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Die Münzbox wi rd gehegt, gepflegt und zur Not auch geklebt: Felix Göller hat diese Rarität bereits vor Jahren erworben und trägt sie stets mit sich.

Eichenau

Er setzt auf Bargeld – und auf seine Box

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In Zeiten der Corona-Krise ist dieses Thema aktueller denn je: bezahlen mit Bargeld. Ein Eichenauer pflegt seit Jahren eine Gewohnheit, die ihm nun besonders zugutekommt. Er besitzt eine Münzbox, die gerade jetzt einen großen Vorteil bringt: Es geht schneller an der Kasse.

Eichenau – Man kennt das selbst in Zeiten von EC- oder Kreditkarte oder dem Bezahlen mit dem Smartphone. Einige Menschen wollen nicht darauf verzichten, mit Bargeld zu bezahlen – so lange es noch möglich ist. So kramt ein Kunde im Supermarkt nach seinen 4,66 Euro im Geldbeutel, verzählt sich, wird nervös und die Menschen hinter ihm ungeduldig. Für den Eichenauer Felix Göller ist das längst kein Problem mehr.

Er greift in solchen Fällen zu seiner Box, in der die einzelnen Münzen fein säuberlich sortiert und vor allem stets genau abgezählt sind. Gerade in der aktuellen Krisenzeit aufgrund des Coronavirus wissen Kassenkräfte das zu schätzen, weil es weniger Stress bedeutet, sagt Göller. „Es macht psychologisch schon etwas aus, wenn ich nicht zu lange warten muss.“ Auch die Menschen, die hinter ihm warten, würden das gutheißen.

Allein aus diesem Grund hat der 74-Jährige dieser Tage damit an einer Ladenkasse schnell gewonnen. „Ein ,Oh das ist aber praktisch’ ist immer zu hören, wenn ich in Sekunden – nicht übertrieben – kleine Beträge abzähle.“ Auf die Idee hat ihn ein Kellner in einem Lokal gebracht. „Noch zu D-Mark-Zeiten“, erzählt Göller. Der Kellner konnte den Gästen schnell zwischen zehn Pfennig und zwei Mark abgezähltes Geld herausgeben. „Ein Gag“, hat der Kellner damals gesagt, der sich die Box in einem Haushaltswarengeschäft besorgt hatte.

Göller sah schnell zu, dass er auch zu so einem praktischen Helfer kam. „Dann war ich stolzer Besitzer einer Box. Mit der Umstellung 2002 auf den Euro war eine neue fällig, die bis heute ihren Dienst tut.“ Göller berichtet mit Stolz, wie sehr er auf den Schatz namens Münzbox achtet. „Mehrmals gebrochen, wieder geklebt, zu einer Einheit verschmolzen. Ich hüte sie wie meinen Augapfel.“ Das ist notwendig, denn im Handel vor Ort hat Göller den kleinen praktischen Helfer schon lange nicht mehr gesehen und selbst im weltweiten Internet macht sich das Teil relativ rar. Natürlich schmeichle es auch ein wenig seiner Seele, wenn er auf die Box angesprochen wird, gibt der Eichenauer zu.

Nebst Aufmerksamkeit und bargeldtechnischer Transparenz hat die Box für ihn durchaus noch einen anderen Nutzen, der in Zeiten großer Datensammler nicht zu verachten ist. „Als absoluter Technikfreak ist mir durchaus bewusst, welche Möglichkeiten bestehen, um den Menschen den Umgang mit dem Alltäglichen zu erleichtern, auch was das bargeldlose Bezahlen angeht.“ Er schätzt die Möglichkeiten der neuen Techniken durchaus, hinterfragt sie aber. „Wenn an der Kasse mit Karte bezahlt wird, sollte man annehmen, die Datenverarbeitung wäre im Stande in Sekundenbruchteile den Zahlvorgang zu verarbeiten.“ Doch dann starre man das kleine Terminal so lange wie hypnotisiert an, bis die Meldung „Zahlung erfolgt“ angezeigt werde. „Da gehen einem Gedanken durch den Kopf: Wo sind denn meine Daten gerade unterwegs? Machen sie einen Umweg über Hamburg, USA oder gar China?“

Die Münzbox würde für solche Weltreisen viel zu lange unterwegs sein. „Wie befreiend ist es doch, mit meiner kleinen Box jede Karte zu schlagen.“ Es gibt ihm ein gutes Gefühl, mit Bargeld zu bezahlen: „Die Schuld ist sofort beglichen, es geht schnell und man bleibt anonym.“ Auch deshalb werde er seine Münzbox hegen, pflegen – und kleben.

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