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Verbreiteten Wiesn-Stimmung: Petra und Tom Freisler haben auch bei der Weißen Nacht in Germering gespielt.

Erfolgreiche Premiere

Erste Eichenauer Musiknacht soll nicht die letzte bleiben

In elf Eichenauer Lokalen wurde am Freitag gefeiert. Erstmals fand dort eine Musiknacht statt. Für viele Besucher war das fünfstündige Programm viel zu schnell vorbei.

Sichtlich Spaß bei dem kulturellen Groß ereignis hatten (v.l.) Václav Snajdr, Barbara Dörrlinger und Michele Golzinger.

Eichenau – Als Václav Snajdr vor wenigen Wochen eine Postkarte im Briefkasten findet, denkt er an eine Geburtstagseinladung. Der Absender: Michael Wölfl. Doch dieser hatte die Karte nicht nur in seiner Funktion als Gemeinderat versendet. Sein Geschäft war eine der Stationen, in denen ein Künstler in der Musiknacht aufgetreten ist – und über die Einladung zu dieser kulturellen Premiere in Eichenau freute sich Václav Snajdr sehr. „Das war eine angenehme Überraschung“, sagt der gebürtige Tscheche, der seit den 1980er-Jahren in Eichenau lebt.

Eichenauer Bürgermeister chauffiert Besucher in der Rikscha-

Zwar ist eher bayerische oder böhmische Blasmusik sein Ding. Doch auch die Darbietung von Schlagersänger und Alleinunterhalter Uwe Fürst gefällt ihm gut und Václav Snajdr nimmt genussvoll einen Schluck Bier. An verschiedenen Stationen unterschiedliche Menschen treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen – deswegen ist Barbara Dörrlinger zur Musiknacht gekommen. „Das macht einfach Spaß“, sagt sie und Snajdr stimmt ihr zu: „Das war eine prima Idee von der Gemeinde und dem Bürgermeister.“

Bürgermeister Peter Münster chauffierte die Besucher in der Rikscha.

Letzterer will sich allerdings nicht mit fremden Federn schmücken. Schließlich sei es die Werbegemeinschaft gewesen, die das kulturelle Großereignis auf die Beine gestellt hat. Doch Peter Münster trägt durchaus spektakulär und vor allem schweißtreibend seinen Teil zum Gelingen bei. Als einer von insgesamt vier Rikscha-Fahrern tritt er in die Pedale, um das Publikum – mehrheitlich „seine“ Eichenauer Bürger – von einer Station zur anderen zu chauffieren.

Ein Konditionstraining habe er nicht absolviert, gesteht das Gemeindeoberhaupt. Aber am Tag vor dem Ereignis gab es eine technische Einweisung in Sachen Rikscha. „Die ist nicht so einfach zu bedienen, wie es aussieht“, sagt Münster. Nach dem Anhalten müsse man erst die Arretierung bedienen, erst dann dürften die Leute aus- und einsteigen. Jeder Halt bietet Gelegenheit, einen Schluck Wasser zu nehmen und die Muskeln zu lockern. „Muskelkater werde ich trotzdem bekommen“, sagt Münster. Sein Schmunzeln verrät allerdings: Er nimmt das sportlich. Das Ereignis an sich und die Atmosphäre entschädigen für die Anstrengungen.

Rockige Töne haben Familie Holpert geradezu zum Rausgehen verführt

Einen Familienausflug zur ersten Musiknacht haben Mathias und Simone Holpert mit Alexander und Lisa unternommen.

Zu den Genießern der ersten Eichenauer Musiknacht zählt auch Mathias Holpert. Er ist mit seiner Frau Simone und den Kindern Lisa und Alexander unterwegs. Als erstes hat er den Auftritt der Band „Wetterradar“ verfolgt. „Wir wohnen gleich ums Eck rum“, sagt er. Da hätten die rockigen Töne geradezu zum Rausgehen verführt. Er will sich aber auch bei anderen Geschäften umsehen, in denen aufgespielt wird. „Es wird ein richtig schöner Abendspaziergang mit viel musikalischer Abwechslung werden“, freut sich der Vater.

Die ist bei E-Bike-hereth garantiert. Dort verbreiten Petra und Tom Freisler Oktoberfeststimmung. „Ihr seid ein prima Publikum“, rufen sie ihren Zuhörern zu. Die Germeringer sind Auftritte vor wechselndem Publikum gewohnt. In ihrer Heimatstadt sind sie bei der Weißen Nacht aufgetreten. Die Große Kreisstadt soll Vorbild für Eichenau sein: In Germering melden sich die Bands, die bei Musikzauber und Co. spielen wollen, selbst. „Das wäre ein Ziel für Eichenau“, so Monika Hereth, eine der Organisatoren in Germering. Wenn es nach ihr geht, soll die erste Musiknacht in Eichenau nicht die letzte sein.

Flüchtlinge sorgen für exotische Klänge in der Buchhandlung

Für ein volles Haus in der Buchhandlung Rezai sorgen Asylbewerber. Mit fremdländischen Klängen reißen sie das Publikum mit. Später spielt dort noch „Dem Renner seine Band“. Mit einem arabischen Lied über ein israelisches Mädchen mit hübschen Augen ziehen sie die Gäste in ihren Bann.

Verständlicher, weil auf Englisch gesungen, sind dagegen die Texte von Shawn, dem Elvis-Imitator. Bei seinem Auftritt wird manche Erinnerung an Elvis Presley und Johnny Cash wach. Einige fühlen sich zum Mitsingen animiert und stimmen mit ein – bis Beifall auch aus dem Inneren der „Dampflok“ in der Bahnhofstraße dringt. Dort wird als Beiprogramm Regionalligafußball übertragen und der 1:0-Sieg der Münchner Löwen über die SpVgg Greuther Fürth II bejubelt. Fußball so bodenständig wie die erste Musiknacht.

von Hans Kürzl

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