Mehr als ein Steinschlag: Dieses Loch verursachte ein von einem Zug kommendes Metallteil. Foto: weber „Ich hoffe schon, dass die Bahn den Schaden bezahlt und das Ganze möglichst unkompliziert abgewickelt wird.“patrick hauptkorn

Bei Eichenau: EC schleudert Metallteil auf auto

Er sah den Schlauch am Zug, dann krachte es

Ein Loch in der Windschutzscheibe erinnert Patrick Hauptkorn an die schlimmste Schrecksekunde, die er je am Steuer erlebte. Dort, nur einige Handbreit von seinem Kopf entfernt, schlug das Metall-Ende eines Schlauches ein, der außen an einem fahrenden Eurocity-Zug gehangen hatte. Nur seine Geistesgegenwart rettete den Schöngeisinger.

Eichenau/Schöngeising– Einem Zug begegnet Patrick Hauptkorn (18) auf seinem Arbeitsweg fast täglich. Er macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Seine Route führt an den Gleisen zwischen Eichenau und Puchheim entlang. Am Morgen des 22. Juni war er gerade wie üblich vom Kreisverkehr bei Eichenau auf die Straße eingebogen, die parallel zu den Gleisen Richtung Puchheim führt. Etwa auf Höhe des dortigen Wäldchens kam ihm auf den Gleisen wieder einmal der EC Richtung Lindau entgegen.

„Diesmal habe ich aber eine Bewegung gesehen, die nicht normal war“, berichtet der junge Mann. Bei einem genaueren Blick erkannte Hauptkorn eine Art Schlauch oder Leitung, die aus dem Unterbau des Zuges hing und im Wind wild umher flatterte. Danach ging alles blitzschnell. „Ich hatte den Schlauch gerade aus den Augenwinkeln verloren, als es auch schon einen Knall gab.“ Woher der kam, erkannte Hauptkorn schnell: In seiner Windschutzscheibe klaffte plötzlich ein gut fünf Zentimeter großes Loch. „Mir war gleich klar, dass das wohl von dem Zug gekommen war“, berichtet der 18-Jährige.

Irgendwie war er durch die ganze Situation schon drauf vorbereitet, dass gleich etwas komisches passieren könnte. Diese Ahnung erwies sich für Hauptkorn als glückliche Fügung.

Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn der Schöngeisinger vor lauter Schreck das Lenkrad verrissen hätte, und das Auto von der Straße abgekommen wäre.

So aber setzte der 18-Jährige, nachdem der erste Schock abgeklungen war, erst einmal seine Fahrt zur Arbeitsstelle fort. „Da habe ich dann gleich meine Eltern angerufen, weil denen das Auto gehört.“ Die rieten ihrem Sohn, sich an die Polizei zu wenden. Also rief Hauptkorn als nächstes bei der Gröbenzeller Inspektion an, die sich mit der Bahnpolizei der Sache annahm.

„Die Beamten waren sehr verständnisvoll, haben alles wahnsinnig schnell aufgeklärt“, sagt Hauptkorn. Nur zehn Stunden nach seinem Anruf erklärten die Polizisten dem Schöngeisinger was passiert war. Bei einer Zugbeschau in Lindau entdeckten die Beamten einen Schlauch, mit dem der Speisewagen des Zugs mit Frischwasser versorgt wurde. Ein Bahnmitarbeiter hatte laut Polizei wohl vergessen, den Schlauch danach wieder abzunehmen.

Als der Zug losfuhr, wurde das Teil aus der Verankerung gerissen und flatterte danach wild im Fahrtwind umher. Dabei löste sich dann wahrscheinlich das Stück, das für das Loch in der Scheibe des VW Polo verantwortlich ist. Der Schaden soll nun möglichst schnell repariert werden. Die Kosten würde theoretisch die Teilkaskoversicherung von Hauptkorns Eltern übernehmen – allerdings mit einer Selbstbeteiligung. Deshalb hofft der junge Schöngeisinger nun möglichst bald auf einen Anruf von der Bahn. „Ich hoffe schon, dass die den Schaden bezahlen und das Ganze möglichst unkompliziert abgewickelt wird“, sagt er.

Ganz unerfahren ist Hauptkorn als Autofahrer trotz seiner jungen Jahre übrigens nicht. Zwar wurde er erst im vergangenen Oktober 18 Jahre alt. Allerdings nutzte er davor schon die Möglichkeit des begleiteten Fahrens. So etwas wie am 22. Juni ist ihm da aber noch nicht passiert. „Das Schlimmste war eine Reifenpanne“, sagt er. Und mit Blick auf den Sprung in seiner Windschutzscheibe meint er: „Das ist schon ein bisserl mehr als nur ein Steinschlag.“ (ad)

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