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Über 100 gefälschte Rezepte bei Eichenauer: „Gewinnspanne ist viel höher als bei Drogen“

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Von: Angela Walser, Nina Gut

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Digitale Rezeptsammelstelle
Über 100 gefälschte Rezepte fand die Polizei bei dem Eichenauer. (Symbolfoto) © Harald Tittel / dpa

Medikamente statt Marihuana: Unter drogenaffinen Jugendlichen scheint das der neue Trend zu sein. Ein Eichenauer landete nun deshalb vor Gericht.

Eichenau – „In München machen alle auf Tabletten, nicht auf Drogen“, sagte ein Ermittler der Polizei vor dem Landgericht München II. Dort wurde gegen den 26-Jährigen aus Eichenau verhandelt, der sowohl mit Drogen als auch mit gefälschten Rezepten gehandelt haben soll. Zum Auftakt räumte er über seinen Verteidiger die Vorwürfe ein. Trotzdem wollte das Gericht noch mehr erfahren: Wo etwa die 2420 Euro herrührten, die bei der Hausdurchsuchung in einem Geldbeutel gefunden worden waren?

Angeblich war die Summe kein Dealer-Verdienst sondern Geburtstags- und Weihnachtsgeld von den Verwandten. Das nahm ihm zwar keiner ab, aber der 26-Jährige blieb dabei. Die Ermittler waren durch ein gefälschtes Rezept auf den 26-Jährigen gestoßen, das in einer Apotheke in München-Pasing aufgetaucht war. Zudem fing die Polizei in Nordrhein-Westfalen ein Drogen-Paket aus den Niederlanden ab. Es enthielt Haschisch und eine Kräutermischung namens „Dutch Orange“

Polizei findet Marihuana, Ecstasy und über 100 vorbereitete Rezepte

Als eines Morgens die Polizei vor der Tür stand, mussten die Beamten den 26-Jährigen erst einmal aus dem Bett holen. In seinem Jugendzimmer fanden sie knapp hundert Gramm Marihuana in einer Tupperdose sowie 18 Ecstasy-Tabletten. Und sie fanden etwa 100 vorbereitete Rezepte, die von einem Spezl gefälscht und gedruckt worden waren. In den mittig zusammen gefalteten Blättern lag bereits das Geld für den Medikamentenkauf. Dass die Tabletten nicht ausschließlich für den Eigenbedarf des Angeklagten bestimmt waren, liegt auf der Hand.

„Die knallen richtig, oft mehr als Drogen“, beschrieb ein Polizist im Zeugenstand die Wirkung. Insbesondere in der Hip-Hop-Szene würden sie als typische „Auswechseldrogen“ konsumiert. Auf den Rezepten wären ausschließlich diese und „keine ungefährlichen Medikamente“ gestanden. „Die Gewinnspanne bei Medikamenten ist viel höher als bei Drogen“, sagte der Beamte.

Gefälschte Rezepte: Über 40 Aliasnamen erfunden

Fürs Ausstellen der Rezepte hatten sich die jungen Männer verschiedenster Ärzte aus Bayern und München bedient, die alle nicht wussten, wie ihnen geschah. Manchmal waren die Namen auch frei erfunden. Der Spezl war der Drucker im Team. Er hatte so lange getüftelt, bis die Adresse des jeweiligen Arztes ordentlich auf das selbst gebastelte Rezept passte. Den Rest erledigte der Angeklagte. Er legte sich für die gefälschten Urkunden bis zu 40 Aliasnamen zu.

Nun bekam er die Quittung: Der Eichenauer wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt wegen der Straftatbestände unerlaubter Einfuhr, Handeltreibens und Besitzes von Betäubungsmitteln. Die 2420 Euro, die bei dem Arbeitssuchenden gefunden wurden, stuften die Richter als Gewinn aus den verbotenen Verkäufen ein.

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