Per Kurbel werden die Blätter sortiert: Karl Kraft zeigt die Windfege im Eichenauer Pfefferminzmuseum. 
+
Per Kurbel werden die Blätter sortiert: Karl Kraft zeigt die Windfege im Eichenauer Pfefferminzmuseum. 

Ein Blick ins Pfefferminzmuseum

So entsteht der Tee für die Kanzlerin

  • vonHans Kürzl
    schließen

Spätestens seit Kanzlerin Angela Merkel kundgetan hat, dass sie den Tee aus Eichenau liebt, ist das Pfefferminzmuseum weit über den Landkreis hinaus bekannt. Doch wie läuft eigentlich die Produktion der aromatischen Zutat für das beliebte Heißgetränk? Die Pfefferminzler geben einen Einblick.

Eichenau – Die Pfefferminze in Eichenau hat eine lange Geschichte. Nach dem Ersten Weltkrieg und bis in die 1950er-Jahre hinein war die Pflanze ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für den Ort. Hier lag das bedeutendste Pfefferminzanbaugebiet Deutschlands. Geerntet wurde vor allem die englische Mitcham-Minze. Fortgeführt wurde der Anbau noch bis in die 1970er-Jahre. Heute erfolgt er nur noch zu Demonstrationszwecken und für den Bedarf des Pfefferminzmuseums. Dort kann man erfahren, welche Gerätschaften notwendig waren und wie diese funktionierten.

Anbau

Der Moorboden in Eichenau ließ die Pfefferminze prächtig gedeihen. Herstellungsmethoden und Geräte wurden immer weiter entwickelt. Man wurde höchsten Qualitätsansprüchen gerecht: Die Minze entsprach den Anforderungen des Deutschen Apothekergesetzes. Doch bevor das Produkt ausgeliefert werden konnte, war vor allem bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges viel Handarbeit nötig.

Zunächst musste die Erde gelockert werden. Mit dem Reihen- oder Furchenzieher konnten dann auf dem geebneten Acker zum Beispiel parallele Furchen gezogen werden, in die die Teewurzeln gelegt wurden. Nach dem gleichen Prinzip wird heute auch gearbeitet – aber mit moderneren Maschinen.

Ernte

Die in Mitteleuropa übliche Sense für die Grünlandmahd war etwa 80 Zentimeter lang. Sie hatte eine zum Mäher gebogene und leicht nach unten gewölbte Klinge, das sogenannte Sensenblatt. Die Eichenauer Teebauern hatten sie außerdem mit einer Art Fangkorb versehen – ein Prinzip, wie man es vom Rasenmäher kennt. Mähen und Aufsammeln konnten in einem Arbeitsgang erledigt werden, und die Minze kam mit dem Moorboden nicht in Berührung.

Verarbeitung

Wenn die Ware frisch geerntet wurde, wurde sie in der Schneidemaschine gehäckselt. Das Gerät war bis in die 1970er-Jahre im Einsatz. Anfangs lief es per Fußbetrieb, später wurde es mit einem Elektromotor angetrieben.

Um Blätter und Stile zu trennen, kam die Windfege zum Einsatz. Mit einer Handkurbel wurde ein Windrad zur Rotation gebracht. Durch den Luftstrom wurden die leichteren Blattteile nach vorne hinausgeblasen. Die schwereren Stile fielen nach unten und kamen auf den Kompost.

Bis Ende der 1960er-Jahre blieb die Windfege in Betrieb, also bis zum Ende des Pfefferminzanbaus in Eichenau. Eine gewisse Muskelkraft musste man schon mitbringen, um die Windfege wirkungsvoll bedienen zu können. „Länger als eine Stunde konnte man nicht drehen, und das war schon anstrengend“, erklärt Hans Kugler, Vorsitzender des Fördervereins des Pfefferminzmuseums.

Trocknung

Die Trocknung bildet den Abschluss des Ernteprozesses. Am einfachsten ist es, die Pfefferminze an der Luft zu trocknen. Dabei sollte sie nicht gewaschen werden, weil sie dadurch die Wirkung der ätherischen Öle verliert. Gleiches gilt bei der künstlichen Trocknung, die nicht über 40 Grad vorgenommen werden sollte und die Trockenzeit auf neun Stunden reduziert. Die Trocknung erfolgte früher auf Teedecken, später auf Horden – bei beidem mussten die Blätter einzeln ausgelegt werden. Heute trocknet der Förderverein des Museums in der eigenen Teehalle auf neu gebauten Horden.

Die Serie

In der neuen Serie „Schätze aus dem Heimatmuseum“ werden in loser Folge Ausstellungsstücke aus Heimatmuseen in der Region vorgestellt – als Ersatz für Museumsbesuche, die wegen Corona nicht möglich sind. Wenn dann die Pandemie abebbt und Museen wieder öffnen dürfen, können die Exponate live begutachtet werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare