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Ridha Djebali mit einem französischen Buch über Weihnachtsbräuche- und traditionen.

Traditionen in anderen Ländern

So feiern die Franzosen Christi Geburt

In Frankreich kennt man zwar „Père Noël“, Adventskalender und Weihnachtsmärkte aber nicht. Welche Unterschiede es sonst noch bei den Traditionen gibt, weiß Ridha Djebali, Vorsitzender des Deutsch-Französischen Freundeskreises. Dabei wird klar: Essen spielt im Nachbarland eine wichtige Rolle.

EichenauDas erste Mal, als Ridha Djebali in Deutschland Weihnachten feierte, war er an Heiligabend schockiert – und zwar über das klassische deutsche Essen: Würstl mit Kartoffelsalat. „Ich mache mein Essen selber“, habe er damals zu seinem Schwiegervater gesagt, erzählt Djebali lachend. Er ist in Tunesien geboren, hat in Frankreich und Deutschland studiert und lebt heute in Eichenau.

Bei dieser Episode wird klar, dass die beiden Nachbarländer sich besonders im Hinblick auf den kulinarischen Aspekt unterscheiden. Während in Deutschland vor allem der 1. Weihnachtsfeiertag der Tag des aufwendigen Familienessens ist, mit der berühmten bayerischen „Bratenspitze“ am Vormittag, wird in Frankreich schon am Heiligabend geschlemmt. „Die richtige Feier beginnt nach der Mitternachtsmette“, erklärt Djebali. Mit Musik und Gesellschaft versammelt man sich um den Tisch. Eigentlich sei es wie die Feier an Silvester, so Djebali. Und das Motto der Franzosen lautet: „Ein gutes Essen gehört zu einer Feier.“

Fisch, Truthahn mit Maronen, Kapaun, Gänseleberpastete und Austern seien klassische Weihnachtsspeisen, sagt Djebali, wobei es natürlich auch regionale Unterschiede gibt. Ebenso ein spezieller Kuchen, die „Bûche de Noël“ – das Süßgebäck erinnert in seiner Form an die alte Tradition des Weihnachtsscheites oder Christklotzes, der Glück fürs neue Jahr bringen soll. Eine spezielle Art der Nachspeise gibt es in der Provence, die sogenannten „treize desserts“. Auf Deutsch sind es einfach 13 verschiedene Nachspeisen mit Früchten und Nougat. Und: „Eine Flasche Champagner ist ein Muss“, betont Djebali. Selbst die sonst Abstinenten trinken an Heiligabend ein Gläschen. Es werde schließlich die Geburt Christi gefeiert.

Aber nicht nur auf dem Essenstisch unterscheiden sich die Gebräuche. In Frankreich verbreitet sind zum Beispiel Stechpalmen- und Mistelzweige zur Dekoration. „Das bringt Glück und Erfolg“, erklärt Djebali. Was dagegen fehlt jenseits des Rheines: Weihnachtsmärkte. Generell sei der Gedanke der Adventszeit, das langsame Herantasten an den eigentlichen Feiertag, den Franzosen eigentlich eher fremd: „Weihnachten in Frankreich ist ein Fest, in Deutschland ein Prozess.“

Ausnahme ist Elsaß-Lothringen. Im Grenzgebiet gleichen sich Sitten und Traditionen doch sehr. Zum Beispiel ist nur dort der 26. Dezember auch ein Feiertag, im restlichen Frankreich nicht. Und während der Heilige Abend selbst in Deutschland schon meist arbeits- und auf alle Fälle schulfrei ist, ist das in französischen Schulen und Büros anders: Dort sitzen die Kinder bis zum Mittag an ihren Pulten, die Erwachsenen arbeiten teilweise bis abends.

Doch die zunehmend globalisierte Welt bringt auch im kulturellen Bereich immer mehr Austausch mit sich. Traditionsvermittler ist skurrilerweise zum Beispiel die Supermarktkette Lidl: Im südfranzösischen Toulouse sah man in den dortigen Geschäften zum ersten Mal Adventskalender. „Mein Bruder hat mich angerufen und gefragt, wie das funktioniert“, erzählt Djebali schmunzelnd. Er musste erklären, dass man nicht alle Türchen auf einmal aufmachen darf. Auch die Zeit der Bescherung gleicht sich ein wenig an. Brachte früher „Père Noël“ die Geschenke am frühen Morgen des 25., so bekommen die Kleinen mittlerweile die Präsente schon oft nach Mitternacht.

Alle diese Informationen über Traditionen und Gebräuche kann Ridha Djebali auch für seinen Sprach-Unterricht an der Volkshochschule Gröbenzell gebrauchen. Dort nimmt er in der Vorweihnachtszeit explizit solche Themen mit seinen Schülern durch. (Fabian Dilger)

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