1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Eichenau

Sein Denkmal hat er sich selbst gebaut

Erstellt:

Kommentare

Bürgermeister und Bauunternehmer: Alois Handelshauser hat die Gemeinde entscheidend mitgeprägt. Unter seiner Ägide entstand das jetzige Rathaus.
Bürgermeister und Bauunternehmer: Alois Handelshauser hat die Gemeinde entscheidend mitgeprägt. Unter seiner Ägide entstand das jetzige Rathaus. © hk

Der Name Handelshauser ist bis heute weit verbreitet in Eichenau, in verschiedenen Bereichen. Einer der Namensträger war sogar einmal Bürgermeister der Gemeinde. Eine Straße erinnert an ihn. Dabei hat er sich sowieso selbst ein Denkmal gebaut: das Rathaus, das noch heute so steht.

Eichenau – Alois Handelshauser dürfte einer der prägendsten Bewohner Eichenaus gewesen sein. In seiner Amtszeit als Bürgermeister, vom 14. Mai 1965 bis zum 22. Mai 1968, gab es sogar ein Volksfest: Zehn Tage Bierzelt-Gaudi im Juni 1967 anlässlich der Jubiläen von Krieger-, Soldaten- und Musikverein.

Vier Monate früher hatte sich das ereignet, womit Handelshauser sich ein sehr markantes Denkmal gesetzt hatte: Das neue Rathaus wurde eingeweiht. Im Prinzip steht es heute noch genau so. Den Bau hatte der in Alling geborene und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Eichenau gezogene Handelshauser begleitet. Vom Jahr 1952 an war er im Gemeinderat vertreten. Er war schon dabei, als Eichenau 1957 unabhängig wurde – und schließlich ein Rathaus brauchte.

Gemeinde brauchte neues Rathaus

Denn die Aufgaben der Verwaltung wurden schnell mehr, die „Rathaus“-Räume an der Schulstraße zu klein. Im Gemeinderat war man sich im März 1962 über die Notwendigkeit eines Neubaus einig. Es wurde Anfang 1963 sogar ein eigener Ausschuss gebildet.

Doch dann gab es infolge von Vermessungsarbeiten einen Baustopp. Handelshauser, damals bereits Eichenaus Vize-Bürgermeister und Baureferent, war ebenso Bauunternehmer. Er übernahm schließlich die Planung und Ausführung. Seine Entwürfe fanden uneingeschränkt Zustimmung. Jedoch rieben sich manche Mitglieder des Gemeinderates an den Kosten von knapp 900 000 Mark. So kam es immer wieder zu Verzögerungen. Bis dann 1967 das Rathaus eingeweiht werden konnte. Einschließlich Handelshauser hat der Rathausbau in seinen 55 Jahren insgesamt fünf Bürgermeister erlebt: Auf Handelshauser folgten Alfred Rehm, Sebastian Niedermeier, Hubert Jung und Peter Münster.

Handelshauser gehörte schon damals zu den Befürwortern einer dichteren Bebauung, sprich Nachverdichtung. Dazu gehörte außerdem die Ausweisung von preiswertem Gewerbegrund. Das verfolgte er weiter, als er schließlich Erster Bürgermeister wurde. Zunächst nach dem Tod von Hans Kraus Anfang 1965 geschäftsführend, dann aber schnell per Wahl bestätigt. Neben dieser Amtstätigkeit war Handelshauser zudem Vorstandsmitglied der Zweckverbände zur Müll- und Abwasserbeseitigung.

Er hatte nicht nur Freunde

Doch der Mann war nicht unumstritten. Im Frühjahr 1967 musste Handelshauser die Einleitung eines Dienststrafverfahrens über sich ergehen lassen. Beantragt hatten dies die SPD sowie die damals bestehende Gruppierung „Unabhängig“. Sie hatten Handelshauser vorgeworfen, die Dienstgeschäfte nicht mehr ordnungsgemäß zu erledigen. Um einer Suspendierung entgegenzutreten, beantragte der Bürgermeister selbst ein Disziplinarverfahren beim Landratsamt. Allerdings führte Handelshauser die Geschäfte als Erster Bürgermeister weiterhin aus.

Abschließend geklärt wurde das Verfahren nie. Handelshauser erlag am 22. Mai 1968 einem Herzinfarkt, danach wurde der Vorgang formal eingestellt.

Der Name ist weit verbreitet

Dennoch ist der Name Handelshauser bis heute weiter sehr präsent im Ort. Fünf Firmen sind aufgeführt, die der Baubranche und anliegenden Gewerken zuzuordnen sind.

Auch nach Alois Handelshauser engagierten sich noch weitere Vertreter dieses Familiennamens im Gemeinderat. Für die CSU war dies zweimal Luitgard Handelshauser (1992 bis 1996 sowie 2002 bis 2008) und für die SPD war Karl Handelshauser von 1996 bis 2014 im Gemeindegremium vertreten.

Ehrenamtliches Engagement wurde ebenfalls gezeigt. August Handelshauser war von 1985 bis 2000 Kommandant der Feuerwehr, Markus Handelshauser von 2016 bis 2019 stellvertretender Kommandant. Alexander Handelshauser ist seit 2014 Vorsitzender des Feuerwehrvereins.

Straße ziemlich versteckt

Allzu lang ist die nach dem früheren Bürgermeister benannte Straße, die von Wohnbebauung geprägt ist, nicht: Nach lediglich rund 200 Metern endet sie bereits in einem Wendehammer. Ohne Navigationssystem ist sie nur mit guten Ortskenntnissen zu finden. Die Bürgermeister-Handelshauser-Straße liegt westlich der Roggensteiner Allee.

Auch interessant

Kommentare