Typisierungsaktion in Eichenau

Das gute Gefühl nach dem Piks

Eichenau – Die Diagnose Leukämie verändert das ganze Leben. Das hat Vanesa Vuleta (26) bei ihrer Mutter erlebt. Um sie zu retten, hat die Tochter mit der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB), Freunden und Angehörigen eine Typisierungsaktion organisiert.

Blutvergiftung, Nierenentzündung und künstliches Koma. Die 49-jährige Tatjana Misimovic-Hannan aus Eichenau musste in ihrem Kampf gegen die Leukämie schon viele Rückschläge verkraften. Gut zwei Monate lebte die 49-Jährige mit grippeähnlichen Symptomen und der frustrierenden Ungewissheit, bis sie Anfang August die niederschmetternde Diagnose bekam (wir berichteten).

Eines hat sie in der ganzen Zeit aber nie verloren – den Mut und die Hoffnung, die heimtückische Krankheit zu besiegen. Dazu braucht die Kroatin aber eine lebensrettende Stammzellenspende. Der passende Spender sollte am Wochenende bei einer Typisierungsaktion im Pfarrzentrum Eichenau gefunden werden. Und viele kamen, um sich Blut abnehmen zu lassen.

„Ich möchte unbedingt helfen. Schließlich kann ja jeder in diese Situation kommen“, meint etwa der 50-jährige Stefan Engelhardt. Der Eichenauer ist bereits seit einigen Jahren Organspender. Nun hatte er aus der Zeitung von der Aktion erfahren. Er ist sich sicher, dass es richtig war, sich typisieren zu lassen. Dieses Gefühl der Zuversicht macht sich auch bei den anderen Spendern und Helfern breit.

Es wird viel gelacht. Bei Kaffee und Kuchen tauschen sich die Besucher über die Aktion aus. Das 30-köpfige Helferteam hat einiges zu tun. Andreas May (49) aus Germering und Sanja Hillen (40) aus Emmering vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) kümmern sich um die Blutabnahme. „Wir sind selber Spender und freuen uns über jeden einzelnen, der heute gekommen ist“, erzählen die beiden in einer der wenigen Pausen.

Ein Mal durchschnaufen und schon geht es weiter. Die nächste Spenderin steht schon bereit. Einen kleinen Stich und zwei Blutröhrchen später ist alles vorbei. „Das war’s schon?“, fragt die Spenderin ungläubig, nachdem ihre Blutabnahme innerhalb von wenigen Minuten beendet ist. Bei anderen dauert es länger. „Meine Venen wollen irgendwie nicht so“, lacht die Münchnerin Sandra Stoiljkovic. Beim dritten Versuch klappt es dann endlich. „Ich hätte es auch noch ein viertes oder fünftes Mal probiert“, sagt die Münchnerin. Die 27-Jährige ist sowohl als Helferin als auch als Spenderin nach Eichenau gekommen. „Es geht um die Mama von meiner Freundin. Da helfe ich gerne“, erklärt Sandra Stoiljkovic.

Die Freundin Vanesa Vuleta sitzt am Nebentisch. Auch sie lässt sich für die weltweite Spenderdatei typisieren. „Wir hoffen, dass der passende Spender für meine Mutter gefunden werden kann.“ Neben der direkten Hilfe für ihre Mutter geht es Vanesa Vuleta aber auch um etwas anderes: „Ich möchte erreichen, dass sich die Menschen besser informieren und nicht immer an die falschen Vorurteile glauben. Außerdem hoffe ich, dass durch diese Aktion auch andere Patienten einen passenden Spender finden“.

130 Besucher ließen sich in Eichenau testen. Der Altersdurchschnitt lag bei 36 Jahren. Die Frauen waren mit 59 Prozent in der Überzahl. Ob ein passender Spender für Tatjana Misimovic-Hannan dabei ist, wird sich in zehn Wochen zeigen. „Dann sollten wir alle Ergebnisse haben. Diese werden dann anonym in das weltweite Datennetz gestellt“, erklärt AKB-Leiterin Dr. Martina Brandl (50) aus Gilching. (Tim Grübl)

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