Eichenau hat sich für die Buslinien entschieden.
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Eichenau hat sich für die Buslinien entschieden.

Tangentialverbindungen

Eichenau votiert für die umstrittenen Buslinien - Streit eskaliert

  • vonHans Kürzl
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Der Gemeinderat hat beschlossen: Es wird drei neue Buslinien in Eichenau geben. Der Protest von Anwohnern brodelt schon länger, in der entscheidenden Sitzung kam es nun zum Showdown. Den Bus-Gegnern wurde die Verbreitung von Lügen vorgeworfen. Daraufhin eskalierte die Situation.

Eichenau – Das Interesse an der Sitzung, besonders an einem Tagesordnungspunkt, war so groß, dass nicht alle Besucher Einlass ins Bürgerzentrum fanden – wegen der strengen Corona-Vorschriften sind nur zehn zugelassen. So saßen sich Mitglieder der „Initiative – Allinger Straße für unsere Kinder“ (BI) und der Gemeinderat gegenüber, als die Entscheidung zu den neuen Buslinien fiel.

Ergebnis: Ab Mitte Dezember 2021 wird es drei neue Buslinien geben. Der BI, die ein Verkehrschaos im Wohngebiet fürchtet, kam man insofern entgegen, indem man Taktung, Länge der Busse und Fahrzeugtypen beobachten will. Der Beschluss fiel einstimmig aus.

Der Eklat

Der Gemeinderat trat geschlossen auf, was die Empörung über die Aussagen der BI angeht, die im Vorfeld getätigt wurden. Grünen-Fraktionsvorsitzender Markus Hausberger sprach den BI-Sprecher Günther Kosler direkt an. Hausberger hielt diesem unter Beifall aller Fraktionen vor, mit Drohungen und falschen Aussagen gearbeitet zu haben. Kosler bat um eine direkte Erwiderung – was vom Gemeinderat per Abstimmung verweigert wurde – woraufhin Kosler von „Verhältnissen wie in der DDR“ sprach.

Claus Guttenthaler (FW) hielt der BI entgegen: „Lügen und Drohungen haben in einer Diskussion nichts zu suchen.“ Die Empörung des Gemeinderats fasste schließlich SPD-Fraktionssprecher Martin Eberl emotional zusammen: „Der Vergleich mit der DDR ist eine ziemliche Unverschämtheit.“ Im Gemeinderat würden fünf sehr verschiedene Parteien sitzen, die alle demokratisch gewählt seien. Stefan Perras (CSU) verwies zudem auf die bislang stets einstimmig gefassten Beschlüsse.

Die Entscheidung

An den Streckenführungen änderte der Gemeinderat für die künftigen Linien 860, 861 und 862 nichts mehr. Lediglich beim Friedhof soll es eine zusätzliche Haltestelle geben. Ansonsten war sich der Gemeinderat einig, dass die Busse einen Fortschritt darstellen – insbesondere die Querverbindungen in die Nachbarkommunen oder nach Germering und Bruck.

Es wird einen 20-Minuten-Takt geben: von Montag bis Samstag von 5.30 bis 22.30 Uhr (am Sonntag stündlich zwischen 8 und 18 Uhr.) Die CSU-Fraktion wollte den 20-Minuten-Takt bei der Linie 862, gegen die die BI besonders protestiert hatte, auf die Hauptverkehrszeit beschränken. Doch dieser Vorschlag wurde von den übrigen Fraktionen abgelehnt. „Die Akzeptanz der neuen Linien ist nur gegeben, wenn die Busse fahren. Das dürfen wir nicht gefährden“, erklärte SPD-Fraktionssprecher Eberl. Mobilitätsreferent Markus Brüstle (Grüne) sprach sich für eine Gleichbehandlung aller drei Linien aus.

Grünen-Sprecher Hausberger mahnte bei den Größen der Fahrzeuge daran zu denken, dass die Busse von Eltern mit Kindern, Rollstuhlfahrern oder Menschen genutzt würden, die auf einen Rollator angewiesen sind. Dem schloss sich Gertrud Merkert (SPD) an: „Wir dürfen diese Menschen nicht ausbremsen.“

Ulrich Bode (FDP) verwies darauf, dass neu angeschaffte Busse ein Fahrgastzählsystem haben. Mit diesen Daten könne man nach einer Zeit über Länge und Taktung der Busse nachdenken. Bevorzugt werden Hybridfahrzeuge, auch E-Busse stehen zur Diskussion. Doch deren Anschaffungspreis mit gut 500 000 Euro ist etwa doppelt so teuer wie der von herkömmlichen Dieselbussen.

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