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Da ist das Ding: Im Bauhof und bei dessen Chef Franz Handelshauser steht die Glocke, die an die Aussegnungshalle soll.  

Nach Sanierung der Aussegnungshalle

Schmuckloser Klang für den letzten Gang

Gehört hat sie noch keiner – und doch soll nach der Sanierung der Eichenauer Aussegnungshalle eine alte Stahlglocke auf dem Friedhof erklingen und den letzten Gang würdevoll begleiten.

Eichenau– Derzeit fristet der Klangkörper auf dem Bauhof der Gemeinde ein eher tristes Dasein. „Sie ist ziemlich angerostet und bekannt schmucklos“, beschrieb Bürgermeister Peter Münster den Zustand der Glocke kürzlich im Gemeinderat. Dennoch soll sie laut Beschluss auf einem Fundament aufgestellt werden.

Ob die Glocke zumindest angeschlagen werden kann, ist noch nicht entschieden. Bauamtsleiter Andreas Troltsch sieht die Gefahr des Missbrauchs, wenn die Glocke frei zugänglich ist. Diese könnte daher eher als optisches Element in das Areal der Aussegnungshalle eingebunden werden. Über den Standort will man erst beraten, wenn die Anfang Mai beginnende Sanierung der Aussegnungshalle abgeschlossen ist. Dies wird heuer um Allerheiligen sein.

Die Sanierung der Halle wird rund 650 000 Euro kosten. Welcher Betrag für die Instandsetzung der Glocke geleistet werden muss, ist noch nicht bekannt. „Man hat sich da nach meinem Wissen auch noch nicht ausdrücklich damit befasst“, so Troltsch. Er gehe davon aus, dass die Glocke entrostet und mit einer neuen Rostschutzfarbe versehen werden müsse. Da seien die Kosten überschaubar.

Mit dem Aufstellen der Glocke soll auch deren symbolische und historische Bedeutung für Eichenau betont werden, wie es in der Sitzung hieß. „Die Glocke soll ein Symbol des Gedenkens sein“, sagte Gertrud Merkert (SPD). Dies sei unabhängig von jeder Glaubenszugehörigkeit.

Sepp Speis (CSU) hob die Bedeutung auf andere Art

hervor: „Wer kein Herz für Eichenau hat, versteht den Sinn dieser Glocke nicht.“ Damit reagierte der Dritte Bürgermeister auf Äußerungen aus dem Gremium: Gemeinderatskollegen hatten gesagt, dass das Aufhängen oder Aufstellen der Glocke wenig Sinn mache.

„Wenn sie schon nicht schön klingt, reicht es, wenn wir sie einfach aufstellen“, sagte Andreas Zerbes (SPD). Einen Schritt weiter ging Marion Behr (Grüne): „Uns erschließt sich der Sinn dieser Glocke sowieso nicht.“ Der Friedhof solle ein weltlicher Ort für alle Menschen sein. Die Glocke sei dagegen eher ein kirchliches Symbol.

Der historische Hintergrund blieb allerdings unbestritten. In der an Allerheiligen 1926 von Kardinal Michael von Faulhaber eingeweihten Schutzengelkirche riefen die in Bochum hergestellten Glocken die Gläubigen an Weihnachten jenes Jahres zum ersten Mal zum Gottesdienst.

Mitte des Jahres 2000 wurden die drei stählernen Glocken durch vier neue aus Bronze ersetzt. Das berichtet die 2007 erschienene Ortschronik.

Die Finanzierung des Kirchenbaus in den 1920er-Jahren an sich und der Glocke hat jedoch einen leicht faden Beigeschmack. Dies liegt an Michael Pfaffinger, dem damaligen Zweiten Vorsitzenden des Kirchenbauvereins, der später als „Dollar-Pfaffinger“ bezeichnet wurde. Der war in der vom früheren Bürgermeister Alfred Rehm verfassten Kirchenchronik so bezeichnet worden: „Einerseits galt er als generös und fromm, voller Ideen, Tatkraft und hervorragendem Organisationstalent. Andererseits war er hundsgemein, großmannssüchtig und sittlich verkommen.“ Pfaffinger hatte Posturkunden gestohlen und war später dafür ins Gefängnis gewandert. (hk)

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