Bombendrohung gegen Linke - Partei-Zentrale in Berlin geräumt

Bombendrohung gegen Linke - Partei-Zentrale in Berlin geräumt
+
Für ihn sind Debatten wichtig für die Demokratie: Eichenaus Bürgermeister Peter Münster (FDP) im Gespräch mit Tagblatt-Reporter Hans Kürzl (r.).

Interview

Eichenaus Bürgermeister zieht Halbzeitbilanz

  • schließen

Vor etwa drei Jahren machte Peter Münster den ersten Schritt in Richtung Bürgermeisteramt in Eichenau: Am 19. Juni 2016 zwang er den CSU-Kandidaten in die Stichwahl, insgesamt waren es vier Bewerber. Münster war als FDP-Vertreter eine ziemliche Sensation. Wie es ihm seither ergangen ist, verrät der 53-Jährige in der Halbzeitbilanz.

Eichenau – Seit dem offiziellen Amtsantritt am 19. Juni sind genau 1022 Tage vergangen. Das ist eine Zahl, die Peter Münster allerdings erst im Tagblatt-Interview erfährt. Der Bürgermeister gehört nicht zu den Menschen, die symbolisch irgendwelche Maßbänder Stück für Stück abschneiden. Jeder Tag berge eine Überraschung für ihn. Wie er die Tage seit seiner Ernennung zum Rathauschef verbracht hat, berichtete er im Tagblatt-Gespräch.

Einen FDP-Bürgermeister gibt es nicht allzu oft. Fühlt sich das exotisch an?

Ich bin jetzt nicht mehr der einzige FDP-Bürgermeister in Oberbayern. In Krailling hat Ende Mai Rudolph Haux gewonnen. Aber auch andere kleine Parteien stellen da und dort die Bürgermeister. Als Exot fühle ich mich daher bestimmt nicht.

Es war fast eine Art Große Koalition aus Grünen, SPD und Freien Wählern, die sie gegen Dirk Flechsig von der CSU ins Amt gebracht hat. Fühlen Sie da noch Unterstützung?

Ich habe mich damals schon sehr über die Unterstützung der anderen Parteien und Gruppierungen gefreut. Allein entscheidend war es aber wohl nicht. Mehrheiten und Unterstützung muss man sich sowieso immer wieder neu erarbeiten. Ich habe jedoch schon das Gefühl, dass zwischen Bürgermeister und Gemeinderat im Großen und Ganzen ein entspanntes Verhältnis besteht.

Die Sitzungen in Eichenau dauern bisweilen ziemlich lange. Was sagen Sie dazu?

Es ist mein Verständnis, dass Demokratie von Austausch und Debatte lebt. Dazu soll jedes Gemeinderatsmitglied seinen Beitrag leisten können. Das will ich nicht unnötig abkürzen. In der Vorbereitung auf eine Sitzung mache ich mir aber schon Gedanken darüber, wo eine längere Diskussion zu erwarten ist.

Wie bleibt man da konzentriert?

Wie gesagt, ist da schon eine gute Vorbereitung sehr hilfreich. Für die Sondersitzung im Februar beispielsweise waren es in der intensiven Phase fünf Wochen, in denen jede einzelne Minute wichtig war. Immerhin sollten sich aus der Sondersitzung auch Weichenstellungen ergeben.

Ist das Ihrer Meinung nach denn auch gelungen?

Wir haben nun eine realistische Abschätzung, was in den nächsten Jahren machbar ist. Ich hatte durchaus eine gewisse Sorge, dass uns die Ausgaben über den Kopf wachsen. Deshalb habe ich bewusst die über 100 Millionen Euro an möglichen Ausgaben aufgeführt. So wurde allein anhand der hohen Summe deutlich, dass Entscheidungen über Prioritäten getroffen werden mussten. Hochinteressant war für mich auch, dass die Prioritäten, die in der Sondersitzung gesetzt wurden, sich von denen innerhalb des Gemeinderates nicht zu sehr unterschieden haben.

Sehr intensiv wurde in den letzten Monaten die Debatte zur Erweiterung der Starzelbachschule und den Bau der Küche geführt. Allein die Sitzungsvorlage hatte bereits 92 Seiten...

Stimmt. Eine umfangreichere Vorlage ist mir in meinen 29 Jahren als Gemeinderat und Bürgermeister nicht bekannt. Doch derart große Maßnahmen erfordern eben einen solch hohen Aufwand. Es gilt die Bedenken von Anwohnern angemessen zu würdigen, aber auch auf die Bedürfnisse und Anliegen von Schulleitung sowie Eltern einzugehen. Letzter haben sich klar für frisch zubereitetes Essen ausgesprochen. Dem haben wir uns angeschlossen.

