Sein ganzes Leben lang hat die Feuerwehr eine große Rolle gespielt: Nun beendet Josef Spiess (Foto oben) nach fast einem halben Jahrhundert zumindest den aktiven Dienst. Er hat so einiges erlebt.
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Sein ganzes Leben lang hat die Feuerwehr eine große Rolle gespielt: Nun beendet Josef Spiess (Foto oben) nach fast einem halben Jahrhundert zumindest den aktiven Dienst. Er hat so einiges erlebt.

Nach 47 Jahren

Urgestein der Eichenauer Feuerwehr beendet aktiven Dienst

  • vonHans Kürzl
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Wer in Eichenau mit der Feuerwehr zu tun hat, kommt an ihm seit Jahrzehnten nicht vorbei: Josef Spiess. Nun hat er sich nach fast einem halben Jahrhundert aus dem Dienst verabschiedet. Viele Erinnerungen werden ihm für immer bleiben.

Eichenau – Auf dem Tisch liegt ein Bildband, den ihm die Kameraden von der Feuerwehr zum offiziellen Abschied nach 47 Jahren Dienst zusammengestellt haben. Josef Spiess blättert ihn gerade durch. Immer wieder stoppt er, erinnert sich, selbst an lange zurückliegende Stationen und Ereignisse, fast so, als seien sie erst gestern passiert. Da waren das schlimme Hochwasser 2013, das neue Feuerwehrgerätehaus, die vielen geselligen Momente und seine ersten Tage bei der Eichenauer Feuerwehr.

Elternhaus ganz nah bei der Feuerwehr

Genau am 27. Mai 1974 wurde der Beitritt des heute 65-Jährigen offiziell. Lange vorher schon hatte er gewissermaßen Blickkontakt: Das Elternhaus von Spiess lag nämlich in Sichtweite der Feuerwehr, die ihr Domizil damals noch an der Emmeringer Straße hatte.

Spiess sah häufig bei den sogenannten Leistungsprüfungen zu. Freunde fragten ihn immer wieder, ob er nicht Mitglied werden will bei der Feuerwehr. Der Vater sagte zu seinem gerade 18 Jahre alt gewordenen Sohn nur: „Es ist eine gute Entscheidung. Aber Du musst selbst wissen, auf was Du Dich einlässt.“

30 Jahre lang Feuerwehrreferent

Er wusste es. Er wollte zur Feuerwehr. Bei der Bundeswehr hatte er den entsprechenden Führerschein gemacht, sodass er mit 19 Jahren seine ersten Einsätze bei der Feuerwehr als Fahrer absolvieren konnte. Und das war nur der Anfang.

1979 wurde Spiess zum Kassier des Feuerwehrvereins gewählt – ein Amt, das er bis zum Jahr 2002 bekleidete. Dem folgten zwölf Jahre als erster und sechs als zweiter Vorsitzender. Ein Dutzend Jahre gehörte Spiess dem Kreisfeuerwehrverband an, war dort eine Zeit lang auch im Arbeitskreis für Fahrzeug und Geräte engagiert.

Doch es blieb nicht beim Ehrenamt: Spiess war bei der Berufsfeuerwehr München tätig. Auch dort sammelte er umfangreiches Wissen. So war er auch bald in kommunalpolitischen Gremien, Spiess ist CSU-Mitglied, auf dieses Thema abonniert: „ 30 Jahre Feuerwehrreferent, darauf bin ich sehr stolz.“ Er kenne jedenfalls niemanden im Landkreis, der das länger gemacht hat. Mittlerweile ist er Vize-Bürgermeister und Referent für Bauthemen.

Ein großer Teil seiner Tätigkeit als Feuerwehrreferent war geprägt von Planung und Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses an der Tannenstraße. 1992 beschäftigte sich Eichenaus Feuerwehr erstmals damit, 2004 gab es grünes Licht für die Planungen, im Oktober 2010 folgte der Einzug in den Neubau.

In diesem Zusammenhang erinnert sich Spiess an einen sehr kuriosen Vorfall. Es gab nämlich einen Eichenauer Bürger, der im Schichtdienst arbeitete, und der zunächst an der Emmeringer Straße, beim alten Feuerwehrhaus gewohnt hat. Dort war er von den Einsätzen immer wieder aus dem Schlaf gerissen worden. Schließlich zog er um.

Pandemie erschwert Ehrenamt

Die Pointe: „Er ist an die Tannenstraße gezogen und hat kurz darauf erfahren, dass wir auch dort hinkommen.“ Der Bürger habe das aber sportlich genommen.

Das Bild der Feuerwehr und das Ehrenamt in der Öffentlichkeit – auch das treibt Josef Spiess um. „Die Pandemie tut dem Ehrenamt nicht gut.“ Man erledige nach Einsetzen nur das absolut Notwendige, um die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. Das seien jetzt nur noch ganz kleine Gruppen, die nach getaner Arbeit sofort auseinandergehen.

Dabei sei das Soziale wichtig, vor allem nach stressigen oder belastenden Einsätzen. „Gelobt sei, was hart macht, gilt schon lange nicht mehr“, sagt Spiess. In besonders schwer zu verarbeitenden Fällen leiste das Kriseninterventionsteam herausragende Arbeit.

Manche Sachen steckt man nie gut weg

Dennoch kommt man irgendwann heim und muss die Bilder selbst bewältigen. Wenn ein Mensch aus der Gemeinde oder sogar aus der Nachbarschaft betroffen ist: „Das kann man nicht so locker abschütteln.“ Erst recht, wenn es um Kinder gehe, fügt Spiess noch hinzu. Er habe stets versucht, die eigene Familie so wenig wie möglich zu belasten. „Die merkt jedoch schon, dass etwas passiert ist.“

Doch für Spiess hatte und hat die Feuerwehr eine Riesen-Bedeutung. Die Sicherheit der Menschen gehöre zu ihren Pflichtaufgaben – und das ehrenamtlich. „Da würde ich mir schon wünschen, dass sich der eine oder andere Gemeinderat besser über die Notwendigkeit einer Anschaffung informiert.“

Auch wenn er sich aus dem aktiven Dienst bei der Feuerwehr verabschiedet hat, im Gemeinderat wird Spiess ein Mahner bleiben – auch wenn er das Amt des Feuerwehrreferenten seit dem vergangenen Jahr abgegeben hat. Die genau 46 Jahre, neun Monate, eine Woche und einen Tag im aktiven Dienst sind ein Pfund an Erfahrungsschatz, an dem man nicht vorbeikommt.

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