Musikalisches Comeback: Hubert Jung (l.) hat 2016 seine politische Laufbahn beendet und hat nun die ersten Auftritte mit seiner Band „Cross 5“ wie hier in Puchheim. Die Bassgitarre stifteten seine ehemaligen Kollegen zum Abschied. 

In Eichenau

Ex-Rathauschef kehrt auf die Bühne zurück

Eichenaus Alt-Bürgermeister Hubert Jung holt im Ruhestand nach, wofür ihm als Lokalpolitiker keine Zeit mehr blieb: Musik. Ganz offenbar lässt ihn die Bühne nicht los. Bereits früher waren er und seine Bands sehr gefragt. Sie traten sogar einmal beim Ski-Opening in Sölden auf.

Eichenau – Von irgendwoher kam einem der bärtige Grauschopf, der da lässig an der Bassgitarre zupfte und beim Refrain mitsang, bekannt vor. Aber von der Country-Band „Cross 5“, die als Pausenfüllerin das Wirtschaftsforum der Stadt Puchheim begleitete, hatte unsereins noch nie etwas gehört oder gesehen. Beim zweiten Hinschauen konnte es freilich keinen Zweifel mehr geben: Tatsächlich überraschte da Eichenaus früherer Rathaus-Chef Hubert Jung mit einem Comeback vor Publikum, nur eben als Musiker und nicht als Politiker.

Debüt als Schüler im Gymnasium

Eine zweite Karriere sei allerdings nicht geplant und auch der Ruhestand sei keineswegs so ruhig, dass er unbedingt ein neues Hobby brauche, versicherte der Alt-Bürgermeister später dem Tagblatt. Vielmehr liegt dem heute 64-Jährigen die Musik im Blut. Schon der junge Hubert hat in drei verschiedenen Combos 18 Jahre lang Tanzmusik gemacht, ehe die Pflicht zur Kommunalpolitik rief und für Proben und Auftritte nicht mehr genug Zeit blieb. Erst im vergangenen Jahr meldete sich überraschend der ehemalige Schlagzeuger der „Buggies“. Bei der Hochzeit von dessen Tochter kam es zu einem Revival von erst einmal drei früheren Band-Mitgliedern.

Jung hatte als Schüler zunächst Klavierunterricht und lernte später als Autodidakt das Gitarrespielen. Als angehender Abiturient debütierte er bei einem Konzertabend im Graf-Rasso-Gymnasium. Es gibt auch eine Tonaufnahme, die ist aber wohl leider verschollen, meint Jung. Was der Liedermacher damals textete, könne er nicht mehr so genau sagen. Es soll aber an Reinhard Mey erinnert haben. Seine erste Band war Anfang der 1970er Jahre das Trio „moonlights“, das sich als Begleiter bei katholischen Gottesdiensten, sogenannten „Jazz-Messen“, einen gewissen Namen gemacht hatte und sogar Engagements bis ins Allgäu bekam. Und schließlich kam die Unterhaltungsmusik, bei Hochzeiten und Firmenfeiern oder in den damals noch existierenden Tanzlokalen, etwa in Kottgeisering und Mammendorf. Die „Buggies“, bei denen er ab 1984 spielte, waren professionell genug, um auch beim großen Ski-Opening im österreichischen Sölden aufzutreten. Die Gagen sollen allerdings größtenteils wieder ins Equipment geflossen sein.

1990 wurde der Jurist und Gitarrist erstmals in den Gemeinderat gewählt, schlagartig war es aus mit der Musik. Auch zuhause blieben Klampfe und Klavier praktisch unberührt. Allerdings wurde 2003 wieder eine Verbindung zu Noten und Instrumenten geknüpft: Der nunmehrige Bürgermeister wurde Vorsitzender der Kreismusikschule. Ein Amt, das er heute noch inne hat und vielleicht noch über das Ende der derzeitigen Amtszeit im Herbst ausüben will.

Premiere war bei Feier des Finanzamts

Zu den Abschiedsgeschenken, die er vor zwei Jahren von den Kollegen bei Komm-Energie und dem Wasserzweckverband erhielt, gehörten Gutscheine für ein Olchinger Musikgeschäft. Jung kaufte sich eine Bassgitarre mit Verstärker. Ein Jahr später kam der Anruf vom Schlagzeuger, schließlich fanden sich fünf ehemalige „Buggies“ zu „Cross 5“ zusammen. Der Name steht dafür, dass sich die Wege von fünf Musikern (wieder) kreuzten. Nach der Premiere bei der Jahresabschlussfeier des Brucker Finanzamts, in dem der Schlagzeuger arbeitet, sorgte der Puchheimer Bürgermeister Norbert Seidl für den zweiten Auftritt vor Publikum – beim Wirtschaftsforum. Der sei offenbar nicht schlecht angekommen, findet der Frontmann am Bass. Man habe auch intensiv geübt und die Anlage im PUC sei ja „soundmäßig“ vom feinsten.

Country ist der gemeinsame Nenner aller fünf, geprobt wird derzeit in einem Münchner Keller. Geplant sind weitere Gigs bei Country-Abenden in Eichenau oder Seefeld. Denn „das Bühnenfeeling“ gehöre einfach dazu, findet Jung. Er ist der Senior unter den Hobby-Musikern, die außer ihm übrigens allesamt nichts mit Kommunalpolitik zu tun haben. Im Nachbar-Landkreis Starnberg gibt es dagegen eine Band namens „Die Bürgermeister“ mit drei aktiven Rathaus-Chefs und zwei Verwaltungsleuten. Derart musikalische Gemeinde-Oberhäupter kennt Jung im eigenen Landkreis nicht. Ein neues Duo ließe sich immerhin gründen: Der Puchheimer Nachbar Seidl greift auch gelegentlich öffentlich zur Gitarre und singt dazu. (Olf Paschen)

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