Es mussten noch Stühle geholt werden: Kevin Kühnert war zu Gast in der Eichenauer Friesenhalle. 

SPD im Wahlkampf 

Juso-Promi sorgt für volles Haus

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Der Fall Maaßen zieht das Interesse auf sich – und Kevin Kühnert offenbar das Publikum an. Auch in Eichenau erweist sich der Juso-Vorsitzende als eines der wenigen Zugpferde der SPD.

Eichenau – Aus der ganz speziellen Eichenauer Sicht könnte man sagen: Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, zieht wie Edeka. Letztmals war die Friesenhalle bei einer politischen Veranstaltung im Februar 2015 bis an die Kapazitätsgrenze gefüllt – als es um den Neubau des Supermarktes ging.

Den Auftakt machte allerdings der in Olching wohnhafte Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi. „Die SPD muss sich die Frage nach dem Verbleib in der Koalition stellen“, sagte der 41-Jährige. Er machte deutlich, dass er die für Montag angesetzte Sondersitzung der SPD-Bundestagsfraktion befürwortet. „Die Vorsitzende Nahles trifft nicht auf vollständige Zustimmung in der Partei, vorsichtig ausgedrückt.“

Kühnert legte noch einen drauf: „Wir müssen den Mund aufmachen.“ Das betreffe auch die Basis in der Partei, die Entscheidungen intern nicht immer wieder nach oben delegieren dürfe. Dass sich der SPD-Unterbezirk Fürstenfeldbruck und die bayerische Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Natascha Kohnen, zum Protest gegen die eigene Bundesspitze aufschwingen, fand bei Kühnert und dem Rest des Podiums Zustimmung. Neben Schrodi gehörten dazu noch die beiden regionalen Direktkandidaten Peter Falk und Christian Winklmeier.

Allerdings lenkte das Quartett immer wieder die Aufmerksamkeit auf den Bundesinnenminister Horst Seehofer und die CSU. „Es muss dieser Partei gesagt werden, dass sie eine rote Linie überschritten hat“, so Kühnert. Man müsse der CSU klare Bekenntnisse abringen. „Wer aber gegen Gewalt und Hass kein eindeutiges Signal sendet, dem gehört ein Ende bereitet.“

Teilweise wurde an dem Abend, der unter dem Motto „Rot bewegt“ steht, deutlich, dass sich etliche Sozialdemokraten an der Nase herumgeführt sehen. So forderte Klaus-Dieter Schiffauer aus Germering indirekt einen Machtwechsel: „Was hindert die SPD daran, jenseits der Union eine Mehrheit zu suchen?“ Da mussten Schrodi und die Landtagskandidaten mit den Schultern zucken und auf die aktuellen Stimmenverhältnisse verweisen.

Um das zu ändern, müsse man „klare Kante“ zeigen, bemühte Kühnert erst eine gern genommene Redensart und wird dann doch konkreter. Man dürfe nicht jedem Trend nachlaufen oder jeden politischen Rand bedienen. „Auch auf die Gefahr hin, dass wir ein paar Stimmen verlieren.“

Schrodi empfahl, auf Erfolge in der Großen Koalition aufmerksam zu machen. „Das Bundeskabinett hat den Entwurf für ein Kita-Gesetz beschlossen“, betonte er. Er wirkte fast verärgert: „So etwas geht bei den ganzen Diskussionen um Maaßen unter.“ Dabei betreffe es so viele Menschen. Als am Ende die Frage auftauchte, ob sich Kühnert an der Spitze der SPD vorstellen könne, winkte der ab: „Das ist lieb gemeint, aber ich bin kein Alleinunterhalter.“ Als Zugpferd, so einige SPD-Mitglieder, sei er aber allemal geeignet und wichtig. (hk)

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