Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Erleichtert nach der erfolgreichen, aber nicht ganz ungefährlichen Rettungsaktion (v.l.): Christoph, Marvin, Kinga, Alex und Isabella Glonner.

Auf der Heimfahrt von der Box-DM

Spektakuläre Ausbrems-Aktion: Autobahn-Held rettet ohnmächtigen Fahrer

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Meister ist er nicht geworden. Doch auf der Heimfahrt vom Wettkampf wurden das Eichenauer Box-Talent Marvin Glonner und seine Familie zu Lebensrettern. Mit einer spektakulären Aktion hat sein Vater den Kleinlaster eines bewusstlosen Polen ausgebremst – und wird nun als Autobahn-Held gefeiert.

Eichenau – Ein paar Stunden zuvor hatte Sohn Marvin (14) gerade eine der schmerzlichsten Niederlagen seiner noch jungen Box-Karriere erlebt. In Lindow (Brandenburg) hatte er als amtierender bayerischer und süddeutscher Meister das Finale der deutschen Meisterschaft hauchdünn nach Punkten verloren. Doch was er danach mit seiner Familie bei der Heimfahrt auf der Autobahn in Sachsen-Anhalt erlebte, ließ ihn diesen Frust schnell vergessen.

Vater Christoph (53) hat den Tempomat seines Chevrolet auf 120 eingestellt und sitzt entspannt am Steuer. Neben ihm plaudert Gattin Kinga (36) mit ihren auf der Rückbank sitzenden Kindern Marvin, Isabella (13) und Alex (8). Plötzlich werden sie alle aufgeschreckt. Vor ihnen auf der A 9 nahe der Ausfahrt Bad Dürrenberg (Saalekreis) legen mehrere Fahrzeuge Vollbremsungen hin.

„Ich sah nur noch Rauch“, erzählt Glonner. Er legt als Außendienstler beruflich 60 000 Kilometer pro Jahr auf Autobahnen zurück und bleibt ruhig, bremst erst mal sachte ab und analysiert die Lage. Was er sieht, lässt seinen Atem stocken: Auf der rechten Fahrspur schlittert ein Kleintransporter an der Leitplanke entlang.

Glonner setzt zum Überholen an und registriert, dass der Fahrer des Mini-Lasters zusammengesackt hinterm Steuer kauert. „Haltet euch fest“, ruft der Eichenauer seiner Familie zu. Seiner Frau erklärt er rasch, was er vorhat. Die reagiert ebenfalls ausgesprochen gelassen: „Du wirst schon wissen, was du machst“, sagt sie.

Der 53-Jährige hatte ihr gerade erklärt, dass er sein Auto vor den Transporter manövrieren und es langsam ausbremsen will, bis das gefährlich schlingernde Fahrzeug zum Stehen kommt. Als beide Autos Kontakt aufnehmen gibt es einen leichten Ruck. Ganz sachte schraubt Glonner dann das Tempo herunter. Kurz vor einer Autobahnbrücke kommt der Mini-Konvoi zum Stehen.

Vater Glonner erklärt seiner Familie, wie sie sich nun zu verhalten hat. Links von ihm braust der Verkehr vorbei. Er schleust Frau und Kinder auf den schmalen Mittelstreifen zwischen den Leitplanken, schickt sie hinter den sicheren Brückenpfeiler, während er nach dem bewusstlosen Autofahrer schaut. Die Gattin ruft unterdessen per Handy die Rettungskräfte an.

Fünf Minuten dauert es, bis der noch immer bewusstlose 46-Jährige wieder einigermaßen ansprechbar ist. Glonners aus Polen stammende Gattin ist inzwischen herbeigeeilt – gerade zum rechten Zeitpunkt. Denn mittlerweile ist klar: Das Opfer ist Pole. So kann in Landessprache das Nötigste geklärt werden. Wie geht es ihm? Was hat er? Schon Minuten später sind die Rettungskräfte vor Ort. Glonner ist noch immer beeindruckt: „Unglaublich, die Helfer waren wahnsinnig schnell zur Stelle. Hochachtung!“

Hochachtung sprach auch die zuständige Autobahnpolizei in Weißenfels dem Eichenauer selbst aus. Am Donnerstag wurde der Familie offiziell für das beherzte Eingreifen gedankt. Polizeisprecher Veit Raczek: „So einen Einsatz mit so viel Mut hatten wir in unserem Bereich noch nie.“ Alkohol oder Drogen waren bei dem Polen nicht im Spiel - er hatte gesundheitliche Probleme.

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