Seit 75 Jahren bei der Feuerwehr

Der Tüftler vom Spritzenhaus

„Geht nicht, gibt’s nicht.“ Das ist die Lebenseinstellung von Leonhard Walter. Sie bestimmte auch sein Engagement bei der Eichenauer Feuerwehr, der er inzwischen sage und schreibe seit 75 Jahren angehört – und das mit einem kuriosen Einsatz begann.

Eichenau

Kein Scherz: Am 1. April 1941 trat Leonhard Walter bei der Wehr ein, die damals offiziell „Hilfsfeuerlöschpolizei Teillöschzug Eichenau“ hieß. Die Feuerwehren waren vom damaligen Nazi-Regime gleichgeschaltet wie viele andere Organisationen. Das Vereinsvermögen war beschlagnahmt worden. Ein Bastler und Tüftler wie der im Februar 1924 in Peretshofen geborene Walter war den Kameraden damals besonders willkommen.

Der damalige Kommandant Georg Wiesmeier rief den heute 93-Jährigen zu Hilfe, weil eine Kleinmotorspritze nicht mehr funktionierte. Der Grund, warum die Gerätschaft Schaden genommen hatte, ist kurios: Die Aktiven hatten bei einem Einsatz mangels Wasser ein Feuer mit Gülle gelöscht. Das hatte die Spritze nicht verkraftet.

Alle möglichen und unmöglichen Instandsetzungsversuche waren gescheitert. Also wandte man sich an Leonhard Walter. Der kam, sah und reparierte. Das machte Eindruck und der damalige Zeugwart Josef Ziegler bestimmte: „So einen brauchen wir bei der Feuerwehr.“

An den Brandherden selber war Walter nicht zu finden. Seine Aufgabe war es, die Geräte funktionstüchtig zu halten. Seinen ersten Einsatz hatte Walter am 21. Dezember 1942 in München-Nymphenburg. Ein Reservelazarett war bei einem Bombenangriff getroffen worden. Viele ähnliche Einsätze folgten. „Man war jedes Mal froh, wenn man wieder nach Hause gekommen ist“, sagt der Senior heute.

Im Sommer 1944 wurde Walter zum Kriegsdienst eingezogen. Der Bürgermeister setzte sich jedoch dafür ein, dass Walter an der Heimatfront bleiben konnte und so der Feuerwehr weiter zur Verfügung stand.

Durch die Jahrzehnte hin bescheinigten die Kameraden dem 93-Jährigen stets akribisches und engagiertes Arbeiten. Sepp Spiess, Feuerwehrreferent der Gemeinde: „Mit seiner Erfahrung und Ruhe hat Walter vielen Generationen von Technikern und Maschinisten geholfen.“ Selbst lange Einsätze wie den über dreieinhalb Tage dauernden bei dem Brand einer Korkfabrik in Puchheim brachten ihn nicht aus der Ruhe.

Er habe sich stets kameradschaftlich verhalten, heißt es. Selbst nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1984 hat sich daran nichts geändert. Gleichwohl war Walter ein Mann klarer Worte. Auf einer Feuerwehrversammlung im Jahr 1975 hatte er gegenüber dem damaligen Bürgermeister Alfred Rehm das Löschgruppenfahrzeug LF 8, den Opel Blitz, als „Edelschrott“ bezeichnet. Und prompt bekam die Feuerwehr ersatzweise ein neues Auto. „Dabei war das LF 8 sein Baby“, weiß Feuerwehrreferent Spiess.

Walter hat das Fahrzeug von dessen In-Dienst-Stellung 1959 an betreut und gewartet. Ein paar Mal stand das LF 8 auch auf seinem Privatgrundstück. „Weil das Werkzeug im damaligen Feuerwehrhaus eher dürftig war“, erinnert er sich. Zu Hause habe er alles Notwendige beisammen gehabt. Walter sammelte viele Leistungsabzeichen. Unter anderem erhielt er Silbernes und Goldenes Ehrenkreuz des Landkreises.

Aktiv unterwegs ist der 93-Jährige immer noch – aber nicht mehr als Feuerwehr-, sondern als Privatmann. Oft ist er mit seinem Fahrrad anzutreffen. „Ich bewege mich gerne“, sagt der Vater einer Tochter und eines Sohnes. Die beiden Enkelkinder und der Urenkel wissen die Umtriebigkeit ihres Opas zu schätzen. Genauso wie die Feuerwehr, an deren Vereinsaktivitäten Walter immer wieder rege Anteil nimmt. Auch bei der Schützengesellschaft Immergrün Eichenau ist der Senior seit 75 Jahren Mitglied. Beide Vereine haben ihn durchs Leben begleitet. (hk)

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