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Männlich, weiblich oder divers? In der Eichenauer Starzelbachschule soll niemand diskriminiert werden, der sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlt. 

Gegen Stigmatisierung

Eichenauer Schüler bekommen Toilette für das dritte Geschlecht - mit einer Besonderheit

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Die Eichenauer Grund- und Mittelschule bekommt eine Toilette für das dritte Geschlecht. Und das in einer Ausführung, die eine Stigmatisierung von Jugendlichen verhindern soll, die sich weder weiblich noch männlich fühlen.

Eichenau– Ein Schmunzeln kann sich Bürgermeister Peter Münster (FDP) dann doch nicht verkneifen: „Im Prinzip ist es eine ganz normale Schüssel“, erklärt er auf Tagblatt-Anfrage. Allerdings werde in der WC-Kabine noch ein Pissoir stehen. Was die Installation konkret kostet, konnte der Rathaus-Chef nicht sagen. Die Mehrkosten gegenüber einer einfachen Toilette für Mädchen oder Buben beliefen sich jedoch auf etwa 1500 Euro. Die Einrichtung einer Toilette für das dritte Geschlecht in der Starzelbachschule, im Zuge der sowieso anstehenden Bauarbeiten, ging auf einen Antrag der Ortsgruppe der Freien Wähler (FWE) an den Gemeinderat zurück. Das Gremium stimmte ohne große Diskussion mehrheitlich zu, es gab allerdings vier Gegenstimmen.

Toilette für das dritte Geschlecht für Schule in Eichenau: Eine Unisex-Toilette für alle

Es geht darum, Schülern, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen, ebenfalls ein stilles Örtchen anzubieten. Geplant ist nun eine sogenannte Unisex-Toilette. Die sei die praktikablere Lösung, wie Architekt Christian Peter in der Sitzung erklärte. Er ist für die gesamte Erweiterungsmaßnahme der Starzelbachschule zuständig. Die Lösung mit dem Unisex-WC hatte auch die FWE-Fraktion favorisiert.

Eine zukünftige Stigmatisierung von Schülern wird vermieden, wenn sie unterschiedliche Sanitärräume aufsuchen, hieß es in dem Antrag. Mit den Unisex-Toiletten könne nun jeder unbefangen diesen Raum aufsuchen. Im skandinavischen Raum hätte es damit positive Erfahrungen gegeben.

Unisex-Toilette in der Schule wird vorerst die einzige in Eichenau bleiben

Die FWE hatten ihre Initiative mit der Änderung des Personenstandsgesetzes im Bund im Dezember 2018 begründet. Das sieht neben weiblich (w) oder männlich (m) die Eintragungsmöglichkeit „divers“ (d) vor. Zudem hatte die Fraktion auf Schulen in Garching, Pullach und Taufkirchen verwiesen. „Dort beschäftigen sich die Planer mit der Notwendigkeit, Toiletten beziehungsweise Sanitärräume für das dritte Geschlecht mit zu errichten.“

Der Umbau der Starzelbachschule biete dafür nun eine gute Gelegenheit. Vorgeschrieben ist das laut Architekt Peter allerdings bisher noch nicht. Dies bestätigte Bürgermeister Münster. Es werde auch in absehbarer Zeit in keinem anderen Gebäude in der Gemeinde eine solche Toilette geben. Allenfalls in der Gastronomie sehe er einen gewissen Handlungsbedarf, so Münster.

Die FWE bewerten das jedoch ganz anders. „Es ist bereits absehbar, dass eine Verpflichtung der Bereitstellung von Sanitärräumen für das dritte Geschlecht auf die Gemeinden und ihre Einrichtungen zukommen wird“, betonte FWE-Sprecher Claus Guttenthaler.

Lesen Sie auch: Grundschulen planen Toiletten für das dritte Geschlecht - das sagt ein Experte

Unisex-Toilette in Eichenau für drittes Geschlecht: Besonderheit bei Kennzeichnung

Auf ironische oder vermeintliche witzige Wortbeiträge zu dem Thema wurde ausdrücklich verzichtet. Peter Zeiler (CSU) meinte lediglich, dass es in mancher Damentoilette wilder aussehe als bei den Herren. Die jeweiligen Toiletten sind in aller Regel eindeutig gekennzeichnet. Wie das bei den Unisex-Toiletten in Eichenau geregelt sein soll, ist noch unklar. Bei einem Piktogramm wisse man nicht so recht, wie es aussehen solle. Der Rathaus-Chef vermutet deshalb: „Es wird wohl ganz simpel Toilette draufstehen.“

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