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S4 soll ein drittes Gleis bis Eichenau bekommen - ein viertes Gleis wird mitgeplant

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Von: Thomas Steinhardt

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Bahnübergang bei Aubing, bei Eichenauer str, soll geschlossen werden, Signal, S-bahn, Schranke 06.03.07 foto: Oliver Bodmer
Bahnübergang bei Aubing © Oliver Bodmer

Die S4 soll ein drittes Gleis bis Eichenau bekommen. Ein denkbares viertes Gleis für später soll in die Planungen jetzt bereits einbezogen werden. Das sagte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur S4.

Fürstenfeldbruck/München - Kerstin Schreyer hat am Dienstag die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum Ausbau der S4 West zwischen Pasing und Eichenau vorgestellt. Demnach geben die Zahlen einen viergleisigen Ausbau der Strecke aktuell nicht her, vertretbar sei aktuell nur ein dreigleisiger Ausbau bis Eichenau. Auf die Planung des dreigleisigen Ausbaus hatten sich Deutsche Bahn (DB) und Freistaat Bayern bereits 2014 verständigt.

Die Deutsche Bahn kündigt zwischen Steinebach und Hechendorf Arbeiten an. Los geht’s am 20. November.
Bis Eichenau soll ein drittes Gleis gebaut werden © dpa

S4-Ausbau: Aufwärtskompatibel

„Bei der Prognose bis 2030 ging man damals davon aus, dass die Zahlen für ein viertes Gleis nicht reichen“ erklärt Schreyer: „Als ich Verkehrsministerin wurde und mich mit dem Projekt befasst habe, war mir schnell klar, dass wir – auch wenn die Zahlen aktuell nicht für vier Gleise reichen – uns diese Option offenhalten müssen. Darum habe ich mich für einen dreigleisigen Ausbau mit Aufwärtskompatibilität zu einem späteren viergleisigen Ausbau eingesetzt. Dieser Weg ist möglich, wie die aktuelle Machbarkeitsstudie belegt und diesen Weg werden wir auch gehen.“

Das Gutachten der Intraplan Consult GmbH, der SMA und Partner AG und der Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH ist in die laufenden Untersuchungen zur Fortschreibung des Programms „Bahnausbau Region München“ integriert. Die Gutachter haben eine Verkehrsprognose unter Einbeziehung aktueller Strukturentwicklungen in der Region erstellt und das geplante Zugprogramm überprüft. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die erwartbare Fahrgastentwicklung mit der Anzahl an geplanten Zugfahrten sehr gut harmoniere. Dafür ist ein dreigleisiger Ausbau der S4 West zwischen Pasing und Eichenau erforderlich.

S4-Ausbau: Beitrag zur Energiewende

„Wir werden unseren Planungsauftrag an die Bahn so umgestalten, dass der dreigleisige Ausbau der S4 West eine volle Aufwärtskompatibilität gewährleistet. Unsere Gutachter habe hierzu sehr sinnvolle Maßnahmen aufgezeigt. Auch wenn wir jetzt zusätzlich investieren müssen, schaffen wir eine klare Ausbauperspektive für die S4 und sparen längerfristig noch viel Geld und Zeit, wenn dann mal ein viertes Gleis erforderlich wird.“

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB AG für den Freistaat Bayern: „Wir begrüßen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Sie bestätigt, dass der bisher vorgesehene Auftrag für den dreigleisigen Ausbau zu der erwarteten Verkehrsentwicklung passt. Gemeinsam mit dem Freistaat treiben wir die Planungen nun konsequent weiter voran. Unter Berücksichtigung eines vierten Gleises planen wir vorausschauend und in die Zukunft gerichtet. Davon profitieren die Bahn im Freistaat und die Metropolregion München ganz besonders. Denn nur mit einer starken Schiene schaffen wir die Verkehrswende und sichern klimafreundliche Mobilität für die Menschen.“

S4-Ausbau: Die Kosten

Für den dreigleisigen Ausbau der S4 West wurde bisher mit Gesamtkosten in Höhe von rund 660 Millionen Euro gerechnet. Davon circa 300 Millionen Euro für den Ausbau des Westkopfs des Bahnhofes Pasing, der über den Bundesverkehrswegeplan eine Finanzierungsperspektive hat. Die aktuelle Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass die zur Sicherstellung der Aufwärtskompatibilität erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen im derzeit geschätzten Umfang rund 35 Millionen Euro mehr kosten, als die bisherige Planung, allerdings spare man sich später um die 160 Millionen bei einem denkbaren viergleisigen Ausbau.

In Eichenau soll ein Mittelbahnsteig errichtet werden, hieß es in der Pressekonferenz. Der Bahnhof Puchheim biete bereits alle Voraussetzungen. Brücken sollen so ertüchtigt werden, dass dereinst ein viertes Gleis möglich sein soll. Klaus-Dieter Josel sprach von einem Planungszeitrum von drei Jahren, nachdem der Freistaat den Auftrag erteilt hat.

