+

Jugendzentrum Eichenau 

Das JUZ – eine Anlaufstation bei Problemen

Das Jugendzentrum in Eichenau gibt es seit 36 Jahren. Es ist als Freizeitangebot für Jugendliche gedacht. Doch es erfüllt weit mehr Aufgaben.

EichenauMarvin hat nichts zu tun. Er schlendert auf dem Gehweg zwischen Schule und Jugendzentrum umher. „Ich habe gerade Stress zu Hause“, sagt Marvin, der seinen vollen Namen lieber verschweigt. Er hat Probleme mit seinem Bewerbungsschreiben. „Das bräuchte ich morgen“, sagt er. Ob er es schaffen wird?

Situationen und Gefühle wie diese kennt Hüseyin Mentes, der Leiter des Eichenauer Jugendzentrums (JUZ). Seit 1995 arbeitet er in der Einrichtung. Ärger zu Hause, Probleme in der Pubertät kennt der Sozialpädagoge zur Genüge, und eben auch mal die Geschichten mit dem Bewerbungsschreiben, der Abschlussprüfung oder den Hausaufgaben. Eigentlich wäre es ihm lieber, wenn sich die Jugendlichen einen Tag vorher anmelden. „Rein organisatorisch“, sagt Mentes. Rein menschlich, packe man natürlich sofort an. „Probleme dürfen keine Wartezeit haben.“ Das JUZ sei auch dafür Anlaufstation. „Jederzeit.“

Wie viele Jugendliche das Jugendhaus aufsuchen, hat man beim JUZ nicht genau gezählt. Klar ist aber, dass es deutlich mehr Burschen als Mädchen sind. Das hat auch Vanessa Eberhard festgestellt. Die 28-jährige aus Germering arbeitet seit Februar in der Einrichtung. Sie will eine Mädchenecke einführen, „wo die jungen Damen auch mal für sich sein können“. Gezielte Aktionen würden die Mädels dazu bewegen, das JUZ zu besuchen. Trotzdem kämen männliche Jugendliche regelmäßiger. „Die haben kein Problem, auch mal eine halbe Stunde zu chillen.“

Die eigenen Leute, wie Mentes die Eichenauer Kinder und Jugendlichen nennt, hat man weitgehend im Griff. „Auch wenn da mal ein ganzer Schwung auf einmal kommt“, so Mentes. Würde aber eine Gruppe „Auswärtiger“ anrücken, müsse man schon wachsam sein. Gott sei Dank funktioniere aber der Austausch mit den anderen Jugendzentren des Landkreises.

Das ist auch aus einem anderen Grund wichtig. „Wenn es in eine weiterführende Schule geht, verändert sich der Freundeskreis“, sagt Mentes. Der Puchheimer Realschüler oder Brucker Gymnasiast würde den Weg eher in ein Jugendzentrum finden. „Manche springen aber auch von JUZ zu JUZ, wenn sie die Angebote abgecheckt haben.“

Problemfelder wie Schule, Elternhaus, Pubertät sind laut Mentes in seinen 22 Berufsjahren grundsätzlich gleichgeblieben. Dagegen kommen Kinder immer früher in die Pubertät. Zudem ist der Migrationsanteil markant gestiegen. In seinen Anfangszeiten, erzählt Mentes, habe er allenfalls eine Handvoll solcher Jugendlicher betreut. Heute ist das anders.

Mitarbeiterin Eberhard ist froh, „dass die Durchmischung stimmt“. Das betreffe die Nationalitäten genauso so wie die Altersgruppen. Für die sind die Besuchszeiten grob unterteilt. Bis zur vierten Klasse ist spätestens um 18 Uhr Schluss. „Wenn sie älter sind und länger bleiben dürfen, wird das schon ausgenutzt“, sagt Eberhard. Viele würden das als Prozess des Erwachsenwerdens empfinden.

Raum und Möglichkeiten gibt es dafür im Eichenauer JUZ genug. Billardtisch Tischtennisplatte, Diskoraum, sogar ein kleines Fitnesscenter ist im Angebot – auspowern können sich die jungen Besucher ebenso auf dem Hartplatz, der vormittags von der Josef-Dering-Schule und nachmittags vom JUZ benutzt wird. „Wenn das Wetter passt, sind da schon mal 40 Leute drauf“, schätzt Mentes. Dass gleichzeitig Fußball und Basketball gespielt wird, sei kein Problem. „Intuitiv bekommen die das wohl auf die Reihe“, sagt der JUZ-Leiter. Drinnen ist es bei 40 Menschen voll. „Dann ist es sehr sehr eng.“

Deswegen ist Mentes eher zögerlich, wenn es im Bedarfsfall darum ginge, das JUZ in die Mittags- oder Hortbetreuung einzubeziehen, damit die Gemeinde Plätze anbieten kann. Grundsätzlich sei man zwar bereit: „Aber dann müssten wir unser Gesamtkonzept ändern.“ (hk)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unfallflucht: Verfolgung bis zur Polizeistation
Obwohl er verfolgt wurde und der Weg an der Polizeistation vorbeiführte, ist ein Unfallflüchtiger entkommen. Doch die Beamten sind ihm bereits wieder auf der Spur.
Unfallflucht: Verfolgung bis zur Polizeistation
So ticken Alt-68er heute
Sie protestierten gegen starre Strukturen, den Vietnamkrieg oder die rigide Sexualmoral: 50 Jahre ist es jetzt her, dass die legendären „68er“ in Massen auf die Straßen …
So ticken Alt-68er heute
Darian aus Egenhofen
Vivien Pflanz und Martin Schlender aus Egenhofen feuen sich über die Geburt ihres ersten Kindes. Ihr Darian (3050 Gramm, 51 Zentimeter) tat im Brucker Klinikum seinen …
Darian aus Egenhofen
Mann rastet in VdK-Geschäftsstelle aus - und spricht Todesdrohung aus
Er fühlte sich vom Berater der Brucker Geschäftsstelle des Sozialverbands VdK offenbar schlecht behandelt. Da platzte einem 59-Jährigen der Kragen. 
Mann rastet in VdK-Geschäftsstelle aus - und spricht Todesdrohung aus

Kommentare