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Begutachten ihre Ikebana-Kunst (v.l.): Petra Noller-Karst, Isolde Stuffer und Ingrid Scharte.

Ikebana-Kunst in Eichenau

Jede Blüte bekommt ihre Bühne

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Ikebana – das ist die japanische Kunst des Blumenarrangierens. Die Harmonie der Natur darstellen geht aber auch mal mit dem Löwenzahn aus dem eigenen Garten. Die Vielfalt der Kunst zeigt am zweiten September-Wochenende eine Ausstellung in Eichenau.

Eichenau– Sorgfältig hält Petra Noller-Karst eine Montbretie in der Hand. Je nach Drehung und Blickwinkel, liegen die Blätter eng am Blütentrieb an oder weisen in den Raum davor und dahinter. Es wirkt wie ein Gemälde, das eine Blume zeigt, die sich im leichten Wind zu wiegen scheint. „Wir beobachten die Pflanzen sehr genau“, sagt Petra Noller-Karst. Sie ist Mitglied der Gruppe München/Eichenau der „Ikenobo Ikebana Gesellschaft Deutschland West“, die die Ausstellung vom 7. bis 9. September organisiert. Die Schirmherrschaft hat das japanische Generalkonsulat in München übernommen.

Das empfindet man bei der Ikebana-Gruppe als Ehre. „Doch so eine Ausstellung ist auch für eine Gemeinde eine Auszeichnung“, finden Isolde Stuffer und Ingrid Scharte, ebenfalls Mitglieder der Gruppe. Schließlich sei Ikebana eine sehr traditionsreiche Kunst. Es überrascht allerdings, dass sie zunächst Männern vorbehalten war, Samurai und Priester in buddhistischen und shintoistischen Klöstern übten sie aus. Erst ab etwa 1600 wurden Frauen nach und nach in dieser Kunst unterrichtet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie für japanische Mädchen sogar zum Pflichtfach in Schulen.

Die Eichenauer Gruppe trifft sich etwa alle zwei Wochen und wird von Angelika Eisinger, einer nach den Vorgaben der Ikenobo Schule im japanischen Kyoto ausgebildete Professorin, geführt. Die gut 20 Mitglieder im Alter von 23 bis 80 Jahren kommen vor allem aus Gemeinden des östlichen Landkreises.

Der Einstieg in die japanische Blumenkunst ist für jedermann offen. „Man sollte Pflanzen mögen, die Natur und die Harmonie zwischen beiden“, erklärt Isolde Stuffer. Es sei auch keine teure Erstausstattung notwendig. Eine Gartenschere findet sich in nahezu jedem Haushalt, ein Steckigel und eine Schale sind leicht besorgt. Ebenso wenig ist man auf exotisches oder teures Pflanzenmaterial zwingend angewiesen. „Wir arbeiten vor allem mit Material aus unseren Gärten“, betont Ingrid Scharte.

Da wird der allgemein bekannte Löwenzahn zu einem Kunstwerk arrangiert, wodurch auch der Unterschied zu europäischen Blumenarrangements deutlich wird. Während hierzulande beim Blumenstrauß das Gesamtgebilde im Mittelpunkt steht, bietet Ikebana der einzelnen Pflanze Raum für Individualität. „Jede einzelne Blume, jedes einzelne Blatt bekommt bei uns seine Bühne“, erklärt Noller-Karst. Dabei respektiere man Eigenheit und Form der Pflanzen. „Wir machen uns die Pflanze nicht untertan“, wie es Isolde Stuffer formuliert.

Das ist alles andere als langweilig, denn Gleichmacherei scheidet aus. Vielmehr unterscheiden sich die einzelnen Elemente eines Arrangements in Höhe, Anstellwinkel und Ausrichtung. Manchmal bekomme jeder in der Gruppe die Aufgabe mit exakt den gleichen Materialien zu arbeiten. „Dennoch sieht jedes Arrangement anders aus“, schwärmen Stuffer und Scharte von der Bandbreite an kreativen Möglichkeiten. Auch die individuelle Stimmungslage des Einzelnen spiele dabei eine wichtige Rolle.

Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten wird in der Ausstellung besonders deutlich. Rund 30 Teilnehmer der Ikenobo Ikebana Gesellschaft Deutschland West werden erwartet. Sie kommen unter anderem aus Frankfurt und Stuttgart, der österreichischen Hauptstadt Wien und Spanien. Seit Januar sind die Mitglieder der Gruppe mit der Organisation beschäftigt. Die Ausstellung präsentiert in Verbindung mit den Ikebana Blumenarrangements auch japanische Gedichte (Haiku), Tuschewerke und Kalligrafien. Die Vernissage wird musikalisch von der talentierten jungen Violinistin Maya Wichert begleitet. Für Petra Noller-Karst, Ingrid Scharte und Isolde Stuffer steht fest: „Das werden wunderbare Tage für Eichenau, wunderbare Tage der Harmonie.“

Die Ausstellung findet im katholischen Pfarrzentrum Eichenau statt. Sie beginnt am Donnerstag, 6. September, um 19 Uhr mit einer Vernissage. Vom 7. bis 9. September ist sie zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Es werden täglich Führungen angeboten. Am Freitag, Samstag und Sonntag (jeweils 15 Uhr) gibt es eine kleine Kimonokunde. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Eichenau wird selbst auch zum Aussteller auf der FFB-Schau im Oktober.

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