Marille Musolff ist eine Stammkundin in der Eichenauer Bücherei.
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Marille Musolff ist eine Stammkundin in der Eichenauer Bücherei.

Serie „Die Bücherfrage“

Mit dem Alter kommt die Lust auf leichte Unterhaltung

Marille Musolff war lange Zeit im Eichenauer Gemeinderat aktiv und Mitglied in der Frauen Union. Im Interview erzählt sie über ihre Leidenschaft, das Lesen.

Eichenau – Marille Musolff lebt seit 1966 in Eichenau. Die 77-Jährige wurde 1982 das erste Mal in den Gemeinderat gewählt, nach einer Pause kandidierte sie 2002 wieder und war bis 2014 aktiv. Zudem war sie Kulturreferentin und ist Mitglied in der Frauen Union. Sie liest seit Jahren im Pflegeheim und bei Weihnachtsfeiern vor.

In Corona-Zeiten wird allgemein wieder mehr gelesen. Gilt das auch für Sie?

Nein. Ich lese seit Jahren sehr viel. Das ist meine Lieblingsbeschäftigung, nachdem das Fernsehprogramm so dermaßen miserabel ist. Ich bin bei uns auch Stammkundin in der Bücherei. Alle vier Wochen bin ich mindestens einmal da und hole mir dann sechs bis acht Bücher.

Welches Genre lesen Sie gerne?

Krimis. Nur die ganzen Finnen, Schweden und Russen, die ich früher gelesen habe, mag ich heute nicht mehr so gerne. Das ist mir zu grausam. Jetzt lese ich viele Bücher, die in Frankreich spielen. Der Autor Martin Walker und sein Polizeichef Bruno zum Beispiel oder von Sophie Bonnet und ihrem Kommissar in der Provence und auch die Bücher von Jean-Luc Bannalec, die in der Bretagne spielen. Deutsche Autoren lese ich auch: Felicitas Mayall zum Beispiel. Vielleicht hat das mit dem Alter zu tun. Ich lese mittlerweile lieber seichte Sachen. Von einer Bekannten habe ich neulich fünf recht dicke Bücher bekommen: „Die Frauen der Wolkenraths“ von Elke Vesper.

Können Sie sich an Ihr erstes Buch erinnern, das Sie selbst gelesen haben?

Als junges Mädchen mit ungefähr 15 Jahren habe ich „Désirée“ von Annemarie Selinko gelesen. Das ist die Geschichte von Napoleon. Mein Bruder hat früher diese ganzen Western gelesen. Das habe ich dann auch getan. Da gab es so eine Reihe von Heftchen, die hießen „Pete“. Die habe ich verschlungen.

Ein Tipp für unsere Leser: Haben Sie einen Lieblingsautor beziehungsweise ein Lieblingsbuch?

Nicht so direkt. Geschmäcker sind ja wahnsinnig verschieden. Ich lese auch gerne Märchen, das mag auch nicht jeder. In der Vorweihnachtszeit habe ich immer vorgelesen in Eichenau. In einem Jahr habe ich sogar mal bei zehn Weihnachtsfeiern vorgetragen. Seit 2006 lese ich auch in unserem Pflegeheim regelmäßig. Das ist jetzt eingestellt wegen Corona. Hoffentlich ist das im nächsten Jahr wieder möglich.

Neben gedruckten Büchern gibt es mittlerweile Ergänzungen wie E-Books und Hörbücher. Was ziehen Sie vor und warum?

Bis jetzt habe ich E-Books noch nicht ausprobiert, muss ich gestehen. Meine Töchter empfehlen mir das auch. Im Urlaub ist das eine praktische Sache, aber ansonsten möchte ich ein Buch in der Hand halten.

Bei welchen Gelegenheiten lesen Sie am liebsten?

Vor allem abends, ab zehn, halb 11 Uhr, bis ich um 12 Uhr ins Bett gehe. Ab und zu auch mal tagsüber eine Stunde nach dem Essen.

Wenn Sie selbst ein Buch schreiben würden, wovon würde es handeln?

Manchmal denke ich mir, ich müsste mein Leben aufschreiben. Ich glaube aber nicht, dass mir das gelingen würde. Wir haben dieses Jahr von der Frauen Union ein Buch veröffentlicht, in dem wir alle unsere Gedanken zu Corona niedergeschrieben haben. Das war ein toller Erfolg.

Was machen Sie mit gelesenen Büchern?

Das ist immer schwierig. Ich hatte mal so viele Bücher. Die habe ich dann nach Gröbenzell zum Bücherflohmarkt gebracht. Bücher wegschmeißen gibt es bei mir nicht. Dann haben wir am Bahnhof ja noch diese Abgabestelle. Da bringe ich auch manchmal welche hin. Und im Pflegeheim haben die auch einen Raum für die Bewohner eingerichtet, wo sie sich Bücher holen können.

Interview: Christoph Riegel

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