Platz in der Diskussion und im wahrsten Sinn des Wortes brauchen auch die Gewerbetreibenden. Einer hat schon Konsequenzen gezogen und ist aus der Gemeinde weg. Wie beurteilen Sie das?

Der Schritt von Michael Wölfl nach Emmering zu gehen, war nachvollziehbar. Er hat sich zuvor ja genau umgesehen. Für die Gemeinde Eichenau ist das aber nur zum Teil schmerzhaft, weil zwar das Lager in Emmering ist, der Firmensitz aber immer noch hier. Dennoch bleibt das Problem, dass wir zu wenig Platz haben. Es gibt nichtbebaute Grundstücke, bei deren Eigentümern wir aber dicke Bretter bohren müssen.

Das Gewerbegebiet Nord wäre aus Sicht des Gewerbeverbandes eine interessante Alternative.

Nicht nur aus Sicht der reinen Gewerbeansiedlung. Es wäre durch die S-Bahn ideal angebunden, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Dies wiederum wäre gut und für hochqualifizierte Mütter und Väter attraktiv.

Die benötigen aber Plätze für die Kinderbetreuung. Was will Eichenau da in die Waagschale werfen?

Große Alleinstellungsmerkmale kann man als Gemeinde gar nicht entwickeln, um Arbeitskräfte zu holen. Aber es gibt sehr wohl einen Nachholbedarf im Bereich der zeitlichen Öffnung bei der Kinderbetreuung, wie flexibel man dort Arbeitszeiten steuern kann. Das gilt übrigens auch für das Personal für das Pflegezentrum.

Bei all diesen Themen und Problematiken – fühlen Sie sich von der großen Politik gut genug unterstützt?

Das hängt von den Themenfeldern ab. Bei der S-Bahn sieht das derzeit eher positiv aus, weniger im Bereich des Straßenbaus, siehe Südwestumfahrung.

Was kann die große Politik von der Kommunalpolitik lernen?

Die Fähigkeit, gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden, funktioniert in der Kommune besser. Man muss ein Gespür dafür haben, was für die Menschen vor Ort wichtig ist. Deshalb ist auch die Kommunalwahl sehr wichtig.

In Eichenau findet die seit Ende der 1960er-Jahre getrennt von der Bürgermeisterwahl statt. Wird sich das ändern?

Unser Rhythmus liegt außerhalb der Minimal- und Maximalzeiten von Amtszeiten, die eine Anpassung so leicht möglich macht. Natürlich könnte das ein Bürgermeister durch einen Rücktritt ebenfalls herbeiführen. Ich möchte schon weitermachen, solange es meine Gesundheit zulässt.

Und die Zeit, die für Ehrenämter, Hobbys und Familie bleibt?

Die Zeit dafür ist zugegebenermaßen weniger geworden. Ich würde gerne Mandola spielen. Aber es wäre unseriös, sich in einem Ensemble anzumelden, weil die Regelmäßigkeit der Übungsstunden fehlen würde. Bei der Feuerwehr versuche ich im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten dabei zu sein. Immerhin ist es mir beim Pfefferminzverein gelungen, eine halbe Reihe auszugrasen. Das bleibt.

Auch interessant: Die Kommunalwahl 2020 in der Region Fürstenfeldbruck

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Taxifahrer erfasst Fußgänger - der erleidet lebensgefährliche Verletzungen
Ein Taxifahrer (38) aus dem Landkreis Fürstenfeld hat in München auf der Leopoldstraße mit seinem Wagen einen Mann erfasst und dabei schwerst verletzt. Der Fußgänger war …
Taxifahrer erfasst Fußgänger - der erleidet lebensgefährliche Verletzungen
Blaulicht-Ticker: Polizei stellt zwei auffällige Radfahrer - einer betrunken, einer bekifft
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker: Polizei stellt zwei auffällige Radfahrer - einer betrunken, einer bekifft
Ortsverband und Gemeinderatsliste: Grüne wollen in Türkenfeld antreten
Gute Wahlergebnisse, Umfrage-Hochs – die Grünen verzeichnen so viel Zuspruch wie noch nie. In Türkenfeld soll nun im Herbst ein Grüner Ortsverband gegründet werden, der …
Ortsverband und Gemeinderatsliste: Grüne wollen in Türkenfeld antreten
Treffen der Bürgerinitiative: Weiter Kampf gegen Geflügelstall für Lege-Hennen
Gerümpel im Hof, ein überwachsener Löschteich, riesige Pflasterflächen wo eigentlich Kies sein sollte, und noch mehr Schrott im Gewächshaus. 
Treffen der Bürgerinitiative: Weiter Kampf gegen Geflügelstall für Lege-Hennen

Kommentare