ein Personalmanagement eingeführt. So gibt es wöchentliche Treffen mit den Angestellten der Geschäftsstelle, Ziele werden vereinbart, Pläne gemacht.

Viel Arbeit und Engagement hat Rita Verma in die Neuausrichtung der Kreisgruppe gesteckt. „Es gab Wochen, da habe ich schon 20 Stunden dafür gearbeitet“, sagt sie. „Mittlerweile sind es so fünf im Durchschnitt.“

Auf die Frage warum sie das alles macht, sagt sie nur: „Es macht mir Spaß.“ Und vielleicht spielt auch ihr indischer Großvater eine Rolle. Der war nämlich in Ghandis Unabhängigkeitsbewegung aktiv. „Wir haben ihn öfter besucht.

Er hatte einen Briefkasten, auf dem „freedom fighter“ stand. Das war etwas Besonderes“, erzählt Rita Verma. Und das habe sie durchaus beeindruckt – und ihr auch gezeigt, „dass man das System verändern kann, weil man ja Teil des Systems ist.“

Erst einmal etwas kürzer treten

Im kommenden Jahr will Rita Verma aber kürzer treten und nicht mehr als Vorsitzende kandidieren. Sie möchte wieder etwas mehr Zeit mit Familie und Freunden haben, etwas ungebundener sein. Dem LBV wird sie aber selbstverständlich treu bleiben – und sich nach einer gewissen Pause bestimmt auch wieder engagieren.

Die Aktion

Die Mitwirkenden bei der Aktion „Mensch der Tat“.

Bei der Aktion „Mensch der Tat“ kann jeder mitmachen, der sich ehrenamtlich engagiert oder jemanden kennt, der ehrenamtlich arbeitet. Bewerbungen sind möglich über www.ehrenamtsboerse-lkr-ffb.de. Wenn jemand eine andere Person vorschlägt, muss der Vorgeschlagene die Bewerbung unterschreiben, bevor sie zurückgesendet wird. Dies geschieht entweder per E-Mail an ehrenamt@buergerstiftung-lkrffb.de oder via Post an Ehrenamtsbörse, Münchner Straße 5 / 3. OG, 82256 Fürstenfeldbruck. Eine Jury – bestehend aus Vertretern der Bürgerstiftung, der VR-Bank und des Landratsamts kürt die Gewinner. 

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