Drehen mit mulmigen Gefühl: Paola Tamayo war zusammen mit Christopher Stöckle in Kolumbien unterwegs. Ihre Fahrer waren zugleich Bodyguards. 	Fotos: domar Film 
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Drehen mit mulmigen Gefühl: Paola Tamayo war zusammen mit Christopher Stöckle in Kolumbien unterwegs. Ihre Fahrer waren zugleich Bodyguards.

Eichenau

Filme machen unter Extrembedingungen

  • VonHans Kürzl
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Zwei Eichenauer Dokumentarfilmer haben sich kein leichtes Pflaster ausgesucht: In „Blutige Kohle“ geht es um grausame Geschäfte in Kolumbien, die auch mit Deutschland zu tun haben. Ein Ex-Soldat erzählt von Auftragsmorden. Der Streifen katapultiert die Eichenauer in eine neue Liga: Er war für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert.

Eichenau – Die Eichenauer Produktionsfirma Domar hat sich einem äußerst schwierigen Thema gewidmet. In „Blutige Kohle“ wird gnadenlos aufgezeigt, unter welchen Bedingungen das Geschäft in Kolumbien abläuft. Auch Deutschland bezieht einen Großteil der Kohle von dort, doch an dieser klebt viel Blut und noch mehr Tränen, wie es in der Filmbeschreibung heißt. Das Land wird zunehmend von kriminellen Banden bedroht, die sich zum Teil aus früheren Paramilitärs rekrutieren. Ein solcher Elitesoldat berichtet in dem Streifen von unzähligen Auftragsmorden, die er im Auftrag internationaler Kohlezulieferer ausgeführt hat.

Nur mit Bodyguard unterwegs

Von vielen Herausforderungen spricht Dominik Utz, der die Produktionsfirma zusammen mit Martin Schwimmer im Jahr 2012 gegründet hat. Das Filmteam vor Ort bestand aus Christopher Stöckle und Paola Tamayo, die für Buch und Regie verantwortlich waren. Die beiden waren bei ihren Recherchen immer mit einem Fahrer unterwegs, der gleichzeitig Bodyguard war. Den beiden sei schon mulmig zumute gewesen, als sie mit dem ehemaligen Soldaten, offenbar einem vielfachen Mörder, geredet haben.

Hinzu kam noch die gefährliche Sicherheitslage im Land. Zu Beginn der Dreharbeiten habe bei den Behörden in Kolumbien ein gewisses Interesse an Aufklärung geherrscht, dann habe ein Regierungswechsel die Arbeit wieder erschwert, berichtet Utz. „Letztendlich haben wir den beiden die Entscheidung überlassen, wann und wie sie sich zurückziehen.“

Und das Risiko hat sich gelohnt. „Blutige Kohle“ war für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2021 nominiert. Aus rund 90 Bewerbungen schafften es die Filmemacher in den Kreis der zwölf Nominierten, ein großer Erfolg. Am Ende hat es zwar nicht geklappt mit dem Preis, aber Utz und Schwimmer nehmen es sportlich. „Allein schon mit einem Marcus H. Rosenmüller auf einer Stufe zu stehen, das hat was“, sagt Schwimmer.

Rosenmüller war unter anderem Regisseur für „Wer früher stirbt, ist länger tot“ oder den jüngst in der ARD gezeigten Sportfilm „Trautmann“. Den Hauptpreis bei den Dokumentarfilmen holte Rosenmüller allerdings ebenso wenig. Ausgezeichnet wurde ein Film über Greta Thunberg.

Die Eichenauer widmen sich nun den nächsten Projekten. Weniger nervenaufreibend, aber insgesamt doch auch herausfordernd verliefen die Dreharbeiten zu „Wann kommst Du meine Wunden küssen“. Ein Film über eine Regisseurin in einer Art Midlife-Crisis. Sie erfährt von der schweren Erkrankung ihrer Schwester, besucht diese und trifft noch auf eine frühere Freundin. Es ist eine Geschichte um alte Wunden und ungelöste Konflikte. Dass der Titel einer Textzeile aus Falcos Lied „Out of the Dark“ stammt, ist eher Zufall. „Das mag vielleicht den Grundtenor des Films irgendwo treffen, mehr aber nicht“, betont Schwimmer.

Testen wie die Fußballer

Eine Herausforderung waren die Corona-Regelungen bei den Dreharbeiten im vergangenen März. Auf ein Warm-Up, der Auftaktfeier für Schauspieler und Team, wurde verzichtet. Dafür gab es für die Haupt-Darsteller jeweils eigene Fahrer und Fahrzeuge. „Die durften keinen Kontakt untereinander haben“, erklärt Utz.

Insgesamt müsse man sich alles wie einer Blase vorstellen. „Ähnlich den Fußball-Profis in der Zeit der Geisterspiele“, so Utz. Das Hygiene-Konzept von Filmemachern, etwa mit regelmäßigen Tests, lehne sich stark an das der Deutsche Fußball Liga (DFL) an. „Mit einem ähnlich umfangreichen Maßnahmenkatalog.“ Das hat dann unter anderem beinhaltet, dass die Komparsenszenen am Ende der Produktion abgedreht wurden.

Engagement für kleine Filme

Dominik Utz und Martin Schwimmer agieren aber noch auf einem weiteren Spielfeld. Sie sind Gesellschafter der „Four Guys Film Distribution“. „Da legen wir den Focus auf Debütfilme und Abschlussarbeiten“, erklärt Schwimmer. Man richte sich in erster Linie an Filmschaffende ohne großen Namen.

Diese würden laut Schwimmer dazu beitragen, die Faszination des Kinos zu erhalten. „Das ist ja gerade wegen Corona wichtig.“ Bei der Gründung war die Pandemie aber noch kein Thema. Die „Four Guys“ wurden vor Corona ins Leben gerufen.

Mehr Informationen

zu den Eichenauer Filmproduzenten gibt es im Internet auf der Seite www.
domar-film.de.

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