+
Klaus-Dieter Adler hat ein im wahrsten Sinn bewe gtes Radleben hinter sich. Große Entfernungen machten ihm nichts, aber er ist bodenständig geblieben. 

Eichenau

In 25 Jahren 300 000 Kilometer geradelt

  • schließen

Kräftig in die Pedale gestiegen ist der Eichenauer Klaus-Dieter Adler bereits in seiner Jugend. Richtig losgelegt hat er aber erst vor 25 Jahren, als er eine spektakuläre Wette einging: Er sollte in einem Vierteljahrhundert 300 000 Kilometer radeln. Die Wette hat er gewonnen.

Eichenau – Den Schlusspunkt hat der im November 1936 in Berlin geborene Klaus-Dieter Adler exakt notiert: „Am 5. September 2018 um 15.30 Uhr waren die 300 000 festgezurrt.“ Die 300 000 Kilometer, die 25 Jahre zuvor bei einer bierseligen Wette unter Arbeitskollegen entstanden war, als Adler Abschied vom Arbeitsleben feierte.

Der frühere Flugzeugführer und -lehrer schmunzelt, als er sich daran erinnert: „Ich schaffe in 25 Jahren 300 000 Kilometer auf dem Fahrrad“, kündigte er zu vorgerückter Stunde an. Am nächsten Tag sei er erst einmal erschrocken. Doch dann fing der damals 56-jährige an zu rechnen: „Es sind ja nur 1000 Kilometer pro Monat.“

Gesagt, getan und geradelt – erst einmal auf einem eher klapprigen Drahtesel, das der damals in Heidelberg wohnende Adler seinem Vermieter abgekauft hatte und bis 2001 nutzte. Mit dem neuen Rad kaufte er gewissermaßen auch einen Schutzengel für seine Radtouren ein, für die er sich nie weit von seinem Wohnort entfernte. Eine Kollision mit einem Lastkraftwagen kurz nach dem Kauf ging glimpflich ab.

Doch Adler bekam mit diesem Vorfall bestätigt, dass das Radeln und der Sport an sich auch aus einem anderen Grund seiner Gesundheit zugutekommt. „Sobald man den Körper anstrengt, wird er empfänglicher für eigenes Insulin.“ 1992 war bei Adler Diabetes durch einen Bundeswehrarzt festgestellt worden. Für ihn kein Grund, zu resignieren. „Ich habe meine Ernährung umgestellt und mit dem Sport weitergemacht. Das mir das nutzt, hat mich ebenfalls motiviert.“

Er sei durchaus ehrgeizig und besitze eine gewisse Sturheit, gibt Adler auch in Bezug auf die Wette zu. Doch Übertreibung lehnt er ab. Körperliche Anstrengung erlebe er gern, aber Leistungsgrenzen teste er nicht aus. „Spitzensport, für den man sich quälen muss, ist gesundheitsschädlich“, sagt Adler. Das Radfahren muss für ihn Genuss sein. Das ist es vor allem im Sommer. „Ich radle gerne über die Felder, dann kann ich die blühende Natur sehen und riechen.“ Stress oder weit weg liegende Ziele passen da nicht in das Bild Adlers. Um die 300 000 Kilometer voll zu bekommen, haben Touren ins Dachauer Hinterland ausgereicht.

Das liegt auch daran, dass er sein Zuhause und die Zeit mit seiner Frau Ada, einer gebürtigen Bruckerin, schätzt. Kennengelernt hatten sich die beiden, als Adler Anfang der 1960er-Jahre am Fliegerhorst stationiert war – eine von vielen Stationen, an die Adler im Laufe seiner Bundeswehrzeit berufen worden war. „Es war oft eine Wochenend-Beziehung“, blickt der jetzt 82-jährige zurück.

Sportlich war Adler immer schon. Er hat früher aktiv Leichtathletik betrieben und ging auch als junger Mann schon groß auf Radtouren – etwa Mitte der 1950er-Jahre von seiner Heimatstadt Berlin aus und vor allem sehr viel weiter als heute mit dem Dachauer Hinterland. „Ich bin mit Kumpels mit dem Rad zum Zelten gefahren – an den Bodensee oder auch bis zur Ostsee.“ Die Fahrräder hatten die jungen Burschen aus Schrotträdern zusammengebastelt. Gangschaltung hatten sie keine.

Die Räder waren zudem noch gut bepackt. Neben Zelten musste die gesamte notwendige Ausrüstung auf den Drahteseln Platz finden. Und zwar für immerhin vier Wochen, wie Klaus-Dieter Adler erzählt. Aber das gemeinsame Erleben habe das mehr als wettgemacht, erinnert er sich noch über 60 Jahre danach gerne.

Das Problem an den Fahrten war aber nicht die Entfernung an sich, sondern die Rückfahrt durch die Zone, wie die DDR damals oft genannt wurde. Die Regeln dort kannten nahmen keine Rücksicht auf Abenteuerlust und Spaß. Man habe immer in 24 Stunden durch sein müssen, so Adler.

Bei bis zu 300 Kilometern, die dabei zu überwinden waren, sei an Pausen kaum zu denken gewesen, Dass man bei der Rückkehr gewissermaßen auf dem Zahnfleisch daher gekommen sei, beschreibt Klaus-Dieter Adler temperamentvoll so, als würde er das heute noch nachempfinden. „Wir sind am Schluss stehend gefahren, weil uns der Hintern so elend weh getan hat.“ Das wiederum hat Adler gelehrt, dass man die Grenzen des Körpers achtet, auch wenn man wie er siebeneinhalbmal um die Erde geradelt ist.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Steckt Absicht dahinter? 
Bayern ohne die Amper – unvorstellbar. Für den Weltkonzern Google scheint das nicht zu gelten. Die Suchmaschine hat den Fluss kurzerhand umbenannt - und verwirrt damit …
Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Steckt Absicht dahinter? 
Tabubruch bei Volksbank: Filiale verlangt Strafzinsen ab dem ersten Cent - beunruhigende Prognose 
Negativzinsen greifen um sich. Die VR-Bank Fürstenfeldbruck verlangt erstmals Geld für Tages- und Festgeld-Guthaben ab dem ersten Euro. Bestandskunden der Volksbank …
Tabubruch bei Volksbank: Filiale verlangt Strafzinsen ab dem ersten Cent - beunruhigende Prognose 
Adventskalender für fleißige Stadtradler
Die Germeringer Stadtradler haben bei der diesjährigen Aktion des Klimabündnisses mit 150 350 gefahrenen Kilometern in drei Wochen zwar deutlich besser abgeschnitten als …
Adventskalender für fleißige Stadtradler
Appell an die Besitzer von Vierbeinern: Freilaufende Hunde stören die Jagd
Der natürliche Jagdtrieb eines Hundes wird zum Problem, wenn er den Jagdpächtern in die Quere kommt. Das passiert in Eichenau offenbar zu oft, weshalb der Jäger seine …
Appell an die Besitzer von Vierbeinern: Freilaufende Hunde stören die Jagd

Kommentare