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Einsatzkräfte ziehen den Wagen der Frau aus dem Starzelbach.

Eichenauer Seniorin aus Auto befreit

So retten Ersthelfer einem Unfallopfer (79) das Leben

Eichenau - Claus Koprek hat Eva Weckerle das Leben gerettet. Als sie mit ihrem Auto in den Starzelbach stürzte, befreiten Koprek und andere Ersthelfer die 79-Jährige. Nun will Weckerle ihren Rettern etwas zurückgeben.

Claus Koprek kriecht mit seinem Auto am Sonntag gegen halb fünf abends die Roggensteiner Allee entlang, parallel zum Starzelbach. Er und sein Sohn wollen nach Kaufbeuren, wo sie wohnen – gerade haben sie Kopreks Eltern besucht. Nun fährt der Bankkaufmann mit seinem Auto nur 30 Kilometer pro Stunde. Eine höhere Geschwindigkeit wäre zu gefährlich. Schneematsch und Glatteis machen die Straße so rutschig wie eine Eisstockbahn.

Plötzlich schlittert ihnen ein Fiat Punto entgegen. Darin sitzt Eva Weckerle (79). Als die Eichenauerin ihr Auto um eine Verkehrsinsel lenkt, bricht das Heck aus. „Ich konnte nicht mehr nach rechts lenken“, sagt sie. Der Fiat stürzt in den Starzelbach, wo er auf dem Dach liegen bleibt.

Eiswasser dringt ins Innere. Die 79-Jährige kann sich nicht befreien. Koprek denkt nicht nach. Er bremst und steigt aus seinem Auto. Bevor er in den Bach springt, sagt er zu seinem 15-jährigen Sohn: „Ruf die Feuerwehr.“ Ausgerechnet einen Tag zuvor hat Koprek die Theorieprüfung für seinen Tauchschein abgelegt.

Was folgt, ist eine Heldengeschichte. Koprek und ein anderer Autofahrer retten der Rentnerin das Leben. Zwar muss sie zur Untersuchung ins Krankenhaus, bleibt aber unverletzt. Koprek will kein Held sein. Er sagt zwei Tage später: „Ich erwarte von jedem, dass er in so einer Situation nicht einfach vorbeifährt, sondern hilft.“

Das Wort „Vorbild“ gefällt ihm schon besser als „Held“. Koprek steht kurz nach dem Unfall bis zu den Oberschenkeln im etwa vier Grad kalten Wasser – und unter Adrenalin. Er versucht, die Fahrertür des Punto zu öffnen. Doch wegen des Wasserdrucks benötigt er mehrere Versuche. „Das war schwierig“, sagt er. Eva Weckerle sitzt angeschnallt im Fahrersitz. Sie ist kopfüber gefangen. Ihr Kopf ist bis zur Nase unter Wasser. Sie kann reden und atmen. Doch der Pegel steigt.

Claus Koprek

Koprek bekommt den Gurt, der unter großer Spannung steht, nicht auf. Gleichwohl bleibt er ruhig. Er erinnert sich daran, was er im Tauchkurs gelernt hat. „Ich wusste, wie man bei Kälte reagieren muss“, sagt er. Dann kommt ihm ein 20-jähriger Autofahrer, der ebenfalls angehalten hat, zur Hilfe. Zusammen reißen sie die Beifahrertür auf. Sie versuchen vergeblich, den Gurt von der anderen Seite aufzumachen. Jetzt dringt das Wasser von beiden Seiten ins Auto. Eva Weckerle bereitet sich darauf vor, die Luft anhalten zu müssen. Sie erzählt: „Ich dachte: Eva, das wars’ dann wohl. Jetzt musst du sterben.“

Doch der 20-Jährige hat einen Einfall, der Eva Weckerle das Leben rettet. Er erinnert sich an das Teppichmesser in seinem Auto. Eva Weckerle hört ihn nur noch rufen: „Ich bin gleich wieder da“, erzählt sie.

Mit dem Messer schneiden Koprek und der 20-Jährige den Gurt auf. Sie befreien Eva Weckerle und tragen sie ans Ufer. Ein Ehepaar, das den Unfall bemerkt hat, eilt zur Hilfe. Die Frau reißt sich ihren Anorak vom Leib und wirft ihn um die 79-Jährige, die klatschnass ist. Weckerle sagt zwei Tage später: „Das war eine wahnsinnige Hilfsbereitschaft. Sie alle haben mir wahrlich das Leben gerettet.“

Wenige Minuten, nachdem Kopreks Sohn den Notruf abgesetzt hat, treffen Feuerwehr, Polizei, Wasserwacht und ein Rettungssanitäter am Unfallort ein. „Die waren wirklich unglaublich schnell“, sagt Koprek. Eva Weckerle muss die Nacht im Krankenhaus verbringen, kann aber tags darauf nach Hause.

Am Dienstag telefoniert sie mit Claus Koprek und bedankt sich bei ihm. Sie sagt, sie habe das Ganze seelisch bereits verarbeitet. Das merkt man auch daran, dass sie am Telefon Witze reißt. „Bei Glatteis fahre ich nie wieder. Wobei ein Auto habe ich jetzt sowie so nicht mehr.“ Sie fühlt sich sogar besser als vor dem Unfall. „Das Ganze hat mir neue Energie verliehen“, sagt sie.

Eva Weckerle hat Jahrzehnte als Altenpflegerin in Laim gearbeitet. Nun ist sie in Rente. Doch sie möchte Koprek und den anderen Lebensrettern unbedingt etwas zurückgegeben. Sie hat erfahren, dass Kopreks betagte Eltern in Eichenau leben. „Ich weiß noch nicht genau wie, aber irgendwie werde ich mich einbringen“, sagt sie.

Koprek spricht von einer sehr „liebenswürdigen Frau“. Auch ihn hat das Erlebnis nachhaltig beeindruckt. Das „Schöne“ sei gewesen, dass der junge Mann und das Ehepaar genau wie er einfach angehalten und gefragt haben, ob man Hilfe brauche. Gleichwohl erinnert er sich an „einige Vollpfosten“, die sich mit ihren Autos an den geparkten Fahrzeuge der Ersthelfer vorbei geschlängelt haben. Koprek sagt, er hoffe, dass andere auch ihm helfen würden, sollte er einmal in so einer Lage sein. Übrigens: Die Tauchprüfung, die er einen Tag vor dem Unfall abgelegt hat, hat er bestanden.

rat

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