Die Geschichte Dahinter

So kam die Pfefferminze nach Eichenau

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Ein kleiner unscheinbarer Ort, ein Beamter und die Pfefferminze – diese drei Dinge kamen vor 100 Jahren zusammen. Sie ließen eine Verbindung entstehen, die die Gemeinde Eichenau aufblühen ließ. Auch wenn die Pflanze kein Wirtschaftsfaktor mehr ist, ist deren Ansiedlung in der Starzelbachgemeinde immer noch bemerkenswert.

Eichenau – Der Geschichte von Eichenau und der Pfefferminze ist sogar ein Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia gewidmet. Von kleineren Anbauflächen „in den Moorgebieten um München, besonders in der Gemeinde Eichenau“ ist da die Rede. Minz-Pionier war damals der Beamte Adolf Pfaffinger. Dieser hatte die sogenannte Mitcham-Minze vor 100 Jahren in die Starzelbachgemeinde gebracht. Erhalten hatte er diese von der Bayerischen Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz. Das war allerdings nicht die einzige Bezugsquelle.

Weiteres Saatgut kam in eher spärlichen Mengen von einem Apotheker namens Hermann Geiger aus Ottobeuren im Unterallgäu. Der wiederum soll die Minze aus England bekommen haben. Das könnte durchaus hinkommen: „Die wuchs prächtig auf dem moorigen feuchten Boden in Eichenau. Denn der ist dem in England sehr ähnlich“, beschrieb einmal Wolfgang Heilmann, Mitglied des Fördervereins Pfefferminzmuseum diesen Teil der Entstehungsgeschichte.

1939 waren es bereitsüber 50 Bauern

Pfaffinger pflegte seine gerade mal 50 Quadratmeter große Anbaufläche sehr sorgfältig. Die Nachbarn beobachteten ihn dabei zunächst sehr aufmerksam und etwas misstrauisch – aufgrund des doch eher außergewöhnlichen Pflanzmaterials. Eichenau hatte damals gerade einmal 200 Einwohner. Doch der achtsame Umgang mit der Pflanze, dem Moorboden und seinen natürlichen Gegebenheiten lohnte sich. Innerhalb von fünf Jahren war die Anbaufläche auf 1500 Quadratmeter angewachsen. Dies verzeichnet der frühere Bürgermeister Hubert Jung 2007, der in der Ortchronik „Geschichte im Schatten einer Großstadt“ die wirtschaftliche Entwicklung beleuchtete. Den Höhepunkt hatte der Anbau der Heil- und Gewürzpflanzen in Eichenau im Jahr 1939 erreicht. Über 50 Bauern waren auf knapp 34 Hektar Anbaufläche tätig.

Eher zurückhaltend gegenüber den Teebauern war zunächst auch der Handel. Denn die Mitcham-Minze war in der Farbe dunkler und im Geruch markanter als die damals bis dahin bekannten Pfefferminzsorten. Doch mit der Zeit verflog die Skepsis mehr und mehr – die Händler lernten die Eichenauer Pfefferminze sogar richtig zu schätzen. Immer wieder wurde ihr von der Fachwelt gute Qualität bescheinigt. Ein Beleg dafür war die Mitgliedschaft der Eichenauer Teebauern in einer Ortsgruppe des Landesverbandes der deutschen Arzneipflanzenanbauer. Dieser gehörten sie von 1927 bis 1962 an.

Ab 1933 verlief die Vermarktung der Pflanze sogar nur noch über Großhandelsstrukturen. Der Pfefferminzanbau wurde für den damals noch zu Alling gehörenden Ortsteil zu einem Wirtschaftsfaktor, der zudem mehr und mehr Menschen anlockte.

Irgendwann gingendie Teepflücker aus

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Einwohnerzahl Eichenaus auf etwa 1600 angewachsen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wuchs der Ort ständig weiter, 1957 erkämpfte er sich schließlich seine Eigenständigkeit. Die Bedeutung des Pfefferminzanbaus nahm jedoch in gleichem Maße ab. Anfang der 1960er-Jahre war die Fläche und die Zahl der Bauern fast wieder auf das Niveau von 1929 gesunken. Mit ein Grund dafür war, dass es immer schwieriger wurde, Teepflücker zu finden. Auch Billigimporte aus dem damaligen Ostblock, dem asiatischen und südamerikanischen Raum machten der Pfefferminze aus Eichenau schwer zu schaffen. 1980 gab Eugen Ondrusch als letzter Teebauer auf.

Um den Wert der Pfefferminze im Bewusstsein zu halten und dessen Geschichte als einstigen Wirtschaftsfaktor zu pflegen, wurde 1986 das Pfefferminzmuseum ins Leben gerufen – das einzige seiner Art in Deutschland. Betreut und getragen wird es seit 1992 vom Förderverein Pfefferminzmuseum, der unter der Führung von Hans Kugler junior steht.

Das Feld, auf dem der Verein die Pfefferminze pflegt, ist gerade mal doppelt so groß wie die Fläche, mit der Pfaffinger vor 100 Jahren anfing. Der Freistaat Bayern hat dieses Engagement anerkannt, indem er die Eichenauer Minze offiziell als Kulturgut einstuft. Das half unter anderem 2016 beim Bau einer neuen 80 000 Euro teuren Trockenhalle, für die der Verein 15 000 Euro Zuschuss erhielt. Nun können in der Halle 80 Kilo der getrockneten Blätter gelagert werden, die dann das Jahr über im Pfefferminzmuseum verkauft werden. Geöffnet ist es jeweils sonntags von 14 bis 16 Uhr in der Parkstraße 43 neben der Starzelbachschule. Im Museum lässt sich auch alles andere über die Pfefferminze erfragen: über ihren Anbau, ihre Wirkung auf die Gesundheit und wie alles anfing – vor 100 Jahren, als Minze und Eichenau zusammenfanden.

Und vielleicht bekommen dort die Besucher zudem die kuriose Geschichte vom China-Rhabarber erzählt, die Pfaffinger damals als Wechselfrucht pflanzte. Weil er dem echten Rhabarber ähnlich sah, versorgten sich einige Eichenauer mit dem Gewächs – nichts ahnend, dass der Verzehr dieser Frucht Durchfall zur Folge hatte. Sogar das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet. Erst als ein Patient einem Arzt erzählte, dass er den China-Rhabarber verspeist hatte und es ihm daraufhin schlecht ging, war die Ursache endlich gefunden.

Die Geschichte dahinter

In dieser Serie werden in unregelmäßigen Abständen Orte und ihre Geschichte beleuchtet.

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