Eichenau

Eine eigene Trockenhalle für die Minze

Eichenau – Knapp 100 Quadratmeter helfen ein Eichenauer Kulturgut zu bewahren: In der neuen Teetrockenhalle kann der Förderverein Pfefferminzmuseum nun die frisch geernteten Minzblätter in aller Ruhe und Sorgfalt lagern und verarbeiten.

Ende August ist es wieder soweit: Dann wird die Pfefferminze geerntet und verarbeitet. Bisher hatten das die Mitglieder des Fördervereins bei der Familie Ondrusch gemacht. Doch jetzt können sie es erstmals in ihrer eigenen Halle tun: in der neuen Teetrockenhalle an der Walter-Schleich-Straße. Bislang musste die Erntemaschine immer wieder von neuem aufgebaut werden. „Nun kann die Verarbeitung Hand in Hand mit der Ernte gehen“, freut sich Hans Kugler, Vorsitzender des Fördervereins. Denn es darf nur so viel geerntet werden, wie anschließend getrocknet werden kann. Rund 80 Kilo der getrockneten Blätter können in der neuen Halle gelagert werden. Anschließend werden sie im Pfefferminzmuseum zum Verkauf angeboten.

Der Bau der neuen Halle war nötig geworden, weil die Ondruschs ihre Räumlichkeiten anders nutzen wollten. „Es war Eile geboten“, sagt Kugler. „Wir haben nach einem Platz gesucht, der in der Tradition früherer Teehallen liegt“, so der Vorsitzende weiter.

Da die Eichenauer Minze offiziell vom Freistaat als Kulturgut gewertet wird, erhielt der Förderverein Unterstützung von politischer Seite. 15 000 der insgesamt 80 000 Euro Baukosten hat der Förderverein aus den Mitteln des Kulturfonds Bayern 2016 erhalten – unter anderem auf Initiative von Landtags-Vizepräsident Reinhold Bocklet. Mit ein Grund für die Bewilligung war, dass das einzige Pfefferminzmuseum Deutschlands engagiert über Anbau, Ernte und Trocknung der Pfefferminze sowie über ihre Heilkraft und die Geschichte informiere. Weitere 25 000 Euro steuerte die Gemeinde bei. Spenden, Eigenleistungen und ein Kredit brachten die Finanzierung in trockene Tücher.

Geerntet wird die Eichenauer Minze zweimal im Jahr, Anfang Juli und Ende August. Sind die Pflanzen erst einmal geschnitten, muss es schnell gehen. Nach dem Durchlaufen der Häckselmaschine werden in der so genannten Windmühle die Stängel von den Blättern getrennt. Danach erfolgt die Trocknung auf Horden. Das sind Drahtgitter, die palettenähnlich in Lattengestelle eingeschoben werden.

Mühsamer sind Pflege und die Ernte selbst. 20 Mitglieder des Fördervereins sind immer wieder unter anderem damit beschäftigt, das Feld per Hand von Unkraut zu befreien. Denn Unkrautvernichtungsmittel haben im Eichenauer Pfefferminztee nichts zu suchen. „Das Feld ist in Abschnitte aufgeteilt, und jedes Mitglied ist für einen dieser Abschnitte zuständig“, erklärt Kugler. Das funktioniere. „Nur ab und zu muss ich daran erinnern.“

Und während andere der wechselhafte Sommer eher nervt, freut sich Kugler für die Pfefferminze. „Sie liebt diesen Wechsel zwischen Wärme und Nässe.“ Zudem sei ein leichter humusreicher Boden, wie er in Eichenau zu finden sei, ideal für das Wachstum der Pflanze.

Angefangen mit der Minze hat alles 1918. Damals begann der Beamte Adolf Pfaffinger die Heilpflanze auf dem Moorboden anzubauen. Die Minze war von so hoher Qualität, dass sie sogar den Anforderungen des Deutschen Apothekergesetzes entsprach. Die Blütezeit dieses Pfefferminz-Anbaus in Eichenau dauerte bis etwa Mitte der 1950er-Jahre. Dann machten der Siedlungsdruck auf die Gemeinde und die zunehmende Konkurrenz durch ausländische Waren eine kostendeckende Herstellung unmöglich. Seit 1986 kümmert sich der Förderverein Pfefferminzmuseum Eichenau darum, das Kulturgut Pfefferminze zu bewahren. (hk)

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