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Eichenauer Bibliothek wird 50 Jahre

Das (fast) verschlafene Bücherei-Jubiläum

Generationen von Eichenauern haben dort schon geschmökert und verschiedenste Medien ausgeliehen. Heuer feiert die Gemeindebücherei ihren 50. Geburtstag. Doch fast wäre das Jubiläum untergegangen.

Eichenau– Entdeckt hat den runden Geburtstag Bürgermeister Peter Münster – vollkommen zufällig. Denn als er seinen ersten Neujahrsempfang als Rathauschef vorbereitete, suchte er nach runden Zahlen und Geburtstagen. Fündig wurde er beim Rathaus selbst: Das Verwaltungsgebäude steht ebenfalls seit 50 Jahren. „In dem Zusammenhang bin ich dann auch auf die Bücherei gestoßen“, erzählt Münster.

Das lag auch nahe. Denn auch, wenn Bücherei und Rathaus heute nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind, so nah wie im Februar 1967 lagen sie nie mehr beieinander. Der erste Leiter der Bücherei, der Oberlehrer Michael Tyroller, zog mit seiner Einrichtung am 15. Februar 1967 in den ersten Stock des vier Tage zuvor eingeweihten neuen Rathauses ein. Doch allzu lang sollte die Bücherei nicht dort bleiben. Im Herbst 1972 wechselte sie in den Anbau der jetzigen Starzelbachschule.

Wie es damals in der kleinen Bibliothek aussah, die dann von Hannelore Bartmann geführt wurde, weiß die aktuelle Leiterin Gisela Lehner nicht mehr. Sie erinnert sich aber daran, dass ihre ersten Bücherei-Besuche eher mühsam waren. „Karl May und all die anderen Bücher für uns Kinder waren ganz oben in den Regalen.“ Eine altersgerechte Präsentation, so dass die Bücher für die kleinen Besucher gut zu erreichen sind, war damals noch nicht wichtig.

Lehner ist seit acht Jahren für die Bibliothek in der Starzelbachgemeinde zuständig. Ein wenig Bücherei-Chefin durfte sie aber schon als Grundschulkind spielen: „Es gab einen Schrank mit Büchern, auf den der Lehrer sehr achtete. Aber ich durfte ab und zu aufpassen und austeilen“, erzählt die 53-Jährige.

Heute betreut Lehner in Eichenau über 25 000 Medien. Rund 27 000 Besucher nutzten das Angebot im vergangenen Jahr. Mehr als 66 000 Ausleihen wurden vor Ort verzeichnet. Hinzu kommen 6300 über die DigiBObb.

Das vermutlich älteste Buch, dass die Bücherei besitzt, ist eine reich illustrierte Ausgabe über das Biedermeier von Georg Hermann aus dem Jahr 1965, das zweitälteste eine mehrbändige Schiller-Ausgabe (1966). Allerdings sei es schwer zu sagen, ob diese Werke auch wirklich die ältesten Exemplare in der Bücherei sind, so Lehner. „Denn nicht alle Bücher wurden mit ihrem tatsächlichen Erscheinungsdatum erfasst.“

Seit dem 6. Oktober 1994 ist die Bibliothek am Johanna-Oppenheimer Platz untergebracht. Eva Mieslinger hatte damals die Leitung. Die Medien für Kinder sind aber bereits seit längerem nicht mehr ganz oben, denn schon Erstklässler bekommen einen eigenen Büchereiausweis, der bis zum 21. Lebensjahr kostenlos ist. „Rund zwei Drittel in jedem Jahrgang nutzen das“, freut sich Lehner. Denn nur so könnten sich Bücher und CDs der Konkurrenz durch Smartphones oder Tablets stellen. „Wir versuchen klar zu machen, dass Bücher ihre Stärken haben“, sagt Lehner. Deshalb pflege man die Zusammenarbeit mit den beiden Grundschulen und den Kindergärten. Bei Jugendlichen werde es schwerer, ihnen zu vermitteln, dass es mehr gebe als Google oder Wikipedia.

Trotzdem: Die Bücherei zieht Leser aller Altersklassen an. Und auch für Menschen mit Migrationshintegrund gibt es immer wieder besondere Angebote. „Wir hatten hier schon einmal eine Vorleserin, die auf arabisch vorgetragen hat“, erzählt Lehner.

Nicht nur wegen solcher Aktionen ist für Bürgermeister Münster die Bücherei ein Ort, an dem man im Zentrum der Gemeinde soziale Kontakte pflegen kann. Eine Cafeteria lädt zum Verweilen ein. „Manche kommen hierher wie in ein Wiener Kaffeehaus“, so Münster. Er habe das beobachtet. „Sie lesen in der Zeitung, einer Zeitschrift und gehen dann wieder.“

Münster, der gerade einmal ein Jahr älter als die Bücherei ist, erinnert sich noch gut an deren Anfänge Als Sieben- und Achtjähriger zog es ihn immer wieder dorthin. „Das war fast wie eine zweite Heimat. Ich war ein richtiger Bücherwurm“, erzählt der Bürgermeister. Eine seiner Lektüren, in der er damals oft geblättert hat, war die über die Löwin Leonie Löwenherz, eine Löwin, ihre Brüder und ihre Erlebnisse in der Steppe. Gut, dass der Rathauschef rund 42 Jahre später auch fleißig in der Ortschronik geblättert hat – bis zum Jubiläum der Bücherei. (hk)

Dokumente gesucht

Im Jubiläumsjahr gibt es besondere Aktionen. So erhalten alle, die heuer ebenfalls 50 Jahre alt werden, einen kostenlosen Ausweis. Weitere Infos und die Öffnungszeiten auf www.gemeindebuecherei-eichenau. de. Zudem werden Dokumente aus den Anfangszeiten der Bücherei gesammelt. Eventuell kommt eine Ausstellung zusammen. Wer etwas hat, wird gebeten, sich zu melden.

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