S4-Ausbau: Das sagen die CSU-Abgeordneten

Die Abgeordneten Katrin Staffler (Bundestag), Benjamin Miskowitsch und Alex Dorow (beide Landtag) sowie der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin, alle CSU, begrüßen die Entscheidung der Bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer, beim Ausbau der S4-West die Möglichkeit eines vierten Gleises unbedingt offen zu halten. Obwohl nach der Verkehrsprognose der aktuellen Machbarkeitsstudie drei Gleise ausreichend seien, möchte Schreyer die Aufwärtskompatibilität auf vier Gleise auf dem Streckenabschnitt der S4-West sicherstellen. „Ich freue mich über die Entscheidung der Staatsministerin, denn ich habe mich immer für ein viertes Gleis stark gemacht“, betont Benjamin Miskowitsch als zuständiger Landtagsabgeordneter, „somit herrscht bei dieser Frage auch endgültige Klarheit: ein viertes Gleis bleibt damit nachrüstbar.“ Landrat Thomas Karmasin ergänzt: „Ich bin froh, dass die Ministerin an ihrer Zusage festhält, die Aufwärtskompatibilität sicher zu stellen. Auch wenn die Zahlen derzeit nur einen dreigleisigen Ausbau rechtfertigen, wird der Bedarf an schienengebundener Mobilität in Zukunft weiter wachsen.“ 

„Das Wachstum in unserer Region bringt gerade für die tägliche Mobilität viele Herausforderungen mit sich. Eine dauerhaft nachhaltige Lösung dieser Themen werden wir nur erreichen, wenn wir uns eine künftige Option für den viergleisigen Ausbau der S4 offen halten. Die Anpassung der Planungen ist ein wichtiges Signal der Staatsregierung für die Menschen in der Region“, so Katrin Staffler, die selbst jede Woche die S4 nutzt.

Landtagsabgeordneter Alex Dorow sagt: „Ich bin sehr froh, dass Ministerin Schreyer hier die absehbare Bevölkerungsentwicklung in die Planung aufnimmt. Es wird entscheidend sein, jetzt auch baulich das vierte Gleis mitzudenken, damit wir nicht in wenigen Jahren in der Situation sind, wieder an unsere Grenzen zu stoßen.“ „Die zusätzlichen Planungs- und Baukosten für die Vorbereitungen für ein mögliches späteres viertes Gleis liegen im mittleren zweistelligen Millionenbereich – sie sind aber gut angelegt“, erklärt Miskowitsch. 

S4-Ausbau: Das sagt der FW-Abgeordnete

„Ich bin erfreut, dass die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sich mit meinen laufenden Forderungen decken: 3gleisig bauen und 4gleisig planen“, so Hans Friedl, MdL aus Alling. Das heute im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) vorgestellte Ergebnis der Machbarkeitsstudie zum Ausbau der S4-West zeige auf, dass die bisher geplante Drei-Gleisigkeit zunächst ausreicht, aber der weitere Ausbau zu Vier-Gleisigkeit für den Großraum München eine Investition in die Zukunft sei.

„Laut Ministerium ist der Mehraufwand an Planungen und weiteren Vorbereitungen für viergleisigen Ausbau mit 35 Millionen Europ beziffert worden. So hoch sich die Summe auch anhört, Betragen die Mehrkosten nur ein Viertel gegenüber einer Neuplanung in 2035, die mit 160 Millionen Euro zu Buche geschlagen hätte“, so Friedl weiter.

Hans Friedl: „Mein Einsatz hat sich gelohnt und ich bin sehr zufrieden, weil ich bei dem entsprechenden Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag massiv darauf gedrängt habe, 3gleisig zu bauen und 4gleisig zu planen – andererseits würden wir heute mit leeren Händen dastehen“.

S4-Ausbau: Das sagt der Sprecher der Bürgerinitiative

Prinzipiell sei es schon zu begrüßen, dass man sich mit der Aufwärtskompatibitlität nichts verbaut, sagt der Brucker SPD-Stadtrat Mirko Pötzsch von der Initiative S4-Ausbau. Wenn allerdings jetzt schon klar sei, dass in der Zukunft ein viertes Gleis nötig sein wird, dann wäre es besser, es jetzt auch gleich zu bauen. Er erinnert auch an die Anwohner, die nach Jahren der Baustelle dann gleich wieder eine vor die Türe bekämen. Wegen der Mitelbahnsteige erinnert Pötzsch an die Barrierefreiheit. Denn für solche brauche es zwingen Aufzüge, die ja bekanntermaßen gerne mal defekt sind. Nach früherern Festlegungen komme die Staatsregierung jetzt aus dem Diktum der drei Gleise nicht mehr heraus, was Schade sei. Pötzsch: Es wäre mehr dringewesen.

S4-Ausbau: Das sagt Martin Runge

Angesichts früherer Aussagen zum dreigleisigen Ausbau strafe sich die Staatsregierung jetzt selbst Lügen, sagt Martin Runge. Runge hatte stets darauf hingewiesen, dass vor allem die Bahnsteiganlagen einschließlich ihrer Zuwegungen wie auch die Platzierung der Brückenköpfe (allein zwischen Pasing und Eichenau weist die Bahnstrecke aktuell 14 Über- und Unterführungen auf!) entsprechend der dreigleisigen Ausbauplanung einen späteren viergleisigen Ausbau immens erschweren und verteuern würden. Die Regierung habe anderes behauptet und müsse nun umschwenken. Die Planung nun bringe für Anwohner und Fahrgäste mehr Erschwernisse mit sich als wenn man gleich vier Gleise bauen würde. Jetzt seien massive Umplanungen nötig. Runge angesichts einer Jahrzehnte währenden Debatte: „Wir hätten schon längst viel weiter sein können.“ Runge: Nur ein weiteres Gleis bauen zu wollen, auf dem dann Fern-, Güter und Regionalzüge in beiden Richtungen verkehren sollen, und das auch nur zwischen Pasing und Eichenau, wäre ein Schildbürgerstreich sondergleichen.

S4-Ausbau: Das sagt die Westkreis-Abgeordnete

Gabriele Triebel, Landtagsabgeordnete der Grünen für den Westkreis, erinnert an die Elektrifizierung der Strecke, womit zweifellos mehr Verkehr zwischen der Schweiz und München zu erwarten sei. Sie hat selbst ein Gutachten zu dieser Frage in Auftrag gegeben, das sie demnächst vorstellen will. Sie ist überzeugt: Das dritte Gleis ist allein angesichts dieser Zunahme zu wenig.

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