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Uta Kullmer trat 1980 in die SPD ein.

Nachruf

Sie setzte sich an der Basis für ihre Mitmenschen ein

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Sich für ihre Mitmenschen einzusetzen, das lag Uta Kullmer im Blut. Beruflich und ehrenamtlich war ihr daran gelegen, anderen etwas mitzugeben.

Eichenau – In Eichenau, wo sie über 40 Jahre lebte, gehörte sie dem Ortsverein der SPD an und vertrat die Interessen ihrer Mitbürger zwei Jahre lang im Gemeinderat.

Geboren wurde die Arzttochter im Juli 1937 in Scheidegg im Allgäu, doch ihr Abitur machte sie im niedersächsischen Salzgitter-Lebenstedt, wohin es ihren Vater beruflich verschlagen hatte. Nach der Schule ging die junge Frau nach England, um als Au-pair-Mädchen ein Jahr lang bei einer Familie mit vier Kindern zu arbeiten.

Falls sie testen wollte, ob ihr der Umgang mit Kindern auf Dauer Spaß machen würde, fiel das Experiment positiv aus. Uta Kullmer entschloss sich, Volksschullehrerin zu werden und studierte an der Pädagogischen Hochschule in Augsburg. Ihre ersten Posten führten sie zurück ins heimische Allgäu, nach Oberostendorf und Altstädten. Schon früh politisch interessiert, besuchte sie eines Tages eine Veranstaltung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Hier lief ihr ein wissenschaftlicher Assistent und Verlagskaufmann über den Weg, der ihr weiteres Leben entscheidend beeinflussen sollte. 1966 heirateten Uta und Gerhard Kullmer und zogen bald nach Bonn-Bad Godesberg, wo der junge Ehemann eine Stelle beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger antrat. 1969 kam die Familie – inzwischen war die erste Tochter auf der Welt, die zweite folgte 1971 – zurück nach Bayern und ließ sich zunächst in Neubiberg und dann in Eichenau nieder.

Uta Kullmer begann, in den Volkshochschulen in Bruck und Neubiberg Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. 1980 trat sie in die SPD ein und bezog klare Positionen zu den politischen Aufreger-Themen jener Zeit. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung, beteiligte sich an den Ostermärschen und demonstrierte gegen die geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Als im Zuge der Revolution im Iran viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, betätigte sie sich wiederum als Deutschlehrerin. Dass sie als Nachrückerin 1994 einen Sitz im Gemeinderat übernahm, war ebenfalls Teil ihres breiten sozialen und gesellschaftlichen Engagements.

Um Ämter drängte die Italien-Liebhaberin und Großmutter zweier Enkel sich aber nie – lieber wirkte sie an der Basis. Ihre den Menschen zugewandte Art wird allen, die sie kannten, in Erinnerung bleiben.

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