In Eichenau

Mit Brezen und Trompeten: Jugendblas-Orchester feiert Jubiläum

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Vor 20 Jahren hat die begeisterte Klarinetten-Spielerin Therese Schwarz das Eichenauer Jugendblasorchester (JuBla) gegründet. Mit viel Engagement hat sie seither die Jugendarbeit im Musikverein (MVE) vorangetrieben. Ein Wunsch blieb aber unerfüllt, wie die 46-Jährige im Tagblatt-Interview verrät.

 Seit wann begleitet Sie der Musikverein?

Ich habe mit neun Jahren Klarinette gelernt. Damals gab es so etwas wie ein Mini-JuBla, das kann man aber nicht mit dem heutigen Orchester vergleichen. Das war eher ein Spielkreis mit wenigen Leuten und Auftritte gab es eh keine. Mit zwölf Jahren kam ich dann zum großen Orchester. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und eine Ausbildung zur Dirigentin im Laienmusizieren und zur Instrumentallehrerin Klarinette an der Berufsfachschule für Musik absolviert.

Und dann haben Sie Kinder unterrichtet?

 Gründerin Therese Schwarz

Ich habe zunächst in Maisach angefangen, Freitagnachmittag, nach der Berufsfachschule, Blockflöte zu unterrichten. Dieses Modell habe ich dann auf Eichenau übertragen. Das war aber gar nicht so einfach, weil im Verein die Auffassung herrschte, dass wir gar keine Jugendarbeit bräuchten. Ich bin mit meiner Mitstreiterin Katharina Gruber erst einmal gegen dicke Wände gerannt. Man wollte keine Energie darauf aufwenden, etwas für den Nachwuchs zu tun. Vor 30 Jahren hatten wir nur eine Handvoll Instrumentalschüler, heute sind es 61.

Wie waren die Anfänge des Jugendblasorchesters?

Es gibt da eine Anekdote, die ich bereits zum zehnjährigen Bestehen in der Festschrift zum Besten gegeben habe. Vor 20 Jahren bin ich mit dem damaligen Dirigenten Helmut Buchbauer zum Eichenauer Bürgermeister Hubert Jung und habe darum gebeten, einen Proberaum zu bekommen. Er gab uns die Aula in der Josef-Dering-Schule, in die jeder von außen hineinschauen kann. Eines Freitagabends kam die Hälfte nicht zur Probe. Da stand ich dann mit drei Klarinetten und habe mitgespielt, damit wir wenigstens ein Quartett bilden. Ausgerechnet diesen kleinen Haufen hat der Bürgermeister gesehen, als er vorbeispaziert ist.

Wie viele sind heute im Jubla dabei?

Derzeit sind es 19 Musiker, die zwischen neun und 18 Jahre alt sind. Manche durchlaufen die klassische Laufbahn von der Früherziehung bis hin zum Orchester. Andere gehen zum Studium oder einfach so ins Ausland und kommen aber auch wieder zurück. Lustig ist auch: Jemand hat einmal drei Freunde mit ins Orchester gebracht, die sind geblieben und der, der ursprünglich dabei war, ist gegangen. Die Mitgliederzahl schwankt zwischen 14 und 20 Leuten. Das sind immer so Wellen.

Immer wenn Instrument spielen wieder in ist?

Das einerseits. Vor etlichen Jahren gab es den Film „Jenseits der Stille“, da wollten alle Klarinette lernen. Jetzt gerade sind Saxofon und Schlagzeug total in. Das G8 haben wir aber auch sehr zu spüren bekommen.

Inwiefern?

Die Kinder hatten nicht mehr so viel Zeit, weil sie in der Schule schon so viel zu tun hatten. Jetzt, seit das G9 wieder eingeführt wurde, stellen sich die Eltern wieder die Frage: Welche Hobbies wären etwas für mein Kind?

Kann denn jeder ein Instrument lernen beim Musikverein?

Wir sind keine Musikschule, das ist ganz wichtig. Teil der Ausbildungsphilosphie ist aber die Verbindung von individuellem Unterricht und dem Orchesterspiel. Jedes Kind soll das zumindest ausprobieren. Bei professionellen Lehrern können nahezu alle Blasinstrumente und Schlagwerk erlernt werden. Das Orchesterspiel wird in einem der fünf Ensembles des Musikvereins geübt.

Wo finden die Proben denn statt?

Das Problem mit den Räumen zieht sich wie ein roter Faden durch. Das Jugendblasorchester und das Kinder-Ensemble übt in der Josef-Dering-Schule. Wir haben ein Klassenzimmer extra mit Pyramidenschaum ausgestattet, damit die Lautstärke nicht so nach außen dringt. Wir haben aber immer ein bisschen Angst, dass das nächste Schuljahr das letzte sein könnte. Das große Orchester probt in der Friesenhalle – wenn dort nichts anderes ist. Das AllaBreve-Orchester für erwachsene Anfänger und Quereinsteiger trifft sich in der Cafeteria der Budrio-Sportanlagen. Die Situation momentan ist schon in Ordnung, ja. Aber es wäre schön, wenn wir da verlässlicher planen könnten.

Was sagt der Gemeinderat zu der Situation?

Ich habe neulich mit einigen Gemeinderäten gesprochen und unsere Situation geschildert. Ich bin ein fahrender Musikalienladen, habe die Noten für die Orchester im Auto. Es wäre schön, wenn man als einer der dienstältesten Vereine einen festen Raum hätte. Ich habe auch gesagt: Niemand würde ein Fußballspiel absagen, weil der Musikverein proben muss. Darauf kam nur die Antwort, dass es dem Fußball wohl hilft, einen Referenten im Gemeinderat zu haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ein gutes Orchester lebt vom hervorragenden Miteinander. Wenn es uns gelingt, die gemeinsamen Kräfte in Eichenau weiterhin zu bündeln und damit jungen Menschen die unglaubliche Freude am Musizieren vermitteln zu können – dann wäre das ein wunderbares Weihnachtsgeschenk.

Weihnachtliches Jubiläumskonzert

Zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten findet ein großes Weihnachtskonzert am Samstag, 16 Uhr, in der Starzelbachschule statt. Unter dem Titel „Das junge Weihnachtskonzert” bringt das Jugendblasorchester (JuBla) Weihnachtsklassiker zum Erklingen, begleitet wird es vom Kinderchor der Starzelbachschule. Zum bekannten Kinderlied „In der Weihnachtsbäckerei” von Rolf Zuckowski haben die Starzelbach-Kinder ein kurzes Theaterstück vorbereitet, das ergänzt wird von echten „Jubla-Jubiläums-Brezn”. Diese hat die Bäckerei Fritz spendiert. Den zweiten Teil des Konzertes bestreitet ein übergreifendes Orchester des Musikvereins Eichenau mit Mitgliedern aus allen vier Ensembles: des JuBla, des Kinderensembles, des Alla- Breve und des Sinfonischen Blasorchesters. Zum ersten Mal gibt es eine weitere Zusammenarbeit: Zwei junge Musiker der Musikschule haben sich dem Orchester angeschlossen. Das Konzert dauert etwa 90 Minuten, der Eintritt ist frei. Spenden gehen zu gleichen Teilen an den Elternbeirat der Starzelbachschule, den MVE und einen wohltätigen Adventskalender. 2020 folgen noch weitere Jubiläumskonzerte.

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