Bitte lächeln: Ganz oft muss die Eichenauer Starzl-Musi für Fotos posieren.

Eichenauer-Starzl-Musi

Sie bringen Bayern nach Japan

Eichenau – Sechs Musiker plus 13 Koffer plus 14 Stunden Flug – das ergibt zehn Tage Spaß. Die Rechnung machen Florian Prestl (21) und fünf Musiker-Kollegen jedes Jahr. Unter dem Namen Eichenauer Starzl-Musi fliegen sie nach Japan.

Ort des Geschehens ist die 74 000-Einwohner-Stadt Inuyama im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu. Hier liegt „Little World“, eine Kombination aus Freizeitpark und Freilichtmuseum. Unter anderem wurde auf dem Gelände ein bayerisches Dorf nachgebaut, bestehend aus Gasthof, Museum, Souvenirgeschäft, Brunnen und Maibaum. „Das ist echt liebevoll gestaltet“, sagt Florian Prestl. Bei dem Gasthof handelt es sich gar um ein Original-Gebäude aus Garmisch, das Stein für Stein abgebaut und nach Japan transportiert wurde.

Jedes Jahr am 1. Oktober startet dort ein „Oktoberfest“, für das eigens eine bayerische Blaskapelle eingeflogen wird – eben die Starzl-Musi inklusive Tuba und Schlagzeug. Zur Gruppe gehören neben Florian Prestl, der das Tenorhorn spielt, Elisabeth Ellenrieder (Klarinette), Michael Hinterholzer (Akkordeon), Michael Hörl (Schlagzeug), Daniel Metzenmacher, (Trompete) und Michael Metzenmacher (Tuba).

Der Kontakt nach Japan kam über den Eichenauer Musikverein zustande, in dem Prestl schon seit Kindertagen Mitglied ist.

Auf ihren Reisen lernen die Eichenauer die japanische Kultur hautnah kennen.

Oktoberfest im Freizeitpark in Japan – das bedeutet, vier Auftritte täglich, an den Wochenenden sechs. Es bedeutet, hinterher endlos fotografiert zu werden. In Lederhose, versteht sich. „Die Japaner stehen Schlange für ein Foto“, erzählt der Biologie-Student. „Mit Oktoberfest-Hüten auf dem Kopf.“

Märsche und Polkas kommen beim fernöstlichen Publikum besonders gut an und auch der „Ententanz“ ist sehr gefragt. Walzer reißen die Zuhörer dagegen weniger vom Hocker. „Die Japaner wollen aktiv mitklatschen.“

Im Repertoire haben Prestl und seine Kollegen 35 Stücke, die sie den ganzen Sommer über proben. Die Reise ist für die Sechs jedes Mal ein Heidenspaß. Auf die Frage, ob es manchmal witzige Ereignisse gibt, muss der 21-Jährige lachen. „Es gibt nur witzige Ereignisse. Die Kulturunterschiede und die Sprachbarriere führen permanent zu Missverständnissen.“

Schon allein das Einkaufen ist ein Abenteuer. Die Eichenauer werden in Apartments untergebracht und müssen sich teilweise selbst versorgen. Besuche im Supermarkt gleichen einem Blindflug, und beim Essen gibt es dann oft Überraschungen. Was süß aussah, schmeckt salzig. Was süß ist, schmeckt schrecklich. Bei dem Gedanken an die rote Bohnenpaste, die Bestandteil vieler Leckereien ist, schüttelt es Florian Prestl. „Damit kann keiner von uns etwas anfangen.“ Im Freizeitpark selbst ist das leibliche Wohl aber kein Problem. „Gleich neben Deutschland liegt Indien, da isst man sehr gut.“ Oder man geht weiter nach Italien oder ins Elsass, wo es ebenfalls lecker schmeckt.

Bei einem Ausflug.

Klar, dass die Eichenauer Musiker auf ihren Reisen auch jede Menge einheimische Kultur mitbekommen. „Abends werden wir meist eingeladen“, erzählt Prestl. Noch heute ist er froh, dass er bei einer Tee-Zeremonie nicht die ganze Zeit auf dem Boden knien musste, wie es eigentlich üblich ist. „Die Japaner knien eisern zwei Stunden durch, aber für Europäer ist das anatomisch unmöglich.“

Kurios sei auch die Parfum-Zeremonie gewesen, bei der man an einem Holzkästchen riechen und anschließend über die Schulter ausatmen musste. Dass sich Sinn und Zweck der Rituale für die Gäste aus dem Westen nicht unbedingt erschließen – was soll’s. Noch ist die Anfrage für den nächsten Herbst nicht da, aber das ist nicht ungewöhnlich. „Meist kommt die Einladung im Frühjahr.“ Die Eichenauer freuen sich inzwischen ebenso auf ihre treuen Fans wie umgekehrt.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

In Maisach: Gebühren für Kindergarten steigen
Maisach - Die Kindertagesstätten in Maisach werden bald teurer. Denn die Kosten für die Gemeinde steigen jedes Jahr – während die Eltern prozentual immer weniger zahlen.
In Maisach: Gebühren für Kindergarten steigen
Benno aus Fürstenfeldbruck
Pünktlich zum Umzug seiner Eltern Andrea Koppius und Olaf Dernbach nach Fürstenfeldbruck hatte auch Baby Benno Umzugspläne: Er zog quasi aus dem Bauch seiner Mama aus. …
Benno aus Fürstenfeldbruck
Er lag nachts im Garten: Mann erschreckt Nachbarin
Gernlinden - Hilfe, jemand liegt tot im Nachbarsgarten! So hat sich am Samstagabend bei Eiseskälte eine 27-Jährige aus Gernlinden bei der Polizei gemeldet. Doch der …
Er lag nachts im Garten: Mann erschreckt Nachbarin
Erstes Filmfestival im Kino-Center
Germering - Der in Germering ansässige Münchner Film- und Videoclub (MFVC) richtet am 4. und 5. Februar das Landesfilmfestival für Oberbayern und Schwaben aus. Es findet …
Erstes Filmfestival im Kino-Center

Kommentare