Die Starzel und der Seitengraben 3

Hochwasser wartet nicht auf Gutachten

Der so genannte Seitengraben 3 sorgt in Eichenau immer wieder für Hochwasser. Doch die Gemeinde will vorerst keine Schutzmaßnahmen ergreifen, sondern auf das interkommunale Gutachten warten. Die Anwohner sind sauer und fühlen sich vom Rathaus im Stich gelassen.

EichenauDie ganze Familie pumpt – Hans Rößler, der in der Meisenstraße in einem Einfamilienhaus wohnt, hat das beim Hochwasser im Juni 2013 erlebt. „Die Erinnerung daran ist noch sehr frisch“, sagt er. Und die Sorge ist nicht geringer geworden, dass das wieder passiert. Umso aufmerksamer verfolgen Rößler und viele weitere Betroffene, welche Hochwasserschutzmaßnahmen die Gemeinde am so genannten Seitengraben 3 treffen will.

„Doch da passiert nichts, wir fühlen uns von der Gemeinde im Stich gelassen“, kritisiert Rößler. Auch Hubert Brunner und Wolfgang Storch, die ebenfalls im Gebiet des einstigen Entwässerungsgrabens der Starzel wohnen, klagen über die Entscheidung des Gemeinderats vom Februar, keine eigenständigen Maßnahmen treffen zu wollen. Man will das interkommunale Gutachten abwarten. Doch wie sehr die Zeit drängt, beschreibt Helmut Rhee: „Jedes stärkere Regenereignis endet bei mir im Garten“, sagt er und fordert weniger Abwarten, sondern schnelles Handeln. Er hat auch eine Lösung parat, welche die Hochwassersituation „schon mal etwas entspannen würde“. Ein geregeltes Schott zu installieren, sei eine Sache von ein paar Tagen, erklärt Rhee. Dieser Vorschlag ergibt für Rößler jedoch ohne Wiederherstellung des Oberlaufs des Seitengrabens 3 wenig Sinn. Dazu wäre eine Beseitigung der Verfüllung des Grabens notwendig.

Die Problematik mit dem Seitengraben 3 zieht sich bereits seit Jahrzehnten. Im Zuge der Errichtung von Wohngebieten in den 1960er-Jahren wurde der Graben damals verfüllt, überbaut und verrohrt. Bis 1988 versuchte die Gemeinde dann vergeblich, ihn wieder öffnen zu lassen. Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und Kommune einigten sich schließlich aber darauf, dass eine Beseitigung der Verfüllung weder politisch noch rechtlich durchführbar wäre. Seitdem ist nur der Abschnitt zwischen Sperberstraße und Einmündung in den Schwarzen Graben hochwassertechnisch ausgebaut.

„Dabei ist eine Verfüllung ohne Planfeststellung oder Plangenehmigung wasserrechtlich illegal“, erklärt Rößler, Sprecher der Hochwasserbetroffenen. Er fühlt sich im Dickicht der Bürokratie gefangen. Derzeit spreche man von einer Dauerhandlung. Der Vorgang beginne erst dann zu verjähren, wenn die Verfüllungen wieder beseitigt seien. „Gegen die Maßnahme wehren kann man sich aber erst dann, wenn ein Schaden entstanden ist“, klagt Rößler.

Er erinnert mit den anderen Anwohnern daran, dass vor vier Jahren die Katastrophe „fast schon vor der Haustür stand“, wie es Rößler ausdrückt. Das auf dem Grundwasser aufliegende Überschwemmungs- beziehungsweise Oberflächenwasser erhöhte den Grundwasserdruck auf die Kelleraußenwände derart, dass das Wasser auch in Keller eindrang, die als sicher galten.

Die Feuerwehr habe damals Grundwasser aus den Gullys in den Abwasserkanal gepumpt. „Vollkommen richtig“, findet Rösler und spricht damit den Betroffenen aus der Seele. „ Das hat die Häuser vor der totalen Überflutung gerettet.“ Doch die Maßnahme hatte Folgen für den Amperverband. Die Kanäle drohten überzulaufen. Seitdem ist den Feuerwehren ein ähnliches Vorgehen untersagt.

Doch die Anwohner geben nicht auf. Sie haben nun zwei Vorschläge erarbeitet, die sie an die Gemeinde weitergegeben haben. So hätte man durch die Wiederherstellung des Oberlaufs einen Folgenbeseitigungsanspruch genützt. Hierzu ist laut Anwohner kein Planfeststellungsverfahren nötig.

Zusätzlich wäre die Einrichtung eines Rückhaltebeckens auf Wiesenflächen eine wirksame Maßnahme. Dafür ist allerdings entweder eine Planfeststellung oder -genehmigung notwendig. Zudem besteht in aller Regel kein Rechtsanspruch darauf. (hk)

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