Eugenie Scherb in ihrem Büro. Die BN-Kreisvorsitzende wurde jetzt mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten ausgeze ichnet . Foto: Peter Weber

Auszeichnung für Bund-Naturschutz-kreischefin 

Sie will der Zukunft eine Chance geben

Eugenie Scherb ist seit über drei Jahrzehnten im Bund Naturschutz (BN) aktiv. Dafür wurde die BN-Kreisvorsitzende mit dem Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Eichenau – Eugenie Scherb wohnte noch nicht lange in Eichenau, als sie eines Tages zufällig an einer Demonstration der Friedensbewegung vorbeikam. „Es war ein Schweigekreis rund um den Maibaum“, erzählt die 64-Jährige. „Da habe ich mich gleich dazugestellt.“ Die gebürtige Saarländerin lebt seit 1983 mit ihrem Mann in der Starzelbachgemeinde.

Zur Friedensbewegung fühlte sie sich schon vorher hingezogen. Und wer sich unter diesem Engagement nur Ostermärsche und Sitzblockaden vorstellt, greift zu kurz. Weiterbildungen, Kurse und Diskussionsabende gehörten ebenfalls dazu und brachten Eugenie Scherb zu der Erkenntnis, „dass viele Dinge zusammenhängen“. Dass ein Grund für Kriege zum Beispiel knappe Ressourcen sind, und dass der Wunsch nach Frieden den Einsatz für den Umweltschutz ganz logisch nach sich zieht. „Es gibt nie die einfachen Antworten“, sagt die Mutter zweier erwachsener Töchter. „Das Leben ist komplexer als man denkt.“

Seit nunmehr 33 Jahren setzt sie sich beim Bund Naturschutz (BN) dafür ein, dass die Welt künftiger Generationen nicht kurzfristigem Machbarkeitsdenken geopfert wird. „Wir wollen langfristige, nachhaltige Lösungen, die unseren Nachkommen eine gewisse Chance lassen“, sagt die Eichenauerin.

Inzwischen befindet sie sich in ihrer zweiten Amtsperiode als BN-Kreisvorsitzende, kürzlich wurde sie für ihr Engagement mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. Das will Eugenie Scherb aber nicht an die große Glocke hängen. Man müsse die „Medaille“ als Auszeichnung an die gesamte Gruppe verstehen. „Ehrenamt alleine geht gar nicht.“ Erfolge erzielen, Enttäuschungen verdauen, der Resignation widerstehen, wenn wieder ein Gewerbegebiet ein riesiges Areal verschlingt – all das sei nur in der Gemeinschaft möglich.

Seit sie Rentnerin ist, verbringt die frühere Autorin von Computerhandbüchern noch mehr Zeit in der BN-Kreisgeschäftsstelle in einem Winkel des Brucker Brunnenhofs – ein Raum, ein Computer, ein Telefon, schlichte, funktionale Möbel, an den Wänden Fotos. Von hier aus pflegt Scherb Kontakte zu Landschaftsplanern, Geologen, Behörden und den höheren Ebenen des BN, schreibt Stellungnahmen zu kommunalen Bauvorhaben und organisiert Aktivitäten in Sachen Umweltbildung.

Die Arbeit mit der nachwachsenden Generation hat sie in den vergangenen Jahren ausgebaut. „Wir haben vier bis fünf Umweltbildnerinnen, die mit Kindern Führungen durch die Natur machen.“ Dabei erleben die Kids Pflanzen und Tiere und lernen, welche Gefahren die Natur bedrohen – Plastikmüll, Klimawandel, Flächenfraß. Das Thema Boden ist ein Gebiet, das den BN besonders umtreibt. „Wir wünschen uns, dass der Flächenschutz ernster genommen wird.“

Mit Entsetzen registrieren Scherb und ihre Mitstreiter den Etikettenschwindel, wenn plötzlich die Erweiterung eines Ortsteils nach außen als „Innenverdichtung“ deklariert wird. „Man müsste unseren Boden viel mehr achten – und nur noch Flächen versiegeln, wenn man dafür andere entsiegelt“, sagt Eugenie Scherb. „Dann würde man auch den Widersinn erkennen.“ Durch Versiegelung steigt nicht nur die Hochwassergefahr, es stirbt auch sämtliches Bodenleben.

Die Arbeit wird Eugenie Scherb wohl so schnell nicht ausgehen. Sie macht weiter, weil es immer Hoffnung gibt und weil sie den BN pflegt wie ein Hobby – allerdings eines mit den Ausmaßen eines Full-Time-Jobs. (os)

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