Risse und Absenkungen

Kleiner Feuerwehreinsatz neben Edeka sorgt für Entdeckung mit Folgen

Ein unspektakulärer Feuerwehreinsatz hat zu Tage gefördert: Die Baustelle des künftigen Edeka-Marktes in Eichenau bereitet Probleme – vor allem den Nachbarn. Die haben das schon lange geahnt und denken nun über Schadensersatzforderungen nach.

Eichenau – Verhindert hat Walter Bauer den Bau des neuen Edeka an der Hauptstraße trotz Bürgerinitiative und -entscheid nicht. Die Belastung durch den Lieferverkehr, Lärmbelastung und wasserschutzrechtliche Belange waren für den heute 75-Jährigen der Hauptgrund, vor drei Jahren Protest zu erheben. „Mit dem Grundwasser bin ich jetzt leider bestätigt worden“, sagt er. Walter Schott, dem ebenfalls ein Grundstück an der Baustelle gehört, nickt dazu.

Schott ist am meisten betroffen. Auf der Terrasse, die er für seinen Sohn Stefan erst im vergangenen Jahr angelegt hatte, haben sich etliche Platten gelöst und markante Risse gebildet. Und der Teil des Gartens, der nahe der Baustelle liegt, hat sich im Vergleich zur übrigen Rasenfläche um knapp 15 Zentimeter abgesenkt. „Die Fundamente des Hauses sind ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen“, sagt er. Die Feuerwehr musste das Gebäude absichern.

Erst durch deren Einsatz, den auch Grünen-Gemeinderätin Christine Ganzhorn in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt gegeben hatte, war das Ausmaß der Schäden öffentlich bekannt geworden. Schott schätzt den Schaden bei ihm auf 60 000 bis 100 000 Euro. Deshalb hat sich der 70-Jährige an die Anwaltskanzlei Zachmann gewandt. „Da steht schon im Raum, dass wir Schadenersatz fordern“, so Schott.

Für die Gemeinde ist zumindest das kein Thema. Schadensersatzansprüche seien an Edeka oder die Baufirmen zu richten. Denen geben Schott und Bauer allerdings nicht die Schuld. „Die setzen nur die Pläne um, die man ihnen vorgegeben hat.“ Vielmehr schieben die beiden Hauseigentümer den schwarzen Peter vor allem der Gemeinde zu. „Die haben die Vorstellungen von Edeka abgenickt.“ Zu 92 Prozent werde die zur Verfügung stehende Fläche bebaut. Das sei ein ungewöhnlich hoher Wert.

Das Gleiche gelte für das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt. Letzteres habe nur zwei Monate gebraucht, um alle Genehmigungen abzuarbeiten. „Auch den Baumschutz hat man außer Kraft gesetzt“, sagt Bauer mit Blick auf sein Grundstück, das zur Baustelle hin schlecht abgesichert ist.

Ein bedeutender Teil der Schäden sei durch das Einrammen der Spundwände entstanden, bei dem starke Erschütterungen entstehen. Mehr als 15 Meter tief wurden die Wände auf einer Gesamtlänge von etwa 180 Metern rund um die Baustelle in den Boden gejagt. Bauer und Schott sehen bereits mit Bangen der Phase entgegen, in der die Wände wieder herausgezogen werden. „Neue Erschütterungen und neue Schäden“ befürchten die beiden. Eine der Firmen habe diesbezüglich ebenfalls bereits Bedenken geäußert. Zumal in der Baugrube immer noch das Wasser steht, obwohl bereits zusätzlich so genannte Schluckbrunnen angelegt sind, die dem Grundwasser Herr werden sollen.

„Alle unsere Warnungen wurden in den Wind geschlagen“, beklagen Schott und Bauer. Dass ein Wohngebiet betroffen ist, ist nach ihrem Empfinden nur am Rande berücksichtigt worden. Und so befürchten sie, dass auch auch ihre weiteren Warnungen eintreffen werden. Schott wird wohl „die Kühlgeräte und all ihre Emissionen vor der Nase haben“. Und Bauer sieht kommen, dass der Verkehr um die Filiale stärker sein wird, als man annimmt.

Bei Edeka ist man über die Probleme informiert. Auf der Baustelle habe es unvorhersehbare Komplikationen gegeben, teilt ein Sprecher auf Nachfrage mit. Die unverzüglich beauftragte Prüfung und Sicherung der betroffenen Grundstücke und Gebäude sei bereits veranlasst. Selbstverständlich werde das Unternehmen für die Instandsetzung Sorge tragen. (hk)

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